Donnerstag, 13. September 2012

Rächer der Unterwelt (1946)

Zwei Auftragskiller sind in der Nacht unterwegs, um den "Schweden" (Burt Lancaster), Ex-Boxer und Beteiligter eines Raubüberfalls, zu ermorden. Der wartet schon in seinem kleinen Apartment auf den Tod und hat keine Lust mehr, vor dem Unausweichlichen wegzulaufen. "Ich bin fertig mit Davonlaufen. Ich habe mal etwas Falsches getan, früher" sind seine letzten Worte.

An dieser Stelle endet die Kurzgeschichte von Ernest Hemingway, auf der RÄCHER DER UNTERWELT (The Killers) basiert. Dort erfahren wir nicht, was der "Schwede" verbrochen hat und ob er noch einmal davonkommt. Im Film stricken die Drehbuchautoren Anthony Veiller und ein nicht genannter John Huston die Geschichte weiter. Der "Schwede" wird getötet, und ein Versicherungsdetektiv (Edmond O'Brien) macht sich auf die Suche nach Antworten. Der Film übernimmt ab diesem Zeitpunkt eine "Citizen Kane"-Struktur und schildert die Vorgeschichte des Auftragsmords in Rückblenden, jeweils erzählt von Weggefährten des "Schweden". Die Nachforschungen des Detektivs aber haben ganz eigene Konsequenzen in der Gegenwart, führen selbst zu Mord und Totschlag und decken einen Betrug auf, der vom Initiator des Raubüberfalls (Albert Dekker) und seiner bezaubernden, aber abgründigen Femme Fatale Kitty Collins (Ava Gardner) ausgeführt wurde.

RÄCHER DER UNTERWELT gehört zu den klassischsten aller klassischen Film Noirs und landet regelmäßig auf sämtlichen Top 10-Listen des Genres. Burt Lancaster gab hier sein Leinwanddebüt und wurde über Nacht zum Star, und auch Ava Gardner, einst die "schönste Frau Hollywoods", feierte mit diesem Gangsterdrama ihren Durchbruch. RÄCHER DER UNTERWELT, der mit seiner verschachtelten Chronologie die Grenzen der konventionell-linearen Erzählweise sprengt, war ein Riesenerfolg bei Kritikern und Zuschauern, was einerseits an der glänzenden Besetzung, andererseits an der atmosphärisch-straffen Regie Robert Siodmaks liegt, der seine fatalistische Geschichte, die in bester Noir-Tradition für (fast) niemanden gut ausgeht, in raffiniert ausgeleuchteten Sets voller Schatten und Tiefenschärfe erzählt. Der hochspannende Beginn hält das Publikum so in Atem, dass es einige kleinere Längen im Mittelteil locker verzeiht. Die einzige Kritik, die man äußern könnte, bezieht sich auf die Motivation des Versicherungsdetektivs O'Brien, der sich - ebenfalls ein Stilmittel des Noir - in seine Nachforschungen so hineinsteigert, dass er bald selbst nicht mehr von den Gangstern zu unterscheiden ist, wofür es eigentlich keinen nachvollziehbaren Grund gibt. Da O'Brien seinen Agenten aber hervorragend spielt und die Geschichte ohnehin von merkwürdigen, obsessiven Typen bevölkert wird, stellt sich diese Frage nur am Rande.

Im Gedächtnis bleiben vor allem die Szenen mit der berückenden Ava Gardner, die ihren sterbenden Liebhaber anfleht, er möge doch die Polizei von ihrer Unschuld überzeugen, eine stilisierte Boxkampf-Sequenz, ein dokumentarisch anmutender Raubüberfall und nicht zuletzt die traurigen Augen Burt Lancasters, der als sensibler, anständiger Dummkopf in schlechte Gesellschaft gerät, aus Liebe ins Gefängnis geht und schließlich aufrecht sein gewaltsames Ende erwartet.
"What's the Difference?" fragt Sterling Hayden am Ende von Stanley Kubricks später entstandenem Gangsterdrama "The Killing" (1956), der viel von "The Killers" übernommen hat. Wozu? Das ist die Frage, die ein Genre auf den Punkt bringt, welches nicht zufällig in Kriegszeiten geboren wurde.

09/10

Kommentare:

  1. auch deshalb ist Lancaster einer meiner Lieblinge !! Dank dir für die Reanimation dieses Streifens.
    Grüße Klaus

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  2. Sehr gern geschehen! Ich hatte den Film selbst lange nicht gesehen und ihn wieder mit Freude genossen. Ist wirklich ein starker erster Leinwandauftritt von Lancaster, damit musste er ja zum Star werden. Gruß von Mathias

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