Dienstag, 7. August 2012

Das Phantom der Oper (1989)

Ende der 80er war die Begeisterung für die "Nightmare on Elm Street"-Reihe zwar etwas zurückgegangen, aber deren Kultfigur, 'Freddy Krueger'-Darsteller Robert Englund, erfreute sich noch großer Beliebtheit. Da lag es nahe, ihn in einer klassischen Horror-Rolle zu besetzen, als Titelheld in der x-ten Gaston Leroux-Verfilmung DAS PHANTOM DER OPER (Phantom of the Opera). Das Vorhaben floppte, weil das Publikum zu jener Zeit keinen Horror-Kostümstoff akzeptieren wollte, und weil Andrew Lloyd Webbers grauenvolle Musical-Version gerade für Furore sorgte. Schade, denn hier handelt es sich um eine absolut sehenswerte Verfilmung des bekannten Stoffes.

Der Inhalt: die junge Sängerin Christine (Jill Schoelen) bewirbt sich in der New Yorker Gegenwart um eine Opernrolle und hat sich zum Vorsingen eine lange verschollene Partitur ausgesucht. Während ihrer Darbietung geschieht allerdings ein Unfall, und Christine wird ins 19. Jahrhundert versetzt, wo sie als Zweitbesetzung am Londoner Opernhaus arbeitet. Hier beginnt der bekannte Plot um das mysteriöse Opernphantom (Englund), das seiner großen Liebe Christine zur Chance auf den großen Durchbruch verhelfen will und dafür die amtierende Bühnendiva, einen missgünstigen Kritiker und andere Schurken ins Jenseits befördert...

Tatsächlich hält sich diese Version von Regisseur Dwight H. Little in einigen Details näher an die Vorlage als andere Fassungen (die Friedhofs-Szene, die 'Faust'-Anspielungen), weicht aber in anderen dafür stärker ab. So muss Robert Englund als 'Freddy aus der Oper' einige dumme One-Liner zum besten bringen, die auf das jugendliche 'Elm Street'-Publikum abzielen und eigentlich nichts in diesem Kostümfilm zu suchen haben, zumal die übrige Inszenierung eher von der düsteren Sorte ist. Die Effekte sind hingegen äußerst gelungen, und bei den Morden des Phantoms wird reichlich gesplattert. Die zickige Operndiva und Konkurrentin von Christine wird enthauptet (ihr Kopf landet bei einem Kostümball in der Suppenschüssel), anderen Opfern wird schon mal die Haut vom Leib gezogen. Dazu hat der Film mit Jill Schoelen - nach Jamie Lee Curtis die 2. Scream Queen der 80er ("The Stepfather", 1987) - eine klasse Heldin, und auch die Nebenrollen sind gut besetzt.

Dankenswerterweise verzichtet DAS PHANTOM DR OPER auch auf die mittlerweile gängige Dreiecks-Liebesgeschichte zwischen Christine, dem Phantom und Christines Lover Richard (Alex Hyde-White). Hier ist das Phantom kein maskierter Schönling, sondern ein grässlich entstelltes Monster, das sich aus Hautfetzen ein neues Gesicht zusammengestellt hat, das immer mal wieder erneuert werden muss, wobei Regisseur Little nicht an blutigen Großaufnahmen spart. Die Idee mit der Rahmenhandlung ist nachvollziehbar und gut umgesetzt (Christine 'fällt' quasi wie Alice im Wunderland durch einen Spiegel, und der Film lässt es offen, ob sie träumt oder tatsächlich eine Zeitreise unternimmt), und am Ende schließt sich in der Gegenwart der Kreis überzeugend. Für einen trashigen Horrorfilm mit überschaubarem Budget kann sich die üppige Ausstattung übrigens mehr als sehen lassen. Die obligatorische Kronleuchter-Sequenz, die man in fast allen Adaptionen findet, fehlt hier allerdings, vermutlich aus Kostengründen. Besonders hervorzuheben wäre noch Misha Segals wuchtiger Orchester-Score, der seit Erscheinen des Films zu meinen Lieblings-Soundtracks gehört.

DAS PHANTOM DER OPER ist keineswegs eine definitive Verfilmung und will das auch nicht sein. Sie kann aber neben anderen Adaptionen bestehen und ist einigen sogar überlegen (aus meiner Sicht ist sie zehnmal besser als Dario Argentos Version von 1998). An das Stummfilm-Original von 1929 kommt ohnehin niemand heran. Ursprünglich war eine Fortsetzung des Films geplant (was wäre 'Freddy' ohne Sequel?), nachdem der Film aber an den Kinokassen Schiffbruch erlitt, wurden diese Pläne fallen gelassen. DAS PHANTOM DER OPER war das einzige Prestige-Projekt des noch jungen Labels '21 Century Films' von Menahem Golan (ehemals von 'Golan-Globus', die B-Fans der 80er in guter Erinnerung sind). Nach dem Misserfolg des Films meldete die Firma Bankrott an. Schade.

7.5/10

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