Freitag, 14. September 2012

Goldenes Gift (1947)

Einer der größten Film Noirs aller Zeiten ist Jacques Tourneurs GOLDENES GIFT (Out of the Past), der die essentiellen Stilmittel und Elemente des Genres auf furiose Weise mixt und mit Jane Greer eine exemplarische Femme Fatale porträtiert.

Robert Mitchum spielt den ehemaligen Privatdetektiv Bailey, der jetzt in einem Kleinstadt-Nest eine Tankstelle betreibt, wo er eines Tages Besuch von einem Schatten der Vergangenheit erhält, der ihn zu seinem ehemaligen Auftraggeber Sterling (Kirk Douglas) bringen soll. Einst sollte Bailey Sterlings Freundin Kathie (Jane Greer) suchen, die mit 40.000 Dollar durchgebrannt war. Als er sie in Mexiko aufspürte, verliebte er sich in die schöne, aber skrupellose Dame und tauchte mit ihr unter. Ein Mord hat beide auseinander gebracht. Sterling hingegen hat noch eine Rechnung mit unserem Antihelden zu begleichen und plant, Bailey einen Mord unterzuschieben und gleichzeitig einen Erpresser loszuwerden. Überraschenderweise ist auch Kathie wieder mit von der Partie und spielt ein eigenes, undurchschaubares Spiel...

Die Vergangenheit holt dich immer wieder ein. Das ist eine der Grundregeln des Film Noir. Niemand, der betrogen, gelogen, gestohlen oder gemordet hat, kommt ungeschoren aus diesem moralischen Universum. Am Ende leben nur die wirklich Unschuldigen, aber sie sind in der Minderheit. Alle anderen mit dunkler Vergangenheit müssen dran glauben. Man staunt, wie sonnig GOLDENES GIFT über weite Strecken ist, und wie viel sarkastischen Humor er bietet. Robert Mitchum geht stets mit einem spöttischen Lächeln durch den Film, so als könne ihm nichts etwas ausmachen. Oder ist das nur das Wissen um die Unausweichlichkeit seines Schicksals? "Wir verdienen einander", sagt er zu Jane Greer, der bösen, skrupellosen Lügnerin mit dem Engelsgesicht, obwohl er nichts getan hat außer der falschen Frau zu folgen. Den Mord hat sie auf dem Gewissen, und nicht nur den einen.

Obwohl Mitchum und der junge Kirk Douglas starke Kerle sind, die es mit jedem aufnehmen können, ist GOLDENES GIFT Jane Greers Film. Ihre Kathie Moffat ist so durch und durch verkommen, dass Männerleichen buchstäblich ihren Weg pflastern. Was ist nur mit diesem lieblichen Mädel passiert, dass sie so abgründig wurde? Im Gegensatz zu der eiskalt berechnenden Königin aller Femme Fatales, Barbara Stanwycks Phyllis Dietrichson ("Frau ohne Gewissen", 1940), die kühl und berechnend Männer ins Verderben lockt, strahlt Greer trotz aller Abgebrühtheit eine mädchenhafte Unschuld aus, der man sich nicht entziehen kann, der man glauben möchte, auch wenn sie offensichtlich lügt. Kein Wort, das sie im Film spricht, ist wahr. Mitchum ist noch an sie gekettet, wenn er sie längst durchschaut hat.

Jacques Tourneur, der einige der wundervollsten Horror-Märchen inszeniert hat ("Katzenmenschen", 1942, "Ich folgte einem Zombie", 1943), kennt sich mit Licht und Schatten aus wie kein anderer, und er hat eine hoffnungslos romantische Ader. Er inszeniert Grauen, Mord und Totschlag immer als Liebesgeschichte, so auch hier. Und er baut überall Stolpersteine ein, die der Erwartungshaltung des Publikums zuwider laufen. Der Plot von GOLDENES GIFT ist mit seinen parallelen Plots und Intrigen aller Beteiligten gegeneinander so verzwickt, dass man ihn unmöglich wiedergeben kann. Ständige Wendungen und die Einführung neuer Figuren halten den Thriller ununterbrochen in Hochspannung. Die Dialoge sind von messerscharfer Ironie und Bissigkeit.
GOLDENES GIFT ist ein großer, tiefschwarzer Klassiker voller Überraschungen, bevölkert von beschädigten Charakteren, die alle nur das Beste wollen - für sich selbst.

10/10

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