Samstag, 7. Juli 2012

Der Henker von London (1963)

In London geht ein unheimlicher Mörder um, der junge Frauen köpft. Gleichzeitig findet sich bei Nacht und Nebel ein illegales Schwurgericht aus Kapuzenmännern zusammen, das überführten, aber der Justiz entgangenen Mördern den Prozess macht und die Todesurteile umgehend vollstreckt. Inspektor Hillier (Hansjörg Felmy) von Scotland Yard, dessen Verlobte einst selbst Opfer des Frauenmörders wurde, wird auf den Fall angesetzt. Seine Freundin Ann (Maria Perschy) bietet sich als Lockvogel für den Killer an...

DER HENKER VON LONDON gehört nicht zur 'offiziellen' Reihe der Edgar Wallace-Verfilmungen von Horst Wendlandts Rialto Film, sondern wurde von Artur Brauners CCC Film produziert. Mit diesen Nachahmern versuchte der Erzkonkurrent, auf den erfolgreichen Zug der Wallace-Kinohits aufzuspringen. Da die Rechte der Wallace-Romane an Wendlandt vergeben waren, verwendete Brauner Ideen und Stories vom Wallace-Sohn Bryan Edgar als Vorlagen für seine Filme. So konnte der Name 'Edgar Wallace' doch auf den Plakaten landen. Auch ansonsten hielt man sich stark an die Vorbilder und benutzte die bekannten Wallace-Gesichter und Techniker, bis Horst Wendlandt dem Ganzen einen Riegel vorschob und seine Stars exklusiv verpflichtete.

DER HENKER VON LONDON ist zweifellos der beste dieser Wallace-Imitationen, und das mit Abstand. Die Geschichte ist gut konstruiert und abwechslungsreich erzählt, kann sogar gegen Ende einige Spannung aufbauen und besitzt durch die Verstrickung des Inspektors und dessen tragische Vorgeschichte einen emotionalen Bogen. Am Ende gibt es bei der Enttarnung der Selbstjustiz-Schergen sogar noch eine Überraschung - die zwar keinen Sinn macht, wenn man vorhergehende Szenen ernst nimmt, aber egal. Das Thema Selbstjustiz wird natürlich nicht vertieft, dafür sind diese Filme nicht gemacht.

Das solide Ensemble wird von Hansjörg Felmy überzeugend angeführt. Viele halten Felmy für einen blassen Ermittler (ein Ruf, der ihm später auch als 'Tatort'-Kommissar nacheilte), aber im Gegensatz zu den eher schmissigen Vertretern wie Fuchsberger strahlt er eine seriöse Glaubwürdigkeit aus, die sich in dem albernen Umfeld ganz gut macht, zumal die Komik-Versuche des Films absolut nach hinten losgehen. Waren schon die Auftritte Eddi Arents in den Wallace-Filmen stets grenzwertig (von witzig bis unerträglich), zieht der herumkaspernde 'Mr. Pumpernickel' Chris Howland als Detektiv in verschiedenen Verkleidungen (u.a. als Prostituierte mit Minirock und platinblonder Perücke, weil Männer in Frauenkleidern ja immer lustig sind...) den Film regelmäßig auf niedrigstes Bauerntheater-Niveau herunter. Dass er auch noch den 'Song' zum Film beisteuert, macht das Ganze nicht besser.

Als schöne Unschuld darf Maria Perschy hier mutig und beherzt agieren, wenn sie sich freiwillig als Lockvogel für den Serienkiller anbietet, und der wird unnachahmlich von Dieter Borsche gespielt, dessen Auftritte die Highlights des HENKERS VON LONDON sind. Als Mad Scientist, wie er im Buche steht, plant er, menschliche Köpfe auf künstliche Körper zu verpflanzen und steht angeblich kurz vor dem Durchbruch - wahrscheinlich hätte er als Schönheitschirurg in Hollywood Millionen mit seinen Experimenten verdient. So aber wird er in letzter Sekunde in seinem unterirdischen OP-Saal von Felmy zur Strecke gebracht.

Ansonsten gibt es den gewohnten Nebel aus der Maschine und die allseits beliebte, bieder-bundesdeutsche Wohnzimmereinrichtung der späten 50er, die mit Bildern der Queen auf britisch getrimmt wird. Mit einer nächtlichen Rummelplatz-Sequenz, in der Dieter Borsche einen Luftballon zum Platzen bringt, schleicht sich sogar eine kleine Hitchcock-Hommage ein.

Alles in allem ein sehenswerter Beitrag, der sich nicht nur nicht vor den 'Original'-Wallace-Filmen zu verstecken braucht, sondern einigen Rialto-Beiträgen sogar überlegen ist. Positiv ist vor allem zu vermerken, dass die Handlung sich nicht in hundert Nebenstränge verzettelt, sondern dicht an beiden Plots bleibt und diese geschickt miteinander verwebt. Ich mag ihn.

7.5/10

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