Donnerstag, 24. Mai 2012

Fright Night (2011)

Vorweg sei gesagt, dass das Original "Fright Night - Die rabenschwarze Nacht" (1985) zu meinen liebsten Horrorfilmen der 80er zählt. Meine Erwartungen an das Remake FRIGHT NIGHT (Fright Night) waren also gleich Null, und den vielen wohlwollenden Rezensionen im Netz darf man ohnehin nicht trauen. Insofern kann ich verkünden, dass meine Erwartungen voll und ganz erfüllt wurden. Das ist keine Überraschung.

FRIGHT NIGHT behält die inhaltlichen Eckpfeiler (und Eckzähne) des Originals und variiert einzelne Elemente. Wieder verdächtigt der Teenager Charley Brewster (Anton Yelchin) den attraktiven Nachbarn (Colin Farrell), als Vampir die gesamte Nachbarschaft auszurotten und macht sich schließlich selbst daran, ihn in die Hölle zurückzuschicken. Das stellt sich als schwieriger heraus als gedacht.

So weit, so bekannt. Ich will es auch gar nicht zu lang machen und lediglich feststellen, dass FRIGHT NIGHT eine neue Generation von Filmzuschauern ansprechen will, zu denen ich definitiv nicht mehr gehöre. Da muss man auch nicht jammern. Auch das Original war ein Modeprodukt (allein der 80er Synthie-Score!), das bei Fans des klassischen Horrorfilms eher Brechreiz auslöste, und die Fortsetzung "Fright Night 2 - Mein Nachbar, der Vampir" (1988) gehört zu den schlimmsten Sequels aller Zeiten. So überholt wie Tom Hollands Film heute wirkt, so oll wird auch das Remake in 20 Jahren aussehen, das in erster Linie laut, reizüberflutend und weitgehend hirnlos ist. Die CGI-Effekte sind mäßig, von den homoerotischen Subtexten des Originals (das tatsächlich mehr wollte als 'nur' eine Vampirgeschichte zu erzählen), fehlt hier jede Spur. Das war zu erwarten, obwohl der Stoff geradezu danach schreit, die Zeiten haben sich aber geändert.

Was ich beim neuen FRIGHT NIGHT am meisten vermisse, ist Atmosphäre. Das Setting (eine Neubausiedlung am Rand der Wüste bei Las Vegas) bleibt banal und ohne jedes Geheimnis, und die Abgeschiedenheit des Schauplatzes wirft zahllose Logik-Fragen auf. So scheint niemand außer unserem Hauptdarsteller zu bemerken, dass ein Teenager nach dem anderen verschwindet, und sowohl Explosionen vor der Haustür am hellichten Tag noch blutüberströmte Kids wecken sonderliches Interesse bei Nachbarn oder der Polizei.
Den Humor bezieht der Film vor allem aus bemüht komischen One-Linern ("Schon mal einen Pfahl ins Herz gekriegt? Das tut weh!"), die auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduziert sind (soll heißen: auch der Doofste im Publikum soll herzhaft lachen dürfen und darf um Gottes Willen nicht mit feiner Ironie verwirrt werden).

Die Darsteller schlagen sich wacker, bleiben aber letztlich uninteressant. Es ist vor allem schade, eine tolle Schauspielerin wie Toni Collette in so einer Wegwerf-Rolle wie Charleys Muter zu sehen. Colin Farrell wirkt - das ist eine Überraschung - doch schon reichlich abgetakelt für sein Alter, und irgendwie scheint sein A-Status nicht recht zu diesem Fast Food Kino passen zu wollen.

Dass Regisseur Craig Gillespie zuvor mit "Lars und die Frauen" (2007) eine zarte, bittersüße Arthouse-Tragikomödie gelungen ist und nun ohne jede Erfahrung im Genre einen Horror-Blockbuster inszeniert, das gehört zu den desillusionierenden Aspekten des modernen Kinos. Zu denen zählt auch der Umstand, dass nur noch Erfolg verspricht, was schon mal erfolgreich war, egal ob ein Remake nun Sinn macht oder nicht. Aber im Zuge der "Twilight"-Hits war es wohl unvermeidlich, die Vampirfilme der 80er nach einem geeigneten Remake-Stoff zu durchforsten. Ich hätte da noch einen "Near Dark" (1987) im Angebot. Der wäre doch mit CGI-Blut auch viel cooler, oder nicht?

Die Moral von der Geschichte: Ich muss weißgott nicht mehr mit jedem Film warm werden, der für mehr als halb so alte Zuschauer wie mich gemacht ist. Wäre ja auch irgendwie albern. Ich würde es eher bedenklich finden, wenn man sich mit 40 für "Transformers" und Konsorten begeistert. Stattdessen mache ich mir lieber nostalgische DVD-Abende mit den Krachern meiner Jugend. Als professioneller Filmkritiker muss man sich mit der Kluft zwischen dem eigenen, gefestigten Geschmack und dem sich unentwegt verändernden Zielpublikum auseinandersetzen. Ich kann mich als Amateur gottseidank zurücklehnen und sagen: Filme wie FRIGHT NIGHT können mir getrost den Buckel runterrutschen, ich schaue mir stattdessen lieber noch zweimal das Original an. Ich bin eben altmodisch. Spießig womöglich. Na und?

03/10

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