Donnerstag, 30. August 2012

T.A.G. - Das Killerspiel (1982)

Studieren ist langweilig. Deshalb vertreibt man sich die Zeit auf dem Campus mit 'T.A.G.', dem Killerspiel, einem Vorläufer von 'Gotcha!', nur dass man statt mit Farbkugeln mit Gummipfeilen aufeinander schießt. Wer getroffen wird, ist raus, und wer als Letzter stehen bleibt, gewinnt. Mit einem aber rechnen die herumalbernden Kommilitonen nicht - mit dem Psychopathen Gersh (Bruce Abbott), der unbedingt gewinnen will, aber von einem Loser 'abgeschossen' wird - weshalb er flugs echte Patronen in seine Waffe lädt und aus dem Spiel tödlichen Ernst macht...

T.A.G. - DAS KILLERSPIEL (TAG - The Assassination Game) ist ein verschollener Kultfilm aus den 80ern, eine fröhlich-spannende Mischung aus Slasherfilm und Teenie-Komödie mit skurrilen Figuren und einem wirklich orginellen Grundeinfall, der die ausgetretenen Pfade des Teenie-Horrors mit maskierten Schlitzern wohltuend verlässt. Das zeigt sich bereits in der ironischen Eingangssequenz, in der ein Student nachts von einem Unbekannten über den Campus gejagt wird. Was wie ein typischer Slasherbeginn wirkt, entuppt sich schnell als Scherz (das 'Opfer' bekommt einen Gummipfeil an die Stirn, der mit lautem 'Plopp'-Geräusch entfernt wird), und spätestens beim nachfolgenden Vorspann - eine Parodie der bekannten 'James Bond'-Titelsequenzen, zu Craig Safans jazzig-poppiger Musik - wird klar, dass der Film die Genre-Versatzstücke eher auf die Schippe nimmt, auch wenn er sie gleichzeitig im spannenden Finale - dem 'Duell' der beiden letzten Gegner - voll bedient.

Regisseur des Streifens ist Nick Castle, der Genre-Fans als Freund und Weggefährte von John Carpenter ein Begriff sein dürfte. Er spielte in "Halloween" (1978) den erwachsenen Michael Myers und war Namensgeber der von Tom Atkins gespielten Figur in "The Fog" (1980). Castle bedankt sich, indem er den Spielleiter des Killerspiels Carpenter nennt und gleich zu Anfang eine Hommage an "Das unsichtbare Auge" (1978) einbaut. Dazu streut er an mehreren Stellen Hitchcock- und Film Noir-Zitate ein. Hauptdarsteller sind Robert Carradine und Linda Hamilton, die kurz darauf mit James Camerons "Terminator" (1984) ihren Durchbruch feierte und zu den heißesten Schauspielerinnen der 80er gehörte. Den Psychopathen spielt (hervorragend) Bruce Abbott, bekannt aus "Re-Animator" (1986) und "Vision der Dunkelheit" (1988), der nach Ende der Dreharbeiten Linda Hamilton heiratete - was offensichtlich eine Angewohnheit von ihm war, denn genau so endeten die Dreharbeiten zu "Death Tower" (1989), in deren Anschluss er Hauptdarstellerin Kathleen Quinlan ehelichte.

Nick Castle sorgt für ordentlich Tempo und hat viel Freude daran, durchgeknallte Studenten im Bildhintergrund bei merkwürdigen Aktivitäten zu inszenieren, während im Vordergrund die Mördergeschichte abläuft. Eine Vorlesung oder Unterricht sehen wir im gesamten Film nicht, überhaupt hat keiner der Studenten ein gesteigertes Interesse am Studium. Das macht aber thematisch durchaus Sinn. Die Protagonisten sind wie Kinder, die sich die Zeit mit "Räuber und Gendarm" vertreiben und durch die Begegnung mit realem Mord vom Sandkasten in die Welt der Erwachsenen katapultiert werden. So kann die reizende Hamilton, für die Sex und Liebe anfangs ebenfalls nur Spiel und Spaß sind, am Ende auch zu ihren Gefühlen stehen und eine Partnerschaft eingehen.

Warum T.A.G. in der Versenkung verschwunden ist, weiß ich nicht, er ist aber bislang nicht auf DVD erschienen und weitgehend unbekannt. Vielleicht ist die Mixtur problematisch. Für einen Horrorfilm ist er letztlich zu harmlos und verspielt, und für eine Teenie-Komödie fehlen die pubertären Witze, zumal die Protagonisten allesamt aus dem Teenie-Alter raus sind. Als klares Produkt der 80er ist er natürlich heftig gealtert, kann aber immer noch gut unterhalten, mehr will er auch gar nicht. Das macht ihn so sympathisch. Die Geschichte schreit übrigens nach einem Remake, aber ich will den Teufel lieber nicht an die Wand malen.

7.5/10

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