Donnerstag, 5. April 2012

Westworld (1973)

Bestseller-Autor Michael Crichton gab mit dem Sci-Fi-Thriller WESTWORLD (Westworld) sein furioses Regiedebüt. Ihm gelang ein intelligenter Thriller, der gesellschaftskritische Elemente und die Ängste seiner Generation perfekt mit spannender Unterhaltung verbindet.

Wir befinden uns in einer nicht allzu fernen Zukunft. Im Reiseparadies "Delos" kann der gestresste Urlauber seine Zeit in nachgebauten Erlebniswelten verbringen. Dazu gehören eine Westernstadt, eine mittelalterliche Burg und die Gärten des antiken Roms. Gesteuert werden diese Welten von Computern, bevölkert werden sie von Robotern, die man nicht von realen Menschen unterscheiden kann und den Gästen jeden Wunsch von den Augen ablesen. Die beiden Freunde Peter (Richard Benjamin) und John (James Brolin) lassen es sich in der Westernwelt gut gehen. Als aber ohne Grund die Maschinen nicht mehr auf ihre Programmierer hören und Jagd auf die Gäste machen, wird aus dem Spaß plötzlich tödlicher Ernst...

WESTWORLD ist einer dieser Filme, die man immer wieder sehen kann, selbst wenn man den gesamten Handlungsablauf schon auswendig kennt. Betrachtet man die Filme Michael Crichtons, fällt auf, dass die meisten nach dem gleichen Schema ablaufen. Der unschuldige Held kommt seltsamen Vorgängen auf die Spur, entdeckt böse Machenschaften hinter dem herrschenden System und muss im letzten Akt um sein Leben rennen. Das trifft auf WESTWORLD wie auf "Coma" (1978), "Looker" (1981) und "Runaway" (1984) zu, und auch auf Crichtons Romane wie "Jurassic Park". In WESTWORLD geht das Konzept brillant auf. Der Film beginnt extrem spaßig und humorvoll, streut dann mehr und mehr verstörende Elemente ein und endet mit einer atemlosen Verfolgungsjagd, in deren Verlauf der letzte Überlebende, Richard Benjamin, ein Duell auf Leben und Tod mit einem künstlichen Revolverhelden aus der Hölle absolvieren muss, der unkaputtbar scheint.

Dass dieser maschinelle Revolverheld von Yul Brunner verkörpert wird, ist der besondere Clou des Films. Brunner wiederholt hier seine Rolle aus "The Magnificent Seven" (1960), sein Erscheinungsbild ist bis ins Detail kopiert, und er ist einer der furchteinflößendsten Filmbösewichter aller Zeiten.
Aber nicht nur das - er steht auch für einen durchaus ernsten Ansatz in WESTWORLD. Die "Delos"-Welten, die den zahlenden Gästen hier als Abenteuerspielplatz verkauft werden, bei denen angeblich "alles so ist, wie es damals wirklich war", bestehen ironischerweise sämtlich aus Filmklischees. Im Saloon gibt es jeden Abend Schlägereien, es wird Whisky gesoffen, und an jeder Ecke wartet ein Duellist. Im Mittelalter sitzt man an der großen Tafel und schlägt sich den Wanst mit Fleischkeulen voll, und im alten Rom lustwandelt man an plätschernden Brunnen vorbei durch schöne Parkanlagen. Nichts an diesen perfekten Welten ist wirklich authentisch. Man denkt unwillkürlich an die "Robinson Club"-Urlaube, in denen ebenfalls Authentizität suggeriert wird, die Gäste aber in einem von der realen Welt vollkommen abgeschirmten Kunstparadies mit allen Luxusartikeln versorgt werden. Die "Echtheit" der Welten entsteht vielmehr erst, als die Maschinen durchdrehen und sich die Urlauber tatsächlich ihres Lebens nicht mehr sicher sein können, weil an jeder Ecke tödliche Gefahren warten - so wie es damals womöglich wirklich war. Der Vorhang fällt, und die "gute alte Zeit" entpuppt sich als reiner Horror, in dem nur der Stärkere überlebt.

