Dienstag, 11. September 2012

Magic - Die Puppe des Grauens (1978)

Da ist sie wieder, die böse Bauchrednerpuppe, die uns im Horror-Genre schon so oft das Fürchten lehrte, seit Michael Redgrave als irrer Bauchredner in "Traum ohne Ende" (1945) nicht mehr zwischen Realität und Wahn unterscheiden konnte.

Hier heißt die Puppe 'Fats' und gehört Anthony Hopkins, der als Magier und Bauchredner 'Corky' mit frechen Sprüchen das Publikum unterhält. Als er aber das Angebot für eine große TV-Show bekommt, für die 'Corky' sich einer medizinischen Untersuchung unterziehen müsste, lehnt er ab und versteckt sich in einer Waldhütte, wo er seine alte Highschool-Flamme (Ann-Margret) wiedertrifft und sich verliebt. Da hat die Puppe aber auch noch ein Wörtchen mitzureden...

Für den Film MAGIC - DIE PUPPE DES GRAUENS (Magic) adaptierte Autor William Goldman seinen eigenen Roman, die Regie führte Richard Attenborough. Für Anthony Hopkins war MAGIC die erste Hauptrolle in einem Spielfilm, und er ist auch der Grund, warum man sich dieses Puppentheater ansehen sollte. Seine Interaktionen mit der Puppe 'Fats' sind brillant gespielt und eindringlich inszeniert. Der Film bezieht seine Spannung nicht aus der Frage, ob die Puppe womöglich lebt, sondern - wie das Vorbild "Traum ohne Ende" - aus dem schleichenden Wahnsinn der von Hopkins gespielten Figur. Für den introvertierten Künstler, der anfangs noch liebenswert skurril wirkt, vor dem man sich aber im weiteren Verlauf immer mehr zu fürchten beginnt, ist Hopkins die Idealbesetzung. Trotz seines mörderischen Verhaltens empfindet man als Zuschauer immer noch Mitleid und hofft, dass seine Taten unentdeckt bleiben (der Norman Bates-Effekt).

Überhaupt kann MAGIC bis in die Nebenrollen mit hervorragenden Schauspielern aufwarten. Neben dem fantastischen Burgess Meredith als Hopkins' finsterer Agent ist es vor allem Ann-Margret, die Sex-Ikone der wilden 60er, die einer eher uninteressanten Rolle Tiefe, Zerbrechlichkeit und Menschlichkeit verleiht. Komponist Jerry Goldsmith hat einen wundervollen, melancholischen Gruselscore für den Film komponiert, der oft an Bernard Herrmann erinnert. Die Puppe 'Fats' ist als Doppelgänger von Hopkins (die beiden tragen mehrfach dieselbe Kleidung) so gut entworfen, dass allein ihr Anblick und leichte Veränderungen in ihrem Gesicht für wohligen Schauer sorgen. Ein TV-Spot, der zur Promotion von MAGIC lief, musste in den USA übrigens zurückgezogen werden, nachdem sich Eltern beschwerten, ihre Kinder würden es mit der Angst bekommen.

Ganz so schockierend ist MAGIC dann doch nicht, denn Richard Attenborough mag sich nicht so recht entscheiden, ob er einen Horrorfilm, einen Thriller oder ein psychologisches Drama erzählen will. Nach einem gelungenen Auftakt stellen sich mehrere Längen ein, die hauptsächlich mit der Liebesgeschichte zwischen Hopkins und Ann-Margret zu tun haben, und die Momente echten Horrors sind sehr überschaubar. Langweilig ist MAGIC nie, aber so richtig Spaß macht der Film aufgrund der schwermütigen Herbststimmung und des gemächlichen Tempos ebenfalls nicht. Als Schauspielerfilm funktioniert MAGIC am besten.

Die deutsche DVD-Fassung von MAGIC ist leider um ganze acht Minuten sowohl in den Gewaltszenen als auch in Dialogpassagen gekürzt, was das Vergnügen ziemlich schmälert.

07/10

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