Samstag, 30. Juni 2012

Geschichten aus der Schattenwelt (1990)

Ursprünglich sollte es sich bei diesem Horror-Episodenfilm um den dritten Teil der "Creepshow"-Reihe handeln, doch die TV-Serie "Tales from the Darkside" lief so erfolgreich, dass der Film schnell umgetitelt wurde. So erzählte es zumindest Special Effects-Künstler Tom Savini in einem Interview.
Ob das wahr ist, steht in den Sternen und ist letztlich auch belanglos. GESCHICHTEN AUS DER SCHATTENWELT (Tales from the Darkside: The Movie) ist auf jeden Fall gelungener als "Creepshow 2" (1987).

In der vergnüglichen Rahmenhandlung plant eine harmlos wirkende Hausfrau (Deborah Harry) ein abendliches Festessen und hat dafür den Zeitungsjungen gekidnappt, den sie nun in ihrer Speisekammer gefangen hält. Er soll nach allen Regeln der Kunst fürs Hexenmahl gefüllt und im Ofen zubereitet werden. Um sie von den Vorbereitungen abzuhalten, liest der Junge ihr drei Geschichten aus dem Buch 'Tales from the Darkside' vor...

In der ersten Episode ('Lot 249') erweckt ein skurriler Student (Steve Buscemi) eine alte Mumie zum Leben, um Rache an fiesen Mitstudenten zu nehmen (u.a. die junge Julianne Moore). Als ein Kommilitone (Christian Slater) hinter das Geheimnis kommt, verbrennt er die mörderische Mumie, der Fluch aber ist damit nicht beendet...

Die Vorlage zu diesem Mumien-Horror schrieb Arthur Conan Doyle, und die Verfilmung kann durch das herrlich exzentrische Spiel von Steve Buscemi, viel Tempo und ein paar nette Scheußlichkeiten begeistern. Die wandelnde Mumie pflegt ihre Opfer nämlich auf althergebrachte Weise zu töten, indem sie Gehirne per Haken durch die Nase aus dem Schädel zieht und Blumen in offene Wunden stopft. 'Lot 249' ist damit die beste Episode des Films und macht Lust auf mehr. Leider können die beiden folgenden Episoden das Niveau nicht halten.

Die zweite Geschichte ('Cat from Hell') handelt von einem gedungenen Killer (David Johansen), der im Auftrag eines alten Familienoberhauptes (William Hickey) in einem alten Gemäuer einen Mord ausführen soll - und zwar an einer Katze, die bereits sämtliche Mitglieder der Sippschaft in den Tod getrieben hat. Die Nacht bricht an, und der Killer versucht mehrfach, das Tier ins Jenseits zu befördern, doch die hat noch ein paar Überraschungen auf Lager...

'Cat from Hell' basiert auf einer Kurzgeschichte von Stephen King und wurde von George A. Romero persönlich adaptiert. Der Ton ist düster, und Regisseur John Harrison inszeniert das Duell Mensch gegen Höllenkatze in extrem stilisierten Bildern. Die Episode ist aber insgesamt zu langatmig geraten und lässt den schrägen Humor vermissen, der die vorige Geschichte so unterhaltsam machte. Am Ende gibt es einen furchtbar schönen Schockeffekt, aber alles in allem darf man diese Kurzgeschichte doch als die schwächste des Films bezeichnen.

Die dritte Story ('Lover's Vow') ist eine bizarre Liebesgeschichte. Der erfolglose Künstler Preston (James Remar) beobachtet nachts ein urzeitliches Monster bei einer Bluttat. Die Kreatur verspricht Preston , ihn am Leben zu lassen, wenn er schwört, niemals jemandem von seiner Begegnung zu berichten. Der Künstler schwört und findet fortan die große Liebe seines Lebens sowie den beruflichen Durchbruch. Jahre später aber bricht er sein Schweigen - mit tödlichen Konsequenzen...

Man weiß natürlich, wie es ausgehen muss, immerhin wäre der Film vorbei, wenn Preston einfach den Mund hielte. Insofern ist diese Episode leider arg vorhersehbar. Der Gegensatz zwischen bittersüßer Liebesgeschichte und hartem Splatter-Horror ist dennoch reizvoll, und das geflügelte Monsterviech ist hübsch entworfen. Die Erzählung basiert übrigens auf japanischer Folklore.

Insgesamt kann man sagen, dass die Episoden in Stil und Ton zu unterschiedlich sind, um einen homogenen Eindruck zu hinterlassen (ein bekanntes und schwer zu lösendes Problem von Episodenfilmen - kaum ist man mal drin, wird man auch schon wieder herausgerissen). GESCHICHTEN AUS DER SCHATTENWELT ist aber sorgfältig produziert und kann immerhin mit einer namhaften Besetzung und überzeugenden Spezialeffekten aufwarten. Zum Schluss bekommt übrigens noch die Küchenhexe Deborah Harry ihr Fett weg und wird 'Hänsel & Gretel'-mäßig in den eigenen Ofen gerollt. Wer hier nicht zu viel erwartet, sollte von diesen Horror-Happen trotz gelegentlicher Durchhänger nicht enttäuscht werden.

07/10

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