Sonntag, 30. September 2012

John Carpenters Vampire (1998)

John Carpenter hat mehrfach Howard Hawks zu seinem Idol und dessen Western "Rio Bravo" (1958) zu seinem Lieblingsfilm erklärt, und mehr als einmal in seiner Karriere hat er beiden in seinen eigenen Filmen seine Aufwartung gemacht. "Die Klapperschlange" (1981) oder "Das Ende" (1976) sind kaum getarnte Hommagen an die Western des Meisters, auch wenn sie in einem futuristischen New York oder im zeitgenössischen L.A. spielen.

Und so beginnt auch JOHN CARPENTERS VAMPIRE (Vampires) mit einem bemerkenswerten Kameraflug samt Western-Panorama, begleitet von Carpenters wie üblich selbst komponiertem, atmosphärischem Soundtrack. Sein Horror-Western erzählt von einer Gruppe moderner Vampire, die in New Mexico ihr Unwesen treibt. Ein eigenwilliger Vampirjäger (James Woods) wurde vom Vatikan entsandt, das Böse auszurotten. Gemeinsam mit seiner Gang aus Outlaws ist er dem Obervampir (Thomas Ian Griffith) auf den Fersen, doch bis es zum finalen Duell kommt, müssen einige Hälse dran glauben...

Die Verlegung des klassischen Vampirstoffes in die staubtrockene Wüstengegend hat ihre offensichtlichen Reize, und Carpenter filmt das teilweise extrem blutige Geschehen in gewohnt souveräner Qualität, mit erlesenen Cinemascope-Bildern vor den endlosen Weiten der Prärie, so wie er das Grauen von "Das Ding" (1982) vor dem ewigen Eis der Antarktis in Szene setzte. Das Problem ist, dass ihm dort ein wesentlich besseres Drehbuch zur Verfügung stand und er einen Klassiker des Horrorkinos schuf, während VAMPIRE wenig mehr als Fast Food-Kino ohne bleibenden Wert ist. Nett, unterhaltsam, aber weder wirklich spannend noch intensiv oder beeindruckend. Die Tricks und Effekte sind gut, der Gorelevel ist für einen Carpenter erstaunlich hoch (in den USA drohte ihm ein NC-17-Rating, das er nur durch einige Schnitte umgehen konnte), aber neben einigen sehenswerten Momenten (die Vampire, die sich aus dem Sand erheben, das Motel-Massaker, die Rotblenden) bleibt der Film einfach nicht lange im Gedächtnis.
VAMPIRE kam auch noch um ein paar Jahre zu spät. Tarantino hatte mit "From Dusk Till Dawn" (1996) bereits abgeräumt und zum Thema alles gesagt. Carpenters Film wirkte da nur noch wie ein müder Nachzieher, dem es dazu noch an Originalität mangelt.

James Woods ist ein verlässlicher Hauptdarsteller, aber er gehört auch zu denen, die es gern übertreiben, wenn man sie nicht ordentlich führt, und genau das geschieht hier (für ein anderes Beispiel siehe "The Specialist", 1994). Dazu ist sein cooles Macho-Gehabe dermaßen ausgestellt, dass seine Figur schnell vom Sympathieträger zur Nervensäge verkommt, zumal nur ein Bruchteil seiner Sprüche wirklich witzig ist. Die Figuren und Dialoge sollen insgesamt auf einer rotzig-vulgären Ebene Spaß machen, sind aber überwiegend zu derb und hohl geraten. Als Zuschauer interessiert es einen herzlich wenig, ob am Ende die Proleten-Gang von Woods oder die Vampire siegen, und das wäre einem Hawks nun weißgott nicht passiert.
Als Obervampir macht Thomas Ian Griffith dabei eine ganz gute Figur, die wunderbare Sheryl Lee ("Twin Peaks") wird leider in einer vollkommen passiven Opferrolle komplett verschenkt, und den größten Fehler begeht der Film, wenn er Woods' Sidekick Daniel Baldwin zwischenzeitlich zur Hauptfigur macht. Nicht nur ist Baldwin ein uncharismatischer Darsteller aus der Z-Kategorie (in den 90ern nahm man Daniel Baldwin, wenn man dessen prominente Brüder Alec, William oder Stephen - und zwar in dieser Reihenfolge - nicht kriegen konnte), sondern sein Charakter ist auch komplett uninteressant.

So hängt VAMPIRE dann immer mal wieder kräftig durch, bis das actionreiche Finale den Gesamteindruck wieder etwas heben kann. Trotzdem muss man VAMPIRE nicht gesehen haben. Obwohl er am Startwochenende auf Platz 1 der amerikanischen Kinocharts landete, verschwand er schnell wieder aus dem öffentlichen Bewusstsein, und von einem angekündigten 'Comeback' des Regisseurs, der zuvor mehrere künstlerisch und/oder finanziell enttäuschende Filme in die Kinos brachte, war auch keine Rede mehr. VAMPIRE gehört sicher noch zu den besseren Beiträgen aus Carpenters Spätphase, aber an die frühen Meisterwerke kommt er in keiner Minute heran.

6.5/10

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