Samstag, 22. September 2012

Das perfekte Alibi (1995)

Traue niemals französischen Au Pairs, ganz besonders nicht, wenn sie so unscheinbar mit Brille, Zopf und spießiger Kleidung daherkommen und so tun, als könnten sie kein Wässerchen trüben. Unter den konservativen Fummeln steckt nämlich ein sexy Vamp, das sich umgehend auf das Familienoberhaupt stürzt und mit ihm gemeinsam finstere Pläne schmiedet, die Ehefrau loszuwerden, um deren Platz einzunehmen, während der Gatte das Geld erbt.

Genau so geschieht es in DAS PERFEKTE ALIBI (Perfect Alibi), einem Thriller aus den frühen 90ern - natürlich, denn das war die Zeit, in der weibliche Psychopathinnen die Kinoleinwände unsicher machten, was immer noch auf den Einfluss von "Eine verhängnisvolle Affäre" (1989) zurückging, in der Glenn Close die ultimative Bedrohung für die glückliche amerikanische Mittelstands-Familie darstellte. Filme wie "Die Hand an der Wiege" (1992) oder "Weiblich, ledig, jung sucht..." (1992) folgten dem Trend.

DAS PERFEKTE ALIBI kann zwar mit den genannten Vorbildern nicht mithalten, ist aber ein netter, harmloser kleiner Thriller, der sich gut wegschaut und eher wie eine Light-Version des Stoffes wirkt - zumal er aussieht wie eine TV-Produktion, was er auch ist.Man erkennt es unter anderem an einer biederen Sexszene, in der sich beide Darsteller nackt im Bett umherwälzen, ihre Körper aber stets durch ein albern drapiertes Laken voneinander getrennt sind, was eine leidenschaftliche Penetration anatomisch eher schwierig macht.

Hier schleicht sich also das französische Kindermädchen Lydie Denier in das Leben von Arzt Alex MacArthur und Gattin Kathleen Quinlan ein. Quinlans alkoholisierte Schwester, die neben dem Wodka auch den Braten riecht, muss als Erste dran glauben, Privatdetektiv Charles Martin Smith ist der nächste. Jeder, der das Geheimnis ahnt, muss sterben, so wie in "Das Omen" (1976), nur ohne die Teufelschoräle und fliegende Glasplatten. Durch die Todesfälle misstrauisch geworden, schnüffelt fortan Quinlans Geschäftspartnerin Teri Garr gemeinsam mit Detective Hector Elizondo dem mordlüsternen Pärchen nach und begibt sich dabei in Lebensgefahr...

Ja, das klingt nicht gerade wahnsinnig aufregend und ist es auch nicht. Trotzdem macht DAS PERFEKTE ALIBI Spaß, wenn man Freude an derlei altmodischer Krimi-Kost hat. Das Ensemble besteht zur Gänze aus guten Schauspielern, die von Hollywood irgendwann in die zweite Reihe verbannt oder gänzlich vergessen wurden, die aber (allein schon deswegen) außerordentlich sympathisch sind. Teri Garr ist das beste Beispiel, wie man in der Traumfabrik mit Frauen umgeht. Anfang der 80er war sie heißer als heiß und konnte sich die Rollen aussuchen, kurz danach war sie aus unerfindlichen Gründen (mit 30 wahrscheinlich viel zu alt) abgemeldet, dabei hat sie mehr Talent im kleinen Finger als andere Kolleginnen im gesamten Silikonkörper.  Mit Kathleen Quinlans Karriere ging es ebenso auf und ab. Außerdem ist es schön, Hector Elizondo mal in einer größeren Rolle zu sehen. Und als Teri Garrs skurrile Tante hat Estelle Harris ("Seinfeld") köstliche Auftritte.
Das Drehbuch ist zwar ohne Ende vorhersehbar und weist einige haarsträubende Logikfehler auf, baut aber hier und da ein paar schlagfertige Dialoge ein und präsentiert am Ende den herrlich alten Hut mit dem vergifteten Tee, der die Seiten wechselt (à la "Der Wein mit der Pille ist in dem Becher mit dem Fächer").

Wer gerade nichts Besseres zu tun hat, kann mal reinschauen, wer nur 'echte' Thriller mag, wird sich eher langweilen. Ich mag ihn.

6.5/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...