Donnerstag, 2. August 2012

Und die Alpträume gehen weiter (1969)

Nachdem die erfolgreiche TV-Serie "The Twilight Zone" (1959-1964) beendet war, sah sich ihr Erfinder, Autor und Moderator Rod Serling nach einem neuen Betätigungsfeld um und kehrte einige Jahre später mit der Serie "Night Gallery" auf den Bildschirm zurück.
Anders als die Science-Fiction-orientierte "Twilight Zone" ging "Night Gallery" deutlich mehr in Richtung Grusel und Horror, oft verbunden mit makaberen Pointen, wie man sie in den Filmen der britischen Amicus oder den E.C. Comics findet, die als Vorbild für Anthologiefilme wie "Creepshow" (1982) dienten. Als Gastgeber der "Night Gallery" führt Rod Serling den Zuschauer durch eine - wer hat's erraten? - nächtliche Kunstgalerie, in der bizarre Gemälde ausgestellt sind, die zu den jeweils folgenden Geschichte passen oder sogar eine zentrale Rolle darin spielen.

UND DIE ALPTRÄUME GEHEN WEITER (Night Gallery) ist der Pilotfilm zur Serie und besteht aus drei Episoden. In der ersten (The Cemetery) erweist sich Roddy McDowall als skrupelloser Erbschleicher, der seinen wohlhabenden Onkel ins Jenseits befördert und dessen Anwesen übernimmt. Dort entdeckt er aber zu seinem Entsetzen, dass ein Gemälde, welches den nahe gelegenen Friedhof zeigt, sich kontinuierlich wie von Geisterhand verändert. Offenbar kehrt der Verstorbene aus dem Grab zurück, um Rache zu nehmen...

Die zweite Folge (Eyes) handelt von einer reichen, aber blinden New Yorkerin (Joan Crawford), die sich einer riskanten Operation unterziehen will, nach der sie ihr Augenlicht für zwei Stunden zurück erhalten soll. Für die OP muss allerdings ein Spender gefunden werden, der bereit ist, auf seine Augen zu verzichten. Das geht natürlich nur mit Erpressung, und das passende Opfer ist auch schon gefunden. Die OP aber hält eine böse Überraschung für die eiskalte Dame bereit...

In der letzten Geschichte (Escape Route) will sich ein flüchtiger Nazi-Verbrecher vor der Justiz verstecken und dank spezieller mentaler Fähigkeiten in einem Gemälde untertauchen, das eine ruhige und idyllische Angel-Szenerie zeigt. Doch der Verbrecher hat die Rechnung ohne die ausgleichende Gerechtigkeit gemacht...

UND DIE ALPTRÄUME GEHEN WEITER hat sich dank Production Values, Starbesetzung und sorgfältiger Regie gut gehalten. Allein die zweite Episode kann sowohl mit Hollywood-Legende Joan Crawford als auch mit keinem Geringeren als Steven Spielberg auf dem Regiestuhl aufwarten, der sich hier schon vor seinem großen Durchbruch als grandioser Erzähler erweist und einige visuelle Kunststücke vollführt, die der Geschichte eine surreale Qualität verleihen. Joan Crawford ist perfekt besetzt als versnobtes Miststück, das für den Lebenstraum über Leichen geht. Man wartet förmlich, dass Bette Davis noch hereinspaziert und ihr ordentlich den Marsch bläst.

Die erste Episode baut hingegen eine gekonnte Gruselatmosphäre auf. Roddy McDowall, der nie ein Freund vom Unterspielen war, gibt einen herrlichen Bösewicht ab. Wer ihn mal als Gegenspieler von "Columbo" gesehen hat, weiß, was ich meine, er agiert hier sehr ähnlich. Als arroganter Erbe kommandiert er den schwarzen Hausangestellten herum und hat sichtlich Spaß daran, dass man ihm den Tod an den Hals wünscht. Das sich verändernde Gemälde, das zeigt, wie der tote Onkel aus dem Grab zurückkehrt, ist auch heute noch ein klasse Schauereffekt.

Die letzte Episode fällt ein wenig gegen die Vorgänger ab. Zwar ist auch sie gut gespielt, aber als Zuschauer ahnt man die überraschende Auflösung früh (sie winkt quasi mit dem Zaunpfahl), weswegen die Spannung auf der Strecke bleibt. Dass ein Nazi-Verbrecher in diesem Format seine Strafe erhält, ist so klar wie Kloßbrühe, aber im Gegensatz zu Joan Crawfords und Roddy McDowalls Übeltaten, die als Bösewichter comichaft überzeichnet sind, geht man bei einer solchen Figur doch so sehr auf Distanz, dass ihr Schicksal nicht weiter berührt. Ein ähnliches Problem hat John Landis in seinem Segment des Kinofilms "Twilight Zone" (1983), in welchem ein hasserfüllter Menschenverachter vom Schicksal gepeinigt wird. Bei solchen Charakteren greift der schwarze Humor nicht wirklich, und auch die moralische Befriedigung bei ihrer Bestrafung hält sich in Grenzen, weil sie zu real sind, um in einem solchen Rahmen zu funktionieren.

Nichtsdestotrotz kann ich diese Anthologie besten Gewissens empfehlen. Die folgende Serie "Night Gallery" konnte den Standard dieses Piloten nicht durchgehend halten, einige Episoden können aber heute noch eine wohlige Gänsehaut verursachen. Für die ersten beiden Episoden dieses TV-Film lohnt sich ein Besuch der "Night Gallery", zumal ihr Schöpfer Rod Serling mit seiner zurückhaltenden, trockenen Art ein wunderbarer Gastgeber ist.

08/10

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