Samstag, 7. April 2012

His Name Was Jason (2010)

Jason Voorhees - dieser Name jagt Kinozuschauern und Horror-Fans auch 30 Jahre nach seinem ersten Auftritt noch Schauer über den Rücken.
Sein Name steht für eine der erfolgreichsten Horrorfilm-Reihen aller Zeiten, die mit Sean S. Cunninghams "Freitag der 13." (1980) begann. Jason ist der unaufhaltsame Killer, der es vorwiegend auf Teenager abgesehen hat, die am idyllischen Camp Crystal Lake kiffend, blödelnd und fummelnd ihre Ferien verbringen. Er mordet aber auch schon mal an den Docks von New York und ist weder in der Wahl seiner Opfer noch in der seiner Mordwerkzeuge zimperlich.
Im ersten Teil der Reihe war Jason allerdings selbst nicht der Killer, sondern seine Mama. Erst im zweiten Teil griff er selbst zu Hackebeil, Forke und Messer, um die enthauptete Mutti aus dem Original zu rächen. Seitdem ist sein Name untrennbar mit dem Slasherfilm verbunden, jenem Genre, das Jugendliche begeistert und Kritiker zur Verzweiflung treibt. Als Horror-Ikone rangiert er auf einer Stufe mit Michael Myers und Freddy Krueger, gegen den er 2003 in "Freddy vs. Jason" zum ultimativen Duell antrat. Jason Voorhees, der Killer mit der Hockeymaske, ist aus dem Horror-Kino nicht mehr wegzudenken.

Kein Kinofilm, sondern eine Direct-to-DVD-Produktion ist die Dokumentation HIS NAME WAS JASON (His Name Was Jason: 30 Years of Friday the 13th) über die berühmte Horrorfilmreihe. Ähnlich wie in den Horrorfilm-Dokus "Never Sleep Again" (2010) und "Psycho Legacy" (2010) kommen hier sehr viele der Beteiligten zu Wort. Aber um es gleich vorweg zu nehmen: HIS NAME WAS JASON ist der schwächste dieser Filme. Er ist konfus strukturiert, oberflächlich und vollkommen unkritisch. Das Wiedersehen mit den ehemaligen Darstellern sowie einige lustige Anekdoten (u.a. darüber, wer eigentlich die Hockymaske 'erfunden' hat) können das Interesse über die Laufzeit leidlich aufrecht erhalten, so dass HIS NAME WAS JASON kein Totalausfall wird, aber wer sich bereits ein wenig mit der Reihe beschäftigt hat, wird nichts Neues oder sonderlich Interessantes erfahren.

Als Master of Ceremony fungiert hier Tom Savini, Make-up- und Spezialeffekte-Legende, der für die blutigen Einlagen in den Teilen 1 und 4 gesorgt hat. Der Witz seiner Auftritte hält sich allerdings in Grenzen. In den ersten 20 Minuten werden sämtliche 11 Filme der Reihe in derart rasantem Tempo durchgehechelt, dass man weder einen echten Einblick bekommt noch genug Zeit genug hat, die vielen Namen der Beteiligten den Charakteren zuzuordnen, die sie in den Sequels gespielt haben. Filmausschnitte sind vorhanden, aber weit weniger, als man erwarten würde. Der Rest des Films ist eingeteilt in Spezialbereiche wie "Making Of der Effekte" oder "Was Jason so besonders macht", wobei es keine wirklich klare Linie gibt. Die Tatsache, dass neben den Beteiligten auch Leute mitreden, die mit der Reihe so gar nichts zu tun haben, macht das Ganze noch verwirrender.

Über Anekdoten und Geschwätz kommt HIS NAME WAS JASON dabei nie hinaus. Reflektiert wird gar nichts, ein größerer Zusammenhang wird ebenfalls nicht hergestellt. Obwohl sogar Slasher-Fans sich einig sind, dass viele Teile der Filmreihe reiner Mist sind (oder gibt es jemanden, der "Jason Takes Manhattan" tatsächlich etwas abgewinnen kann?), wird kaum ein negatives Wort verloren (einige Beteiligte dürfen kurz mal sagen, was ihnen nicht gefallen hat, das war es dann aber auch schon). Als Zugabe darf man sich dann dümmliche Aussprüche anhören wie "Steckt nicht ein bisschen Jason in uns allen?" "Jason verkörpert die böse Seite in uns" oder "Jason ist von allen Filmbösewichtern der mit dem komplexesten Charakter". Hallo? Absurder geht es eigentlich nicht. Es dürfte doch wohl klar sein, dass ohne den enormen Erfolg des ersten Teils niemand auf den Gedanken gekommen wäre, auch nur eine einzige Fortsetzung zu produzieren, um den "Charakter" von Jason weiter zu entwickeln. Lächerlich.

Im Gegensatz zu dem wirklich hervorragenden "Never Sleep Again", der zur "Nightmare on Elm Street"-Reihe alles erzählt, was es zu erzählen gibt, und der keine Fragezeichen hinterlässt, bewegt sich HIS NAME WAS JASON durchweg auf dem Niveau von schnell heruntergedrehten Making Of-Clips. Klar gibt es die eine oder andere witzige Geschichte, und wenn Adrienne King, Überlebende aus Teil 1 (sowie frühes Opfer in Teil 2) , beim Gedanken an Jason zu Tränen gerührt ist, weiß man nicht, ob man mit ihr weinen oder über sie lachen soll. Aber das reicht nicht, um eine echte Empfehlung abzugeben. Hier wurde eine große Chance vertan. Statt Insider-Einblicken bietet die Doku nur weichgespültes Blabla mit geringem Informationsgehalt, viel Gerede und wenig dahinter. Und nein, Jason in Teil 10 in den Weltraum zu schicken, war keine gute Idee, sondern Schwachsinn!

Die deutsche DVD bietet übrigens - wie schon die "Psycho Legacy" - keine Untertitel, so dass man entweder nur den O-Ton oder den O-Ton mit darüber geplapperten deutschen Texten hören kann. Ärgerlich.

Allen Fans kann ich hingegen uneingeschränkt das Buch "Crystal Lake Memories" von Peter M. Bracke ans Herz legen. Der Autor, der auch kurz in HIS NAME WAS JASON zu Wort kommt, hat mit zahllosen Interviews und Hintergrundberichten den genauen Weg der Filmreihe nachgezeichnet und damit eines der wertvollsten Filmbücher zum Thema veröffentlicht. Da steht alles drin, was die Dokumentation verspricht und nicht einlöst. Insofern mein etwas altmodisch klingender Tipp: lieber nachlesen statt anschauen.

03/10

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