Montag, 3. September 2012

Der weisse Hai 2 (1978)

Gerade als man dachte, es sei wieder sicher, ins Wasser zu gehen, wütet ein neuer Hai vor den Stränden unserer Lieblings-Ferieninsel Amity. Chief Brody (Roy Scheider) hat erneut alle Hände und Knarren voll zu tun, die verstockten Inselchefs davon zu überzeugen, dass ein weiteres Ungetüm die Touristen frisst. Als eine Gruppe Jugendlicher - darunter auch Brodys Kinder - trotz Verbots beschließen, eine Segelregatta zu veranstalten, wird für den Hai die Frischfleisch-Essensglocke geläutet...

Nach dem phänomenalen Erfolg von Steven Spielbergs "Der weiße Hai" (1975) war die Fortsetzung unvermeidlich, die Dreharbeiten unter Regisseur John D. Hancock aber waren eine Katastrophe, so dass die Produzenten kurzerhand das ganze Unternehmen stoppen und reloaden mussten. Das Drehbuch wurde mehrfach umgeschrieben, Schauspieler wurden ausgewechselt, und Regisseur Jeannot Szwarc wurde engagiert, die Scherben aufzukehren. Das gelingt ihm recht gut, muss man sagen, denn DER WEISSE HAI 2 (Jaws) macht trotz des Chaos' hinter den Kulissen einen weitgehend homogenen Eindruck. Szwarc hatte kurz zuvor für William Castle den trashigen "Feuerkäfer" (1975) inszeniert und somit Erfahrung mit Monsterfilmen.

In erster Linie ist es schön, Roy Scheider in seiner Rolle als Polizeichef wieder zu sehen. Scheider wollte zwar im Sequel nicht dabei sein, war aber vertraglich verpflichtet. Man merkt ihm die Unlust nicht an, und er sorgt dafür, dass der Film zumindest den Eindruck erweckt, dass man sich hier viel Mühe gegeben hat. Einige Nebendarsteller aus Teil sind auch wieder mit von der Partie. Der großartige Murray Hamilton gibt wieder den Bürgermeister, der nicht an die Gefahr glaubt (was ein saudummer Einfall des Drehbuchs ist - wer würde schon ein zweites Mal abstreiten, ein Hai mache die Gegend unsicher, nachdem er bereits zuvor eines Besseren belehrt wurde?), leider aber musste Hamilton die Dreharbeiten abbrechen, als er von der möglichen Krebsdiagnose seiner Frau erfuhr, weswegen er in der zweiten Filmhälfte so gut wie nicht mehr vorhanden ist.

Ansonsten ist diese Fortsetzung eindeutig für den Jugendmarkt konzipiert. Der Film konzentriert sich neben Scheiders Bemühungen, die Obrigkeit vom Hai-Alarm zu überzeugen, vor allem auf die Gruppe Teenager, die zu Haifutter werden. Daher gibt es statt erwachsener Charaktere hier eine Menge Pubertäts-Humor und Gekreische. Unter den Teenies befinden sich einige Bekannte aus dem Horror-Genre, wie Ann Dusenberry ("Lies", 1985) und Keith Gordon ("Dressed to Kill", 1980), aber als Zuschauer schert man sich - gelinde gesagt - einen Dreck darum, wer von ihnen überlebt oder verspeist wird, da keiner von ihnen außer Sex noch etwas anderes im Kopf hat. Und so ist dann das Finale, in welchem Scheider versucht, die Teenager zu retten und den Hai zu killen, auch viel zu lang geraten, trotz einiger sehenswerter Bauten wie der vorgelagerten Versorgungsinsel, bei der es sich in Wirklichkeit um ein Schiff handelt, das flugs mit Pappmaché-Klötzen in eine Felseninsel verwandelt wurde.

Auch darüber hinaus kann man dem Film technisch nichts vorwerfen. Die Production Values sind hoch, John Williams hat einen ebenbürtigen Score komponiert, und die Cinemascope-Kamera sorgt für schöne Hochglanz-Bilder. Das Tempo stimmt, und auch Spannung kommt immer mal wieder auf. Was nicht funktioniert ist der Versuch, einen ähnlichen Schocker hinzukriegen, wie ihn Spielberg mit dem abgetrennten Kopf im Original erzielte. Hier wird Roy Scheider von einer verbrannten Leiche aus den Fluten des Ozeans "angesprungen", was ziemlich absurd und eher unfreiwillig komisch ist. Auch die tattrige alte Dame, die von ihrem Haus aus einen Hai-Angriff beobachtet und dann (sinngemäß) sinniert "Eben noch hatten sie eine wundervolle Zeit, und dann war alles aus!" sorgt für einen unerwünschten Lacher. Und natürlich kann ein Dutzend Teenager niemals das Fehlen eines Richard Dreyfuss und Robert Shaw kompensieren.

Alles in allem aber hätte DER WEISSE HAI 2 so viel schlechter werden können. Als Mainstream-Horror ist er nie übermäßig brutal und kann bis zum gedehnten Finale ausgezeichnet unterhalten. Das Sequel war erneut ein Riesenhit, so dass weitere Fortsetzungen obligatorisch waren, doch sowohl den völlig vermurksten dritten Teil "Jaws 3-D" (1983), der schon während des Vorspanns beweist, wie mies der nachfolgende Film wird, als auch den stinklangweiligen vierten Aufguss "Jaws - The Revenge" (1987), in dem ein neuer Hai Rache an der Familie Brody nimmt (!), kann man sich getrost sparen.

7.5/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...