Samstag, 15. September 2012

Bad Company (1995)

Der Thriller BAD COMPANY (Bad Company, nicht zu verwechseln mit der Anthony Hopkins/Chris Rock-Komödie) von Damian Harris war im Kino nicht erfolgreich und hat überwiegend schlechte Bewertungen erhalten. Was alle Welt an diesem Film auszusetzen hat, erschließt sich mir nicht im Geringsten, aber es spielt auch keine Rolle. Für mich ist dies einer der Geheimtipps der 90er und einer der besten Neo-Noirs dieses Jahrzehnts, das einige brillante Werke zum Thema hervorgebracht hat - wie John Dahls "Die letzte Verführung" (1992), der ebenfalls kein großer Hit war, mittlerweile aber Kultstatus erlangt hat.

Worum geht es? Laurence Fishburne spielt hier einen abgebrühten Edel-Kriminellen, der sich um einen Job in der Firma von Ellen Barkin und Frank Langella bewirbt. Diese Firma ist spezialisiert auf Erpressung, Bestechung und Auftragsmord im großen Stil. Dank seiner Skrupellosigkeit wird Fishburne sofort engagiert und macht sich schnell bezahlt. Wie sich bald herausstellt, spielt er aber ein doppeltes Spiel und wurde von der CIA eingeschleust, die das lukrative Unternehmen übernehmen will. Dafür muss zunächst Konzernchef Langella ausgeschaltet werden. Fishburne und Barkin entwickeln einen raffinierten Mordplan, doch dann überschlagen sich die Ereignisse. Wem kann man in so einer schlechten Gesellschaft wirklich trauen? Könnte es sein, dass niemand hier der ist, der er vorzugeben scheint?

BAD COMPANY knüpft an die Werke des klassischen Film Noir an und präsentiert ein Figurenkabinett, das ausschließlich aus verachtenswerten, abgründigen Individuen besteht, die sich alle gegenseitig umbringen würden, wenn es ihren eigenen Interessen nützt. Identifikationsfiguren gibt es keine, auch keine Unschuldigen. Außenstehende, die in das Netz aus Intrigen und Lügen hineingezogen werden, sind keinen Deut besser als die, die aus ihrem schmutzigen Charakter ohnehin keinen Hehl machen.

Bestechend ist hier nicht nur die exzellente Besetzung, sondern die Unaufgeregtheit der Erzählung, die stets ruhig, aber stringent auf den finalen Höhepunkt zuschreitet. Damian Harris inszeniert in stilisierten, unterkühlten Bildern und erhebt keinen Realitätsanspruch. In Frank Langellas surrealem Büro aus Beton hängt als einziges Dekorationsobjekt ein überdimensionales, zur Schlinge geformtes Tau von der Decke. Dieser Mann trägt seinen Tod praktisch mit sich herum. Das düstere Apartment von Laurence Fishburne ist ein minimalistischer Alptraum. Die Liebe zum Detail findet sich auch in den Kostümen - in den edlen Designeranzügen der ehrbaren Drecksgesellschaft und den Outfits von Ellen Barkin, die tagsüber klassisches Business-Schwarzweiß trägt, um sich nach Feierabend in extravagante Callgirl-Fummel zu stürzen.

So unterkühlt wie die Ausstattung ist auch das Spiel des Ensembles. Kein Dialog überschreitet je die Zimmerlautstärke, die übelsten Drohungen werden mit sanfter Bestimmung geflüstert, keine Regung in den Gesichtern verrät das Innenleben der Figuren. Diese Damen und Herren verstehen ihr Geschäft und müssen nicht laut werden. Im Gegensatz zu den Designer-Verbrechern werden die CIA-Agenten als banal und dumm in ihrer Habgier gezeichnet. Sie verstehen weder etwas von Kunst noch von Raffinesse, die Sympathien des Films liegen eindeutig bei den Gangstern.

Das Drehbuch ist zwar nicht unbedingt glaubwürdig, aber raffiniert konstruiert und zeichnet sich durch ständige überraschende Wendungen aus. Regisseur Damian Harris versucht dazu noch, an einigen Tabugrenzen zu schrauben und würzt den Thriller mit einem kräftigen Schuss Erotik - kein Wunder, wenn man Ellen Barkin an Bord hat. Er verzichtet bis auf ein letztes Shoot-Out vollständig auf Action und setzt dafür auf Dialog und Charaktere, insofern ist BAD COMPANY ohnehin mehr Arthouse als Mainstream-Thriller - was ein Grund für seine Erfolglosigkeit sein könnte. Wie ich es auch drehe und wende, ich finde einfach an BAD COMPANY nichts auszusetzen. Sicher ist der Film schon wegen des Fehlens sympathischer Figuren nicht jedermanns Sache, aber ich freue mich alle Jahre wieder, wenn er in meinem DVD-Player landet. Er ist und bleibt einer meiner Lieblingsfilme der 90er.

09/10


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