Dienstag, 17. April 2012

Der schwarze Leib der Tarantel (1971)

Obwohl Mario Bava als Erfinder des Giallo gilt, war es der Erfolg von Dario Argentos "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" (1970), der das Genre so richtig in Fahrt brachte. Wie Pilze schossen fortan Psycho-Thriller aus dem Boden, die sich gegenseitig mit absurd langen Titeln überboten, in denen vorzugsweise Tiere vorkamen, und stets die erprobte Mischung aus Murder Mystery, Sex und schriller Mode boten. Paolo Cavaras DER SCHWARZE LEIB DER TARANTEL (The Black Belly of the Tarantula) gehört nach Meinung vieler zu den besten Vertretern des Genres.

Der Plot: Ein Serienkiller tötet Frauen auf besonders perfide Weise, in dem er sie zuerst mit einem Insektengift paralysiert und ihnen dann den Bauch aufschlitzt, so dass sie ihrer Ermordung wehrlos zuschauen müssen - ganz genau so, wie es eine spezielle Wespenart mit Spinnen macht, die sie erst lähmen, um sie dann in aller Ruhe aufzufressen. Der ermittelnde Inspektor (Giancarlo Giannini) findet sich bald selbst im Netz des Killers wieder und bringt sich und seine Lebensgefährtin in tödliche Gefahr, bevor es zum aufregenden Showdown kommt...

DER SCHWARZE LEIB DER TARANTEL gehört zu den Filmen, die einem Giallo-Fan ein genüssliches Aahhhhh entlocken - so als würde man einen lieben alten Bekannten wiedersehen. Weitaus weniger brutal als der Inhalt vermuten lässt, setzt Regisseur Cavara mehr auf eleganten Stil und Kamera als auf blutige Effekte, um seine düstere Geschichte zu erzählen. Dafür stehen ihm nicht nur Komponist Ennio Morricone mit einer wundervollen Musik zur Verfügung, sondern auch der junge Giancarlo Giannini ("Casino Royale", 2006) als Ermittler mit dem schönsten traurigen Dackelblick, den das italienische Kino kennt. Nebenbei zeigt er eine klasse schauspielerische Leistung - man glaubt ihm, dass er mit zunehmender Laufzeit immer mehr in Bedrängnis gerät und dem Killer ebenso besessen auf der Fährte ist wie dieser seine Opfer jagt. Insbesondere mit seiner Filmpartnerin Stefania Sandrelli hat er eine tolle Chemie. Die beiden sind als Paar schön anzuschauen und wirken in ihrer Körperlichkeit miteinander absolut glaubwürdig.
Neben diesen beiden geben sich übrigens gleich drei Bond-Girls die Klinke in die Hand, Barbara Bach ("Der Spion, der mich liebte", 1977), Claudine Auger ("Feuerball", 1965) und Barbara Bouchet ("Casino Royale", 1967). Um die Riege der betörenden Damen abzurunden, spielt Isabelle Incantrera ein weiteres Mordopfer.

Zu den grausigsten Momenten des Films gehören nicht die Mordsequenzen (wobei diese nicht ohne sind), sondern die Filmaufnahmen, die ein Biologe dem Kommissar vorführt, und in denen die oben genannte Wespe bei der Arbeit gezeigt wird. Die Natur (und Kinder) können grausam sein, und für alle Spinnenphobiker wie mich sind diese authentischen Aufnahmen schwer zu verdauen. Sie verunsichern in genau dem Maß, den der Film braucht, um seine Spannung zu halten.
Zwischendurch gibt es noch eine schweißtreibende Sequenz, in der Giannini einen Erpresser über Hochhausdächer jagt. Die schlussendliche Lösung des Rätsels könnte man enttäuschend nennen, weil der Täter praktisch auf der Hand liegt, gleichzeitig ist seine Motivation so beliebig, dass auch die (nicht vorhandenen) Gärtner oder Butler in Frage kämen. Das macht aber nichts, denn bis dahin hat DER SCHWARZE LEIB DER TARANTEL hervorragend unterhalten und ist seinem Ruf als einer der besten seiner Art absolut gerecht geworden. Wenn gerade kein Argento zur Hand ist, um die Giallo-Lust zu befriedigen, sollte man hier zugreifen.

08/10

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