Montag, 9. Juli 2012

Das Phantom von Soho (1964)

Ein unheimlicher Mörder geht mit goldenen Handschuhen in Londons Vergnügungsviertel Soho um, der ältere Herren per Messer ins Jenseits befördert. Inspektor Patton (Dieter Borsche) versucht, den Killer zu schnappen. Unterstützt wird er dabei von der Kriminalschriftstellerin Clarinda (Barbara Rütting), die ihren neusten Bestseller über das 'Phantom' schreiben will - oder hat sie gar andere Motive für ihre ständige Einmischung...?

DAS PHANTOM VON SOHO wurde von Artur Brauners CCC Film produziert und kann mit einem Ensemble aufwarten, das man ruhigen Gewissens als Starbesetzung bezeichnen darf. Der vielseitige Dieter Borsche muss hier einmal nicht als eiskalter Mörder, sondern als ermittelnder Inspektor fungieren, und auch das gelingt ihm mühelos (obwohl ich ihn persönlich lieber als irren Täter sehe). An Borsches Seite agieren große Namen des deutschen Kinos wie Elisabeth Flickenschildt, Hans Söhnker als Yard-Chef, Werner Peters und Hans Nielsen, die alle schon zuvor in den Rialto-Produktionen mitgewirkt hatten und von Artur Brauner 'abgeworben' wurden - was Horst Wendlandt verständlicherweise gar nicht in den Kram passte.
Auch Regisseur Franz Josef Gottlieb war Wallace-erprobt und inszenierte DAS PHANTOM VON SOHO mit reichlich selbstbewussten Kamera-Spielereien - so rotiert an einer Stelle die Kamera geradezu wahnwitzig, und es gibt immer wieder absurd-originelle Blickperspektiven aus dem Inneren von Tresoren und Hausbars heraus.

Mit diesen beiden Trümpfen - Besetzung und einfallsreicher Regie - schlägt sich DAS PHANTOM VON SOHO wacker durch seine Laufzeit. Zwar ist er als Thriller nie wirklich nervenzerfetzend spannend, aber durchweg unterhaltsam. Das Spiel mit dem 'sündigen Treiben' Sohos bleibt natürlich streng jugendfrei. Interessanterweise sind die Opfer hier meistens Männer, weil es sich bei der Motivation des Täters um einen Racheplan handelt, nicht um eine psycho-sexuelle Störung. Nichtsdestotrotz wird am Ende des Films eine psychologische Erklärung angehängt, nachdem der Fall bereits abgeschlossen ist. Da stand natürlich Hitchcocks "Psycho" (1960) einmal mehr Pate.

Ebenfalls positiv zu vermelden ist die Tatsache, dass der Comic Relief im PHANTOM angenehm zurückhaltend ausfällt, weil Peter Vogel die Figur des Assistenten von Dieter Borsche lediglich mit Skurrilität spielt (er beurteilt Menschen auf den ersten Blick nach den Jahren, die sie im Knast saßen), anstatt als tölpelhafter Clown à la Chris Howland durch die Szenerie zu stolpern.

Einige Handlungselemente (Messerwerfer, Callgirl-Ring, Racheplan und Südamerika-Verschiffung junger Mädels) wurden übrigens in der späteren Rialto-Produktion "Der Mann mit dem Glasauge" (1969) übernommen. Man darf also sagen, dass sich Original und Fälschung sehr wohl gegenseitig befruchtet haben. Konkurrenz belebt eben das Geschäft.

07/10

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