Mittwoch, 20. Juni 2012

Die Geliebte des Anderen (1970)

Nachdem ihr gewalttätiger Geliebter Claude (Gabriele Tinti) in der Bretagne mit seinem Wagen über die Klippen in den Tod gestürzt ist, sucht Marina (Romy Schneider) Trost bei dessen Bruder Serge (Maurice Ronet). Plötzlich häufen sich aber die Zeichen, dass Claude noch am Leben ist. Serge entdeckt bei einem Tauchgang eine Pistole im Wrack des Wagens. Hat Marina versucht, ihren Geliebten umzubringen? Und plant der jetzt womöglich grausame Rache?

Das sind die brennenden Fragen in diesem französischen Psycho-Thriller mit dem Titel DIE GELIEBTE DES ANDEREN, der im Original schlicht "Qui?" heißt. Die Hauptattraktion des Films ist Romy Schneider, die man nicht oft im Thriller-Genre sah, und die wie immer nicht nur berückend schön ist, sondern auch wieder 110 % gibt. Allein ihre Stimme zu hören, ersetzt komplette andere Filme. Als undurchsichtige Marina ist sie geheimnisvoll, kühl und leidenschaftlich zugleich. Wenn sie zu Beginn nach dem tödlichen Unfall unter Schock steht, glaubt man ihr das, und wenn sie später jemandem das Brotmesser in den Bauch rammt, hat sie echte Todesangst. Alles, was sie als Schauspielerin gibt, ist immer echt und ungekünstelt. Sie war ein Phänomen und bleibt eine der faszinierendsten Leinwandpersönlichkeiten aller Zeiten. Ihr Zusammenspiel mit Maurice Ronet ist das einzige, was DIE GELIEBTE DES ANDEREN wirklich sehenswert macht, und ich habe mich mit Entzücken gefragt, wie toll es wohl gewesen wäre, Romy Schneider in einem frühen Giallo von Argento zu bewundern.

Ansonsten kann man DIE GELIEBTE DES ANDEREN übrigens getrost vergessen. Eine Regie ist so gut wie nicht vorhanden, der Film ist weder visuell interessant, noch überzeugen die schablonenhaften Figuren, die sich alle der Krimi-Konstruktion unterordnen. Kaum eine Motivation ist nachvollziehbar (außer Ronets Anziehung zu Schneider, wer könnte das nicht nachvollziehen?), und echte Thriller-Spannung will sich in der ersten Stunde überhaupt nicht einstellen. Die letzten 20 Minuten sind dann ganz ok, wenn Romy Schneider in einem Kaufhaus plötzlich dem vermeintlich toten Lover gegenübersteht und in Panik davonrennt. Da kommt dann erstmalig auch etwas Tempo auf.
Kurz darauf ist der Film aber auch schon vorbei, und man fragt sich, was uns Regisseur Léonard Keigel eigentlich erzählen wollte. Ein Stoff wie dieser lebt allein von den überraschenden Wendungen, doch davon gibt es nicht genug, und wenn sie kommen, glaubt man sie nicht. Alles in allem ist DIE GELIEBTE DES ANDREN also lediglich ein Muss für Romy Schneider-Komplettisten. Die Schauspielerin drehte übrigens im selben Jahr "Die Dinge des Lebens", und zwischen den beiden Werken liegen Welten.

04/10

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