Samstag, 16. Juni 2012

Vierzehn Stunden (1951)

Ein junger Mann (Richard Basehart) steht auf einem Hotelsims hoch über den Straßen New Yorks und will sich das Leben nehmen. Die Polizei versucht, ihn davon abzuhalten und sorgt bereits für Sicherheitsvorkehrungen, während sich unten eine Menschenmenge versammelt, um das Spektakel zu beobachten. Die dramatische Rettungsaktion, die vierzehn Stunden dauert, ändert auch das Leben einiger Zeugen...

Viel mehr über den Inhalt von VIERZEHN STUNDEN (Fourteen Hours) muss man nicht erzählen, denn viel mehr gibt es auch nicht zu sagen. Henry Hathaway inszenierte dieses psychologische Drama für die 20th Century Fox in Schwarzweiß und mit beträchtlichem Aufwand. Die Bauten und Tricks sind beeindruckend, auch die Unmengen Schaulustiger, die sich hinter den Polizeiabsperrungen versammeln, wirken äußerst realistisch. Kameramann Joe MacDonald findet immer wieder neue Perspektiven, die Darsteller leisten gute Arbeit, und in einer kleineren Rolle kann man Grace Kelly in ihrem ersten Leinwandauftritt bewundern. Sie spielt eine Frau, die im gegenüberliegenden Gebäude gerade ihre Scheidung verhandelt und durch die Mitverfolgung der Rettungsaktion beschließt, ihrer Ehe noch eine Chance zu geben. Viel Filmzeit bekommt sie dafür nicht, aber ihre Schönheit und Eleganz überstrahlen bereits hier das Ensemble. Interessant übrigens, dass Barbara Bel Geddes ("Vertigo", 1958) als Verlobte des Selbstmörders eine wichtige Rolle bekleidet. So bekommt man zwei zukünftige Hitchcock-Darstellerinnen zum Preis von einer.
Und nicht nur das - in einer weiteren Rolle ist der exzellente Martin Gabel ("Marnie", 1964) als Psychiater zu bewundern. Überhaupt ist das Ensemble, zu dem noch Agnes Morehead, Paul Douglas und Debra Paget gehören, hervorragend.

Trotz der Bemühungen von Script, Schauspiel und Regie stellt sich in VIERZEHN STUNDEN nach gewisser Zeit leider eine gewisse Ermüdung ein, was vielleicht daran liegt, dass das Szenario mittlerweile mehrfach zu sehen war und immer nach festen Regeln abläuft. Das Ganze wirkt dadurch zu mechanisch im Ablauf. Man kennt die Figuren und ihre Funktion bereits bei ihrem ersten Auftritt. Der nette, schlichte Verkehrspolizist findet Zugang zum Selbstmörder und wird natürlich zum Helden, die Mutter des Selbstmörders spielt Verzweiflung, trägt aber großen Anteil an dessen Depressionen, etc., etc.
Regisseur Henry Hathaway war durchaus für seinen realistischen Ansatz bekannt, insofern darf man sich hier nicht sicher sein, dass der Film für den Selbstmörder glücklich endet. Tatsächlich wurden zwei alternative Enden gedreht - in einem springt Basehart in den Tod, im anderen wird er gerade noch durch ein Sicherheitsnetz aufgefangen. Hathaway wollte das erste Ende, leider aber nahm sich ausgerechnet am Tag der Preview die Tochter des Fox-Präsidenten auf ähnliche Weise das Leben (das nennt man schlechtes Timing!), so dass der Film mit dem versöhnlichen Ende in die Kinos kam.

Die Kritiker zeigten sich wohlwollend, der Film wurde für ein paar Oscars nominiert, beim Publikum kam aber VIERZEHN STUNDEN nicht sonderlich gut an und wurde ein Flop. Woran das liegen mag, ist schwer zu sagen. Handwerklich gibt es nichts auszusetzen, doch der Funke springt nicht über, wie man so schön sagt. Die Vorgeschichte des Selbstmörders bleibt merkwürdig uninteressant, es fehlen echte Überraschungen, und die kleineren Charaktere sind zu schablonenhaft gezeichnet. So schaut man eher unbeteiligt zu und sagt am Ende "Na, hat er doch geschafft, schön." Das ist zu wenig für so einen Stoff, der entweder ein hochspannender Thriller hätte sein können, oder ein psychologisch ausgefeiltes Kammerspiel. So ist er leider keines von beiden.

Wenn man gerade gar nichts Sinnvolleres zu tun hat, kann man sich das Drama anschauen (einer dieser Filme für die berühmten 'verregneten Sonntage'), aber da kann man auch gleich zu einem besseren Film greifen.

06/10

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