Freitag, 17. August 2012

Stimme des Todes (1990)

Manche Frauen suchen so verzweifelt einen Mann, dass sie auch einen Serienkiller akzeptieren würden. Dieser hier (D.W. Moffett) sieht aber auch zu gut aus. Er hat perfekte Manieren und eine sanfte Stimme. Wenn dieser Stimme aber auf dem Anrufbeantworter eine Nachricht hinterlässt, die ungefähr so klingt: "Ich bin in deiner Wohnung und werde dich töten", dann ist es meist vorbei mit der Romantik. Man nennt ihn den 'Candlelight-Killer', weil er stets Kerzen entzündet, bevor er mordet.
Die 14-jährige Lisa (Staci Keanan) hat da ganz andere Sorgen, die darf sich wegen der strengen Mama (Cheryl Ladd) nämlich nicht mit Jungs treffen und muss deswegen fremde Männer mit Telefonstreichen belästigen, wo sie sich als erwachsene Frau ausgibt. Dass sie dabei an den 'Candlelight-Killer' gerät, ist abzusehen. Natürlich weiß sie nicht, was der so in seiner Freizeit treibt. Als sie ihm auch noch persönlich begegnet, ist es fast um sie geschehen. Aber würde dieser Traummann jemals einen Teenager als Partnerin akzeptieren? Wäre es nicht viel besser, man würde ihn mit der Mama verkuppeln? Ohne es zu wissen, verschafft Lisa ihrer Mutter ein Blind Date mit dem Mörder...

Gary Sherman drehte diesen schlichten, leisen Psycho-Thriller, der eher wie ein TV Movie daherkommt. Der Regisseur hatte bereits Erfahrung im Horror-Genre, von ihm stammen der Zombiefilm "Tot & begraben" (1981) sowie der dritte Teil der "Poltergeist"-Saga (1988).
STIMME DES TODES (Lisa) reiht sich ein in die Reihe von Thrillern, in denen Psychopathen in das ruhige Leben friedlicher Mittelstands-Bürger eindringen und ihnen (und dem Publikum) zeigen, dass die Welt "da draußen", außerhalb von weiß gestrichenen Gartenzäunen und geschmackvollen Wohnzimmereinrichtungen, böse ist. Ein reaktionäres Genre also, das immer wieder auf die Bewahrung der Familienwerte setzt, um die es auch in STIMME DES TODES geht.

Die Grundidee stammt aus dem William Castle-Schocker "Es geschah um 8 Uhr 30" (1965), in dem ebenfalls zwei Teenager bei Telefonstreichen an einen Killer geraten. Die Ähnlichkeiten gehen soweit, dass die junge Hauptfigur in beiden Fällen zunächst ein erotisches Interesse an der Stimme des Mörders entwickelt, bis sie erkennt, wen sie sich da angelacht hat. Im Gegensatz zu dem eher albernen Castle-Thriller hat STIMME DES TODES aber ein solides Drehbuch und gute Schauspieler.
Tatsächlich ist die Mutter/Tochter-Beziehung interessanter geraten als der Thriller-Plot. Cheryl Ladd ist die attraktive, alleinerziehende Mama, die eher eine Freundin für ihre Tochter ist (die beiden tauschen Klamotten und Parfums), eine von der Art, wie sie sich Teenager wünschen würden (wer hätte nicht gern einen Ex-Engel von Charlie als Mutter?). Nur wurde diese selbst so früh schwanger, dass sie ihrer Tochter nicht gestattet, ein eigenes Privatleben zu führen, damit sie nicht die gleichen Fehler macht. Das ist ein nachvollziehbarer Konflikt, der glaubwürdig erzählt wird. Man versteht sowohl Lisas Wunsch nach Selbstbestimmung (weil wir den in diesem Alter alle hatten), als auch die Sorge der Mutter um das Wohlergehen ihres Kindes. Dass die Tochter irgendwann beschließt, die Mama ohne deren Wissen mit dem Killer zu verkuppeln, ist eine etwas bizarre Wendung, die aber durch das ohnehin bizarre Pubertäts-verhalten von Lisa entschuldigt ist und im Sinne des Thrillers natürlich wunderbar funktioniert, weil der Zuschauer stets mehr weiß als die Charaktere - Suspense im besten Hitchcock-Sinne also.

Am Ende muss natürlich wie in all diesen Thrillern die Konfrontation stehen, und selbstverständlich können Mutter und Tochter gemeinsam den Eindringling erledigen. Die Familienidylle ist wieder hergestellt - wobei man sich eher nicht ausmalen sollte, was danach zu Hause los ist. Wahrscheinlich darf die arme Lisa bis zu ihrem 18. Geburtstag die Wohnung überhaupt nicht mehr verlassen, geschweige denn telefonieren...

STIMME DES TODES ist für Zuschauer gedacht, die "Die Hand an der Wiege" (1992) gerade noch ertragen, sich aber niemals einen Schocker wie "Se7en" (1995) ansehen würden. Da er vornehmlich von weiblichen Befindlichkeiten erzählt, sind Frauen auch seine erklärte Zielgruppe. Dagegen ist nichts einzuwenden. Es gibt praktisch keine sichtbare Gewalt im gesamten Film, und die Konzentration auf die zwischenmenschlichen Konflikte entschädigt für ein paar spannungsmäßige Durchhänger.

7.5/10

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