Freitag, 31. August 2012

Die Schlemmerorgie (1978)

Jemand tötet die Meisterköche Europas, indem er sie in Hummer-Aquarium ersäuft, in Backöfen grillt oder ihre Köpfe in die Entenpresse steckt. Unter Verdacht stehen der übergewichtige Kritiker und Herausgeber eines Gourmet-Magazins (Robert Morley), sowie Dessert-Köchin Natasha (Jacqueline Bisset), die mit ihrem Ex-Mann Robby (George Segal) den Mörder finden muss, bevor sie selbst das letzte Opfer des Täters wird...

DIE SCHLEMMERORGIE (Who's Killing the Great Chefs of Europe?) ist eine schwarze Komödie mit Starbesetzung, die in meiner Jugend sehr häufig im Fernsehen lief, wo ich sie mir stets mit Vergnügen ansah und über die deftigen Scherze schmunzelte. Kürzlich ist der Film hierzulande auf DVD erschienen, allerdings musste ich feststellen, dass die Zeit ganz schön an diesem Soufflé genagt hat und neben den Screwball-Wortgefechten und einigen (wenigen) makaberen Einfällen auch ziemlich viel Leerlauf herrscht.

Das Drehbuch zum Film stammt von Peter Stone (basierend auf einem Roman), der mit "Charade" (1963) eine der besten Krimikomödien aller Zeiten kreiert hat. Auch in der SCHLEMMERORGIE setzt Stone auf skurril-schräge Charaktere und eine brutale Mordserie als Rahmen für eine federleichte Romanze. Leider stehen ihm weder Audrey Hepburn noch Cary Grant oder ein Stanley Donen zur Verfügung, um die amüsante Geschichte umzusetzen, und es überrascht, dass bei so viel Talent vor und hinter der Kamera (Kamera John Alcott, Musik Henry Mancini) ein zwar unterhaltsamer, aber letztlich belangloser Spaß mit einigen bösen Seitenhieben auf die kulinarische Szene herausgekommen ist.

Hauptdarstellerin Jacqueline Bisset sieht natürlich wie immer zum Anbeißen aus, obwohl sie unentwegt unmögliche Klamotten tragen muss. Als deren Ex-Mann grimassiert und chargiert sich der sonst verlässliche George Segal so übertrieben 'heiter' durch seine komplett unsympathische Rolle (er spielt einen Magnaten der Lebensmittelindustrie - soll heißen, aus der Hölle - der stolz auf seine Legebatterien ist und die Welt mit Billig-Omelettes überschwemmen will! Und den soll man mögen?), dass man ihm bald selbst eins mit der Bratpfanne überziehen möchte. In Nebenrollen tummeln sich gleich mehrere hervorragende Mimen des französischen Kinos (Philippe Noiret, Jean-Pierre Cassel und Jean Rochefort), unglücklicherweise werden sie allesamt etwas verschenkt.

Der absolute Abräumer der SCHLEMMERORGIE ist Robert Morley in einer Paraderolle als übergewichtiger Feinschmecker. Morley und exquisite Morde im Feinschmecker-Milieu - da muss man doch unweigerlich an "Theater des Grauens" (1973) denken, wo Morley dank eines grausamen Racheplans von Vincent Price seine beiden Pudel in der Pastete verspeisen durfte/musste. Dermaßen böse und schräg wird die SCHLEMMERORGIE allerdings nie, und das liegt sowohl am Buch als auch an der Regie Ted Kotcheffs ("Rambo", 1982), der nie genug Sensibilität und Raffinesse für eine solch bittere Story zeigt und stattdessen grobschlächtig mit dem Holzhammer durch die Komödie rennt. Da gelingen manche Gags perfekt, andere dagegen versacken komplett, und auch visuell riecht hier alles mehr nach Fernsehen als nach Kino, trotz einiger hübscher Montagen. Spannung will auch nicht so recht aufkommen, dafür gibt es jede Menge alberner Klischees (wie der italienische Starkoch, der Bisset andauernd in den Hintern kneift).

Dem Drehbuch gelingt allerdings das Kunststück, in jeder Szene das Thema Essen rauf- und runterzuspielen (mir fällt keine einzige Szene des Films ein, in der es nicht direkt und indirekt ums Essen ginge) und nebenbei sämtliche Wortspiele einzubauen, die jemals über das Essen erfunden wurden, bis hin zum Pfarrer, der bei der finalen Hochzeit sagt: "Sie dürfen die Köchin jetzt küssen" ("You may kiss the cook"). Die Auflösung des Whodunits ist zwar recht überraschend und irgendwie rührend, ergibt aber herzlich wenig Sinn, wenn man auch nur einen Moment überlegt, wie diese Person die Morde eigentlich ausgeführt haben will.

Es bleibt das Gefühl, dass hier einige Möglichkeiten (und Darsteller) schlicht verschenkt wurden. Man behält die SCHLEMMERORGIE als besser in Erinnerung als sie tatsächlich ist. Das Rezept könnte noch verbessert werden. Zu viel Beigeschmack.

07/10

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