Freitag, 11. Mai 2012

A Blade in the Dark (1983)

Der Komponist Bruno (Andrea Occhipinti) soll den Score für einen Horrorfilm komponieren und zieht sich dafür in ein abgelegenes Haus zurück, wo er hofft, ungestört arbeiten zu können. Doch ein Killer treibt rund ums Haus sein Unwesen und metzelt schöne junge Frauen dahin, die sich aus verschiedenen Gründen dort herumtreiben. Bruno kommt einem lange gehüteten Geheimnis auf die Spur und muss bald selbst um sein Leben kämpfen...

Ja, das klingt nach einem schaurig-schönen Gruselthriller, und der Name Bava weckt Erwartungen. Leider handelt es sich bei dem Regisseur aber nicht um Mario, sondern um dessen Sohn Lamberto Bava, und dessen Filmografie weist neben wenigen atmosphärischen Filmen ("Macabro - Die Küsse der Jane Baxter", 1980) sehr viel Schund und langweiliges Zeug auf. Die Klasse und Kunst seines Vaters hat er nie erreicht, dabei hat er mit den Größten des italienischen Horrorfilms zusammengearbeitet.

A BLADE IN THE DARK (La Casa con la Scala nel Buio) gehört eindeutig zu seinen besseren Werken, aber sehr viel heißt das nicht. Punkten kann er mit ein paar deftigen Splatterszenen, wobei man einen blutigen Badezimmer-Mord als klares Highlight des Films ausmachen kann. Das Drehbuch gibt sich alle Mühe, eine mysteriöse Atmosphäre aufzubauen, doch trotz klappernder Türen, knarrender Fußböden und Flüsterstimmen auf Tonbändern will hier keine rechte Stimmung aufkommen. Dazu sind Setting, Inszenierung und Ausleuchtung schlicht zu banal. Das Haus, in dem sich der gesamte Film aufhält (aus Budgetgründen wird der Schauplatz nie gewechselt), ist lediglich ein moderner Kasten mit Garten und Pool, und Lamberto Bava gelingt es nicht, das Geheimnisvolle der Story in überzeugende Bilder umzusetzen.

Dafür spielt Bava mehrfach auf Argentos "Tenebrae" (1983) an, der sich ebenfalls mit viel Sonnenlicht und modernem, beinahe futuristischem Ambiente gegen Genreklischees stellte, aber das macht den Unterschied zwischen Bavas Fähigkeiten und denen Argentos nur noch deutlicher. Die vielen Dialogszenen verschleppen das Tempo, und das ständige Auftauchen von Frauen in dem angeblich abgelegenen Haus wirkt nach kurzer Laufzeit geradezu lächerlich, zumal die Damen allesamt nur als Kanonenfutter für den Mörder mit dem Teppichmesser fungieren.
Als wäre das nicht schlimm genug, müssen sie sich bei den Konfrontationen mit dem Killer auch noch unglaublich dumm verhalten. Eine sperrt sich selbst hinter Maschendraht ein, wo der Täter sie ohne jeden Widerstand abschlachten kann, die anderen bleiben starr vor Schreck stehen, pressen sich kreischend gegen Wände oder suchen die dämlichsten Verstecke auf.
Der Vorwurf der Frauenfeindlichkeit ist ein gern ausgesprochener, wenn es um den Horrorfilm geht, und ein Film wie A BLADE IN THE DARK gibt diesen Anfeindungen unnötigerweise Futter - ganz besonders, weil der schüchterne, männliche Held mit einem simplen Ziegelstein den Killer mal eben im Vorbeigehen (vorübergehend) zur Strecke bringt, um ihn dann - nach dessen obligatorischem Wiederauftauchen - buchstäblich im Handumdrehen zu erledigen.

Die Motivation für die Morde bemüht mal wieder "Psycho" (1960) und wird schon in den ersten Filmminuten angelegt, wenn böse Kinder einen blonden Jungen mit "You're a Female!"-Ausrufen quälen, kurz bevor sie ihn zwecks Mutprobe in den dunklen Keller schicken - die vielleicht einzig wirklich unheimliche Sequenz im ganzen Film.

Unterm Strich bleibt also ein Spätvertreter des Giallo-Kinos, der leidlich unterhält, wenn man dafür größere Längen in Kauf nimmt. In einer wichtigen Nebenrolle spielt übrigens Regie-Assistent Michele Soavi, der später unter Aufsicht seines Mentors Dario Argento zum gefeierten Horror-Regisseur werden und die letzten guten Genrefilme Italiens machen sollte. Lamberto Bava konnte nach A BLADE IN THE DARK mit seinen beiden "Dämonen"-Filmen Kassenerfolge erzielen, einen wirklich guten Film hat er aber nie mehr gemacht.

06/10

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