Montag, 17. September 2012

Rhea M - Es begann ohne Warnung (1986)

Ein geheimnisvoller Komet sorgt dafür, dass auf der Erde sämtliche Maschinen verrückt spielen und die Herrschaft über die Menschen übernehmen. Eine Armee 'böser' Trucks belagert ein Diner mit Tankstelle, in dem sich eine Gruppe Überlebender verschanzt hat. Verzweifelt überlegen die Eingeschlossenen, wie sie der ausweglosen Situation entkommen können...

Anfang der 80er verging gefühlt kein Monat, in dem nicht ein neuer Film ins Kino kam, der auf einem Buch oder einer Kurzgeschichte von Stephen King basierte. Alles, was der Erfolgsautor jemals zu Papier gebracht hatte, und sei es die Notiz auf einem Bierdeckel, wurde ihm praktisch aus den Händen gerissen, um damit große Kasse zu machen. 1986 war die Begeisterung noch ungebrochen, obwohl das Publikum mit immer schwächeren Verfilmungen ("Kinder des Zorns", 1984, "Firestarter", 1984) überschwemmt wurde. Für die Adaption von RHEA M - ES BEGANN OHNE WARNUNG (Maximum Overdrive) nahm der Autor King selbst auf dem Regiestuhl Platz, was die Erwartungshaltung von Fans und Kritikern noch einmal anheizte. Das Ergebnis entsetzte dann so ziemlich alle, inklusive King selbst, der RHEA M einen "Idiotenfilm" (Moron Movie) nannte, womit er nicht nur seine eigene Leistung passend beschrieb, sondern auch noch sein Publikum beleidigte.

Nun gibt es Idiotenfilme, die wahnsinnig unterhaltsam sind, und einige gehören zu meinen absoluten Lieblingsfilmen ("Das Tal der Puppen", 1967), aber RHEA M ist tatsächlich so gnadenlos schrecklich, dass einem fast die Worte fehlen. RHEA M ist sinnloser, spannungsarmer Trash, der nur in einigen wenigen Momenten überzeugt, die aber so rar gesät sind, dass man sich dafür weißgott nicht den ganzen Film antun muss. 2002 gab King übrigens in einem Interview zu, dass er während der gesamten Dreharbeiten zugekokst war und nicht wusste, was zur Hölle er da eigentlich tat. Nun, sagen wir einfach mal, man sieht es. Und wenn RHEA M schon nicht als Horrorfilm funktioniert, hat er vielleicht als Warnung gegen Drogenkonsum seine Daseinsberechtigung.

Wie 'spaßig' dieser Film ist, das bekommt man gleich in der ersten Szene zu sehen, wenn Stephen King himself als bebrillter Spießer staunend vor einem Geldautomaten steht, der kein Geld rausrückt und ihn stattdessen "Asshole" nennt. Besser wird es nur in den wenigen Splatter-Momenten, wenn Rasenmäher durchdrehen, Elektromesser ein Eigenleben entwickeln und eine widerspenstige Zugbrücke ein Verkehrs-Massaker anrichtet (beste Szene). Leider ist keiner dieser Momente mit dem richtigen Gefühl für Timing inszeniert - wie sollten sie auch, wenn der Regisseur selbst keine Ahnung vom Filmemachen hat? Dabei ist die Grundidee doch ein klassisches SciFi-Szenario, das als "Twilight Zone"-Episode wahrscheinlich super funktioniert hätte. Man merkt, dass RHEA M lediglich auf einer Kurzgeschichte ("Trucks" aus dem Band "Nighshift") basiert, denn der Film zieht sich ohne Ende und rettet sich nur durch das Reenactment von George Romeros "Night of the Living Dead" (1968) - mit Trucks statt Zombies - über die Lauflänge.

Dass bei so einer Katastrophe die Darsteller nichts reißen können, ist klar. Hauptdarsteller Emilio Estevez sieht knackig aus, spielt aber so gut wie nichts und wurde für seine Leistung mit einer Nominierung für die Goldene Himbeere 'geehrt' - ebenso wie Stephen King als Regisseur. In den Nebenrollen sieht man einige Bekannte, aber es lohnt sich nicht, sie aufzulisten, weil sie ohnehin farblos bleiben. Es reicht vielleicht zu sagen, dass der Soundtrack von AC/DC (!) nicht das Schlechteste an RHEA M ist. Wer jetzt noch Lust hat, bittesehr. Aber was soll man auch von einem Horrorfilm erwarten, in dem ein mörderischer Getränke-Automat einen der Höhepunkte darstellt?

Stephen King sagte, er habe durchaus noch Lust, irgendwann einen weiteren Film zu inszenieren. Das kann man auch als Drohung verstehen. Hoffentlich geschieht das dann mit besseren Rauschmitteln.

02/10

Kommentare:

  1. Als besonders albern hervorzuheben ist vielleicht noch die Idee des Maschinengewehres, welches ein Eigenleben entwickelt, obwohl es nur vom Namen her eine Maschine ist und nicht wirklich zu den restlichen Gegenständen passt, die zu morden beginnen.

    Anbei war die Neuverfilmung "Trucks - Out Of Control" meiner Meinung nach schlechter, da alle weiteren durchdrehenden Maschinen dort gar nicht mehr vorkamen. Als Trash finde ich "Rhea M" noch ganz o.k.

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  2. Der Film steckt überhaupt voller alberner Einfälle - allein das Flitterwochen-Paar...

    Das Remake habe ich mir nicht angesehen, aber gut zu wissen, dass ich das auch nicht muss. :-) Wenn es um böse Trucks geht, kommt ohnehin keiner an das ultimative "Duell" von Spielberg heran.
    Gruß von Mathias

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  3. Sehe ich genau so! Mit "Duell" ist zu dem Thema bereits alles gesagt. Großer Film!

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