Donnerstag, 28. Juni 2012

Octalus - Der Tod aus der Tiefe (1998)

Manchmal kommt es vor, dass einem ein dummer Pop-Song nicht mehr aus den Ohren geht. Manchmal schmeckt der schnelle Döner besser als ein Feinschmecker-Menü. Und manchmal hat man sehr viel Spaß mit einem dummen, trashigen Film.
So geht es mir mit OCTALUS (Deep Rising), der mir auf Anhieb gefiel, und der regelmäßig in meinem Player landet, wenn ich mich schlecht fühle, genug Arthouse-Kino gesehen habe oder einfach einen schnellen Gute-Laune-Kick brauche. Jeder hat da so seine eigenen Filme (oder andere Hobbies, ich habe leider nur das eine), aber was mich betrifft, ist OCTALUS immer eine sichere Sache.

Worum geht es? Ein Kreuzfahrtschiff wird irgendwo im Südchinesischen Meer von gefräßigen Monstern aus der Urzeit überfallen, die ein Massaker unter Gästen und Besatzung anrichten. Gleichzeitig trifft ein Schnellboot mit bewaffneten Verbrechern ein, die das Schiff eigentlich versenken sollten, damit der Schiffseigner die Versicherung übers Ohr hauen kann. Die Überlebenden versuchen nun gemeinsam mit den Gangstern, den verwaisten Luxusliner zu verlassen, bevor sie von den Monstern geschnappt werden. Aber die sind schnell, gewitzt und haben sehr viel Appetit...

OCTALUS wurde von Stephen Sommers inszeniert, der sich mit diesem Monsterstreifen für die Großproduktionen "Die Mumie" (1999) und "Die Mumie kehrt zurück" (2001) empfahl. Keiner seiner Blockbuster aber hat den Charme, Witz und das Tempo dieses kleinen Filmchens, das sich bei sämtlichen Meeres-Horrorstreifen ausgiebig bedient. Was den Unterschied zu vielen anderen Gurken dieses Sub-Genres ausmacht, ist die Tatsache, dass OCTALUS genau weiß, wie blöde er ist, und deswegen wird auch nicht lange gefackelt und von der ersten Minute an ein Action- und Pointen-Feuerwerk gezündet, das bis zum Schluss keinen Leerlauf kennt.
Dazu serviert Sommers reichlich Splatter, und die CGI-Monster können sich trotz Verfallsdatum mehr als sehen lassen. Die besten Effekte erzielt OCTALUS allerdings mit den abgenagten und halb verdauten Skeletten der verspeisten Kreuzfahrtgäste.

Auch die Darsteller wissen, wo sie da mitspielen und agieren auf höchstem Over-the-Top-Niveau. OCTALUS ist einer dieser Filme, in denen Kaugummikauen oder ein britischer Akzent schon als Charakterisierung der Figuren absolut ausreichen. Dafür hat jeder stets einen coolen Spruch auf Lager ("I've Got a Baaad Feeling About This"), und gelegentlich schleicht sich sogar ein echter Brüller ein ("The Girl From Ipanema").

Echte Klasse haben in OCTALUS lediglich Bond-Girl Famke Janssen als schnippische, aber atemberaubend attraktive Trickbetrügerin im roten Abendkleid, und die Rummsbumms-Musik von Altmeister Jerry Goldsmith, der für ordentlich Rabbatz in den Actionsequenzen sorgt. Stephen Sommers hält das irre Tempo erstaunlich gut, sorgt noch für einen knalligen Jetski-Showdown, und die anfängliche Schiffskatastrophe ist für ein vergleichsweise schmales Budget mit hundertmal mehr Schmackes inszeniert, als es Wolfgang Petersen in seinem lausigen "Poseidon"-Remake hinbekommen hat.

Alles in allem haben wir es hier mit spaßigem Trash höchster Güte zu tun, der nie mehr sein will als ein saudummes, aber vergnügliches Action- und Splatter-Spektakel. Mir hat aber auch schon "Deep Star Six" (1989) gefallen.

08/10

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