Dienstag, 24. Juli 2012

Unternehmen Capricorn (1978)

UNTERNEHMEN CAPRICORN (Capricorn One) erzählt von der geplanten Marsmission dreier Astronauten (James Brolin, O.J.Simpson, Sam Waterston), die allerdings noch vor dem Start aus der Raumfähre geholt werden, damit sie sich an einem unglaublichen Komplott beteiligen. Wie es aussieht, gibt es erhebliche technische Probleme, die eine erfolgreiche Mission unmöglich machen würden, aber der Präsident und die NASA können sich ein Scheitern politisch nicht leisten. Also wurde hinter den Kulissen beschlossen, die Marslandung auf der Erde zu inszenieren und die Bilder der amerikanischen Öffentlichkeit als authentisch zu verkaufen. Die empörten Astronauten werden mit Gewaltdrohungen gegen ihre Familien erpresst, bei dem Schwindel mitzumachen.
Das böse Spiel verläuft zunächst nach Plan, doch dann kommt ein findiger Reporter (Elliot Gould) dem Betrug auf die Schliche. Als auch die Astronauten beschließen, sich nicht weiter an dem Komplott zu beteiligen, müssen die strahlenden Helden plötzlich um ihr Leben rennen...

UNTERNEHMEN CAPRICORN greift die vielen Verschwörungstheorien zur amerikanischen Mondlandung auf und bastelt daraus eine Mischung aus Verschwörungs-Thriller und Katastrophenfilm - obwohl es keine Katastrophe im eigentlichen Sinne gibt. Die übrigen Zutaten dieses Genres sind aber alle vorhanden: eine beeindruckende Starbesetzung, ein nicht unbeträchtlicher Aufwand, Parallelerzählungen der verschiedenen Charaktere und eine simple Moral, nach der die Politik stets ihre Interessen über die der Menschen stellt, denen sie dienen soll.

Damit reiht sich Peter Hyams' Film nahtlos in eine Reihe von Thrillern ein, die im 70er-Kino das tiefe Misstrauen gegenüber staatlichen Organen, Behörden und Führungspersönlichkeiten in spannende Geschichten verpackten. Anders als anspruchsvollere Werke wie "Zeuge einer Verschwörung" (1974) aber setzt Regisseur Peter Hyams bei seinem Film doch auf knallige Schauwerte und eher oberflächliche Spannung. Die Kritik an der Regierung wird anfangs gesetzt, aber nie vertieft. Er ähnelt damit den Filmen Michael Crichtons, der ebenfalls brisante Themen - die Unkontrollierbarkeit von Maschinen in "Westworld" (1973), illegaler Organhandel in "Coma" (1978) - als originellen Ausgangspunkt für aufregende Verfolgungsjagden verwendete.

Das ist aber eher eine Feststellung als berechtigte Kritik, denn als Spannungsmaschine funktioniert UNTERNEHMEN CAPRICORN über weite Strecken fantastisch. Das Tempo ist rasant, die Dialoge treffend, und das Drehbuch behält seine vielen Charaktere gut im Blick. Die Ansammlung erstklassiger Schauspieler und bekannter Gesichter bis hinein in die Nebenrollen kann sich ebenfalls sehen lassen. Karen Black etwa hat überhaupt nur zwei (wunderbare) Szenen, in denen sie eine kokette Journalistin im Stil der Howard Hawks-Frauen spielt, und in der besten Sequenz gleich zu Beginn zeigt Hal Holbrook als Chef der Marsmission und Hauptverantwortlicher der Verschwörung, was ein Schauspieler mit einem gut geschriebenen, sehr langen Monolog anstellen kann, auch wenn er nur am Tisch sitzt. Eine weitere tolle Darstellung kommt von Brenda Vaccaro (die mit der herrlichen Whisky-Stimme) als Ehefrau des vermissten Kommandeurs der Marsmission, James Brolin. Sie bringt als kluge, starke und trauernde Heldengattin die notwendigen Emotionen in den Film.

Als Zuschauer sollte man allerdings nie anfangen, Logikfragen zu stellen - so wie James Brolin, wenn er wissen will, wie viele Leute in das Komplott eingeweiht sind und die Antwort erhält, es seien nur 'wenige' - was der Film daraufhin ad absurdum führt, wenn Zweifler spurlos verschwinden und von Eingeweihten ersetzt, Killer engagiert und Hubschrauber auf die Jagd nach den geflohenen Astronauten ausgesandt werden. Da ist dann schon die halbe Stadt beteiligt. Zudem hat der Film im letzten Akt starke Probleme, seine Handlungsfäden zusammenzubekommen. So unterbricht Peter Hyams mehrfach die Hetzjagd auf die Astronauten, die durch die Wüste fliehen, um die gleichzeitige Recherche von Reporter Elliot Gould zu schildern, die sich in Tempo und Ton (Goulds Szenen sind eher humorig-skurril, während die drei Astronauten um ihr Leben kämpfen) grundlegend unterscheiden.
Im Finale stapeln sich dann die Zufälle (mehrere wichtige Figuren treffen zufällig am selben Zeitpunkt in der Wüste zusammen), und wenn sich James Brolin, der sich tagelang ohne Wasser durch die Wüste schleppen musste, bei einer anschließenden Luftjagd nur auf der Tragfläche eines Insektenvertilgungs-Flugzeugs festhält, während der Pilot wahnwitzige Loopings und Ausweichmanöver im Kamikaze-Stil fliegt, dann darf man sich schon mal am Kopf kratzen und schmunzeln.

Das macht aber nichts, denn für die kleineren Schwächen und Unglaubwürdigkeiten (zu denen auch zwei Attentate gehören, die auf Elliot Gould verübt werden, zwischen denen er aber fröhlich durch die Stadt spazieren kann, ohne weiter belästigt zu werden - weil die Killer natürlich nur zuschlagen können, wenn der Film gerade spannungsmäßig durchhängt!) gibt es genügend Ausgleich und einen packenden Score von Jerry Goldsmith noch obendrauf.
Dass Peter Hyams kein Künstler ist, das weiß man, deswegen sollte man nicht allzu enttäuscht sein, wenn das letzte Drittel etwas zu routiniert abläuft. Bis dahin ist UNTERNEHMEN CAPRICORN ein höchst unterhaltsamer Thriller mit Substanz, Witz, einer originellen Prämisse und kantigen Charakteren, ein Paradebeispiel für das Kino der späten 70er.

8.5/10

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