So heiter unsere Helden zu Beginn auch die Waffen schwingen und leichte Mädchen verführen (die sich ebenfalls als Roboter entpuppen, womit der Film einen ähnlichen Gruseleffekt erzeugt wie "Die Frauen von Stepford", 1975), so ernst wird die Lage, wenn die Maschinen rebellieren. Dass es keinen Grund für diesen Aufstand gibt und die Techniker selbst ratlos dastehen, weist WESTWORLD klar als pessimistisches Werk der frühen 70er aus. Michael Crichton greift die gesellschaftliche Angst vor einer hochtechnisierten Zukunft auf, die Risiken und Gefahren beinhaltet, die niemand abschätzen kann.

Er gibt dazu auch bissige Kommentare zur Frauenbewegung ab, wenn die automatisierten Sexmodelle ihre Arbeit verweigern und sich nicht mehr von jedem dahergelaufenen Gast verführen lassen ("Sie verhalten sich nicht so, wie sie programmiert wurden!"). Dass "Delos" überhaupt nur zurückliegende Epochen anbietet und nicht etwa eine fantastische Utopie, zeigt deutlich, dass die Männer gern wieder zu einer Gesellschaftsordnung zurückkehren möchten, in der sie die Oberhand über die Frauen hatten. "Delos" ist ein Paradies für Chauvinisten, und die mörderischen Maschinen sind auch Abgesandte einer sich verändernden Gegenwart.

Es steckt viel drin in diesem Sci-Fi-Abenteuer, das gleichzeitig als Satire, Horrorfilm und Action-Reißer funktioniert. WESTWORLD gehört seit meinen Jugendjahren, als mir bei der finalen Verfolgung des Helden fast das Herz stehen blieb und mir beim Gedanken an Yul Brunner wochenlang die Haare zu Berge standen, zu meinen Lieblingsfilmen. Er ist ein hervorragendes Beispiel für Popcorn-Kino mit Anspruch und Hirn. Ja, das geht.

10/10


Künstliche Intelligenz - Yul Brunner als Revolverheld/Roboter in "Westworld"


Kommentare:

  1. Wo doch alle heute alles kopieren - diese Story jedoch nicht. Dabei ist sie so genial genial genial. Was man alles machen könnte! Ob man es besser macht, sei dahingestellt, aber aus meiner kleinen Sicht eine Story und ein Film, den man mit neuen Welten ins Heute heben könnte und der die Chance hätte, sich vom Original abzugrenzen.

    Ja, es gibt "Jurassic Park" - auch nicht schlecht und sehr spannend. Aber kommt irwie an Westworld nicht recht ran bzw. denke ich, da ginge noch mehr. Und er ist ja nun auch schon ein Weilchen her. Naja vielleicht ist es auch gut so, dass es keine heutige Kopie gibt.

    Denn an "Westworld" stimmt wirklich alles. Ein Minimü Abzug gibt es, weil mir die Schauspieler etwas zu Siebziger sind. Aber da kann man ihnen ja keinen Vorwurf machen ;). Zum Glück gibt es Yul Brunner, cool - sexy - fies. Angst! Ich gebe Dir recht, weil auch "mir beim Gedanken an Yul Brunner wochenlang die Haare zu Berge standen".

    Der Nachfolger "Futureworld" ist für ein Sequel auch nicht verkehrt und hat mir fast genauso gut gefallen.

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  2. Das Sequel ist nicht schlecht, aber mir zu kuschelig und hat nicht diese Superspannung, wegen der ich Westworld immer wieder sehen kann. Wirklich ein großartiger Film. Die Gerüchte über ein Remake reißen übrigens nicht ab, schauen wir mal... LG, Mathias

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