Montag, 2. April 2012

Night Warning (1983)

Der junge Billy (Jimmy McNichol) verliert seine Eltern bei einem bizarren Autounfall und wächst in einer verträumten Kleinstadt bei seiner Tante Cheryl (Susan Tyrrell) auf. Die hat allerdings nicht alle Schrauben beisammen und entwickelt ein ziemlich ungesundes Liebesgefühl für Billy, das wenig mit Mutterschaft zu tun hat. Als Billy erwachsen ist und die Schule, die Heimatstadt und sein Tantchen verlassen will, dreht Cheryl durch und startet einen mörderischen Feldzug, um den knackigen Teenie bei sich zu behalten...

Dieser wenig bekannte Slasher-Beitrag namens NIGHT WARNING (Butcher, Baker, Nightmare Maker/Night Warning) darf eindeutig als Geheimtipp gewertet werden. Hier haben wir es mit einem Psychodrama zu tun, das in Bereiche vordringt, die normalerweise vom Horrorfilm lieber umschifft werden, dazu gehören Inzest (der im Film nicht stattfindet, aber ständig mitschwingt) als auch die homoerotischen Subtexte, bzw. die Darstellung von Homophobie. So muss der junge Jimmy McNichol die meiste Zeit des Films halbnackt verbringen und auch nackig vor Tante Cheryl unter die Dusche steigen, der Film deutet dazu Probleme an, die Billy mit seiner Freundin im Bett hat ("Warum tun wir es nicht öfter?"), und der ermittelnde Cop (Bo Svenson) ist ein durch und durch schwulenhassendes Schwein, das anhand der von Tantchen ausgeführten Bluttaten an eine Mordintrige des vermeintlich homosexuellen Billy glaubt und diese beweisen will, koste es, was es wolle.

Interessant ist dabei, dass ausgerechnet diese beiden durchgeknallten Fieslinge sich auf der moralischen Seite wähnen. Der Cop will nur seine Stadt säubern und den "Abschaum" loswerden, die Tante will den Jungen vor den "Perversen" und den Gefahren auf dem College beschützen. Beide sind in ihrer reaktionären Haltung und dem verzweifelten Bewahren der Ordnung (so wie diese sich ihnen darstellt) die eigentlichen "Bösen" der Geschichte.

Die Hauptattraktion von NIGHT WARNING ist aber zweifellos Susan Tyrrell in der Hauptrolle. Diese sehr exzentrische Schauspielerin ("Cry Baby", 1990) zeigt eine furiose Leistung, die manchmal die Grenze zum Overacting überschreitet, aber unglaublich sehenswert ist. Sie hat keine Hemmungen, die kontroversen Elemente des Drehbuchs auszuspielen (etwa, wenn sie ihrem Ziehsohn Billy deutliche Avancen macht und sich die Haare abschneidet, um "jünger" zu wirken) und wirft sich mit Karacho in die brutalen Slasherszenen.
Ihre Rolle gibt aber auch sehr viel her. So darf sie Billy als Travestie von Mutterschaft Milch mit Betäubungsmitteln servieren und hat neben Tomaten und Kirschen auch einen eingeweckten Kopf im Kellerregal. Wenn sie mit dem Küchenmesser bewaffnet eine Nachbarin durch einen Gewittersturm verfolgt, um diese ins Jenseits zu befördern, erreicht der Film seinen Unterhaltungshöhepunkt. Regisseur William Asher baut nach dem spektakulären Autounfall zu Beginn die Spannung langsam auf und konzentriert sich auf die kranke Mutter/Ziehsohn-Beziehung, die blutigen Splattereinlagen, wegen der sein Film auf der berüchtigten 'Video Nasty'-Liste landete, kommen erst im Finale, wenn sich ein mörderischer Zweikampf an den nächsten reiht.

Leider ist NIGHT WARNING bislang weltweit nicht auf DVD erhältlich. Die hierzulande erschienene Videoversion war enttäuschenderweise um sämtliche Mordszenen gekürzt. Man darf hoffen, dass dieses kleine Juwel endlich seinen Weg auf die silberne Scheibe findet.

08/10

Komm zu Tantchen... Susan Tyrrell in "Night Warning"

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