Samstag, 19. Mai 2012

X, Y und Zee (1972)

Die Rollenauswahl von Hollywood-Star Elizabeth Taylor in den 70ern war - um es höflich auszudrücken - durchaus eigenwillig. X, Y UND ZEE (X, Y and Zee/Zee and Company) ist nur einer der vielen seltsamen Filme, in denen die Diva in der Spätphase ihrer Karriere mitwirkte (und da ist "Boom!" noch gar nicht mitgerechnet). Der seltsamste von allen dürfte "Identikit" (1974) sein, dem ich mich in Kürze widme - nachdem ich hoffentlich über ihn hinweg bin.

Worum geht es? Schwierig zu sagen.

X, Y UND ZEE erzählt die Geschichte eine Ehe und stammt aus einer Zeit, als Drogenkonsum gesellschaftlich angesagt war, das erklärt vielleicht ein wenig seinen psychedelischen Touch. Man kann sich ungefähr vorstellen, wie nach dem Erfolg von "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" (1966) ein Produzent auf die Idee kam, die Taylor erneut in einer Paraderolle als kreischende, überagierende Ehefrau zu zeigen, die sich einen Privatkrieg mit ihrem Gatten (hier Michael Caine) liefert, dem sie in inniger Hassliebe zugetan ist, der aber ein Verhältnis mit einer deutlich jüngeren Frau (Susannah York) beginnt. Der tolle Dreh ist aber: hier muss Elizabeth nicht die schlampige, ungepflegte Matrone spielen, sondern darf tonnenweise Makeup und schrillste 70er-Mode tragen. Dazu gibt es reichlich hippe Partyszenen, 'flotten' Dialog, Sex und Keilereien. Wenn das kein Verkaufsargument ist, dann weiß ich es auch nicht.

X, Y UND ZEE ('Zee' ist übrigens der Rollenname der Taylor, der Rest ist ein Wortspiel über die Dreiecksbeziehung) gehört von der ersten Szene an Elizabeth Taylor, die den Film, die Partner und das merkwürdige Drehbuch nicht nur dominiert, sondern förmlich verspeist - was man an ihrem nicht geringen Bäuchlein und den extrem unvorteilhaften Mini-Kleidern sieht, die sie tragen muss. Taylor säuft, schreit, keucht, prügelt sich und landet schließlich selbst mit der Freundin des Ehemannes im Bett, nachdem sie erfahren hat, dass diese eine lesbische Vergangenheit hat, die sie gern geheim halten würde. Alles, nur um den Gatten zurückzugewinnen, der sich viel gefallen lässt, aber gern auch mal zurückkeift.
Michael Caine sieht hier nicht nur recht attraktiv aus mit seiner coolen 60er-Brille, er hat als Schauspieler ohnehin die Tendenz, wütende Dialoge nicht zu sprechen, sondern zu rufen (das kann man in jedem beliebigen Caine-Film nachprüfen). Je unwohler er sich fühlt, umso mehr brüllt er. Deswegen sind seine Dialoge im Killerbienen-Spektakel "Der tödliche Schwarm" (1978) von Anfang bis Ende eine einzige Brüllerei. Wenn der also auf eine hysterische Taylor trifft, kann man sich ausmalen, was passiert.

Warum sich Susannah York hingegen als freundlich-sensitive Boutiquenbesitzerin das Ganze überhaupt antut, bleibt ein Rätsel. Das sich selbst zerfleischende Ehepaar Taylor und Caine, das unter den Titeln noch fröhlich Pingpong spielt und später den Ball durch York ersetzt, würde jeden, der noch alle fünf Sinne beisammen hat, in die Flucht schlagen. York aber lässt sich demütigen, manipulieren und dann auch noch von der alles verschlingenden Taylor verführen, als gäbe es dafür einen Verdienstorden.

Man muss es aber Elizabeth Taylor lassen - sie gibt immer alles, und davon jede Menge. Sie hat die Energie, die Schönheit und die Persönlichkeit, um große Rollen in großen Filmen zu spielen. Was hätte sie z.B. bei einem Bertolucci oder Visconti spielen können? Man mag es sich kaum vorstellen. Umso bedauerlicher, dass sie ihre Kraft an so belanglose Filme wie diesen verschwendet hat. Mit Regisseur Brian G. Hutton drehte sie später ihren einzigen Horrorfilm, "Die Nacht der 1000 Augen" (1973), der zu meinen absoluten Lieblingsfilmen zählt, auch wenn er das objektiv nicht verdient hat. X, Y UND ZEE aber, dieses bizarre Ehedrama über zwei unerträgliche, eitle Luxusmonster, muss ich mir dann doch kein zweites Mal ansehen.

05/10

Kommentare:

  1. schöne Rezension! habe sehr gelacht und mir anschließend den Film besorgt...!

    Schade, dass dein Blog nicht über Facebook verlinkbar ist...

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  2. danke fürs Kompliment, hat Dir denn der Film gefallen? LG, Mathias

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  3. naja - man muss Liz T schon sehr mögen, um dieses klischeebefrachtete, kitschige, vorhersehbare machwerk halbwegs schadlos zu überstehen. Aber man wird ja belohnt mit tonnenweise absurder outfits.
    Ich war überrascht festzustellen, dass der gleiche Regisseur dieses eher zähen Films auch den um Welten besseren "Night Watch" gedreht hat.

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