Freitag, 29. Juni 2012

Two Evil Eyes (1990)

Was bekommt man, wenn zwei Horror-Maestros sich gemeinsam der Geschichten eines der größten Horror-Literaten aller Zeiten annehmen? - Einen ambitionierten, aber ziemlich enttäuschenden Film namens TWO EVIL EYES (Two Evil Eyes).

George A. Romero und Dario Argento arbeiteten bereits zusammen an Romeros Kulthit "Zombie" (1978), zu dem Argento die Musik beisteuerte und die Vermarktung in Europa übernahm. Obwohl beide Charaktere unterschiedlicher nicht sein könnten, entstand aus der Zusammenarbeit eine langjährige Freundschaft, und für den Episodenfilm TWO EVIL EYES, der eine Hommage an Edgar Allan Poe werden sollte, steuerte jeder eine Hälfte bei. Das Ergebnis ist bestenfalls als 'gemischt' zu bezeichnen, wobei Argento klar die Nase vorn hat.

George A. Romero nahm sich für die erste Episode der Geschichte "The Facts in the Case of M. Valdemar" an und veränderte sie zeitgemäß. Adrienne Barbeau - ehemals Gattin von John Carpenter - spielt hier eine Erbschleicherin, die mit ihrem Lover Ramy Zada den todkranken Ehemann unter die Erde bringen will. Als dieser endlich stirbt, glaubt sich das Paar am Ziel, doch der Tote stand bei seinem Ableben unter Hypnose und weigert sich nun hartnäckig, ins Jenseits überzuwechseln...

Wieder mal sind es die Untoten, die von Romero auf die Menschheit losgelassen werden, diesmal kommen sie aber relativ farblos daher. Leider sieht das ganze Unternehmen zu sehr wie ein TV-Film aus und bietet außer der fabelhaften Leistung von Adrienne Barbeau, die sich immer freut, wenn sie gemeine Zicken spielen kann (siehe Romeros "Creepshow", 1982), und einigen Effekten von Romeros Spezialeffekte-Guru Tom Savini nichts von Belang. Die Geschichte ist dünn und vorhersehbar, erinnert eher an einen (schwachen) "Columbo", und Spannung kommt bis zum Ende nicht auf.

Für die zweite Filmhälfte adaptierte Dario Argento Poes "Die schwarze Katze" und fügte noch Querverweise zu zahlreichen weiteren Geschichten des Autors ein, so dass sein Beitrag allein schon wegen des Zitatenreichtums deutlich mehr Spaß macht. Er kann dazu mit einer soliden Besetzung aufwarten. Harvey Keitel spielt einen alkoholisierten und übellaunigen Fotografen namens Rod Usher (!), der von der Katze seiner Verlobten Madeleine Potter genervt wird und diese aus Wut und im Alkoholrausch ermordet. Als die Lebensgefährtin dahinterkommt, bringt er auch sie um und mauert sie im Haus ein. Doch die tote Katze macht ihm einen Strich durch die Rechnung.

Argento bleibt trotz der Änderungen seiner Vorlage relativ treu, und obwohl dem Film die visuelle Brillanz seiner besten Werke fehlt, kann er mit einigen starken Horror-Szenarien aufwarten. Die Passage, in der Harvey Keitel die Katze quält, ist für mich als Hunde- und Katzenfreund (ja, das gibt es) allerdings schwer zu ertragen. Glücklicherweise erhält Keitel gleich zweimal seine gerechte Strafe: In einer Alptraumsequenz wird er als Zeuge eines Hexenrituals mit dem Schritt voran auf einen Holzpflock aufgespießt (aua!), und am Ende darf sich noch die malträtierte Katze rächen.
Neben den schon erwähnten Anspielungen auf weitere Poe-Werke (wie "The Pit and the Pendulum") darf sich Tom Savini ordentlich austoben und ein paar schaurige Makeup-Effekte zaubern, und die Musik von Pino Donaggio sorgt für akustischen Genuss. Dennoch lässt auch bei Argento die Spannung zu Wünschen übrig, und da sämtliche Charaktere unsympathisch bis abstoßend gezeichnet sind, braucht es einige Überwindung, an ihnen dranzubleiben.

Letztendlich rangieren beide Episoden weit hinter den Einzel-Spielfilmen der Regisseure. Für beide war es keine gute Zeit. Romero versuchte sich von seinem (finanziellen) Flop "Day of the Dead" (1986) zu erholen, und Argento bemühte sich erfolglos, ein Publikum in den USA zu finden (was ihm auch nicht mit "Aura", 1993, gelang). Beide hatten ihren Zenit überschritten, und TWO EVIL EYES ist ein Beleg dafür. Für Fans ist der Film noch von Interesse, aber sonst kann ich ihn niemandem wirklich empfehlen. Da haben die Maestros deutlich besseres zustande gebracht. Und ich sehe mir lieber zum x-ten Mal "Suspiria" (1977) oder "Zombie" an.

05/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...