Montag, 19. März 2012

Sharky und seine Profis (1981)

Oder auch: 'The French Connection' meets 'Laura'.

Für SHARKY UND SEINE PROFIS (Sharky's Machine) übernahm Hauptdarsteller Burt Reynolds selbst die Regie und lieferte einen temporeichen Cop-Thriller ab, der leider einem großen Publikum unbekannt geblieben ist, in Fankreisen aber sehr geschätzt wird.
Der Film erzählt vom toughen Drogenfahnder Sharky ("Wie ist Ihr Vorname?" - "Sergeant."), der in Atlanta dem Gangsterboss Victor (Vittorio Gassman) auf den Fersen ist. Nach einem schief gelaufenen Einsatz wird Sharky zur Sitte versetzt, trifft dort auf seine ehemaligen Kumpels und nimmt mit ihnen die Jagd nach dem Drogenkönig wieder auf. Dafür verwanzt er das Apartment des Luxus-Callgirls Dominoe (Rachel Ward), in die sich Sharky verliebt. Als sie von einem psychopathischen Killer des Drogenrings scheinbar ermordet wird und seine Kollegen ebenfalls auf der Abschlussliste landen, nimmt Sharky ab sofort den Kampf persönlich...

Obwohl SHARKY einige wenige Längen aufweist, die hauptsächlich mit der etwas unglücklich gezeichneten Liebesgeschichte zwischen Cop Sharky und Edelhure Dominoe zu tun haben, kann der Thriller über die gesamte Lauflänge gut und spannend unterhalten. Der ungewöhnliche Schauplatz ist Atlanta, das der in Georgia geborene Reynolds eindrucksvoll in Szene setzt. Die Großstadt-Atmosphäre wird gleich zu Beginn überzeugend gesetzt, wenn Reynolds zu den Klängen von 'Street Life' zu einem Treffen mit einem Drogendealer durch die Straßen, verlassene Fabrikanlagen und Industrieviertel zieht.

Neben einigen gelungenen Action-Set-Pieces (wie der spektakuläre Sturz eines Bösen durchs Hochhaus-Fenster) bieten die Szenen zwischen Reynolds und seinen Profis jede Menge 'Comic Relief', und die Besetzung mit hervorragenden Charakterdarstellern wie Charles Durning, Brian Keith und Bernie Casey hilft der Glaubwürdigkeit des Thrillers. "Wer da runtergeht, kommt meistens nicht mehr hoch", wird über die Sittenabteilung gesagt, die sich im Keller des Polizeigebäudes findet. In diesem schmuddeligen Höllenloch werden eingesammelte Prostituierte zur Abfertigung in Käfige gesperrt und Cops abgestellt, die durchs Raster gefallen sind, gesellschaftliche Außenseiter zwischen Außenseitern. Natürlich befinden sich hier die 'echten' Kumpels, und der Film schafft es schnell, diese eingeschweißte Männergruppe durch viele kleine Einfälle sympathisch zu machen. Die meisten Lacher hat Charles Durning auf seiner Seite, der als Chef der Abteilung immer nur über sein schmales Gehalt meckert und mehr über die luxuriösen Ausstattungen von Callgirl-Apartments entsetzt ist als über die Verbrechen, die dort stattfinden.

Frauen spielen in diesem Universum kaum eine Rolle, sie sind allesamt nur Huren (offenbar ist auch keiner der Cops verheiratet). Oberhure Dominoe wird atemberaubend von der schönen Rachel Ward gespielt, die kurz später im legendären TV-Mehrteiler "Die Dornenvögel" (1983) mit Priester Richard Chamberlain herumtollen durfte. Hier nimmt sie tausend Dollar für eine Liebesnacht und träumt von einem Haus und einer Karriere als Tänzerin. Reynolds, der ihr Apartment abhört und sie per Teleskop beobachtet, entwickelt eine erotische Obsession, der schon viele Helden des Film Noir erlagen. Als die Dame vermeintlich erschossen wird und kurz später höchst lebendig wieder auftaucht, stellt man überrascht fest, dass SHARKY UND SEINE PROFIS ein Remake des Klassikers "Laura" (1944) sein möchte, und tatsächlich gelingt die Mischung aus Cop-Film und Noir ziemlich gut, die sich auch im Soundtrack wieder findet (ein Mix aus Jazz, Score und Pop). Für ein Beispiel, bei dem dieser Versuch in die Hose ging, siehe "The Specialist" (1994).

Leider fehlt Burt Reynolds als Schauspieler die große Palette, um überzeugend den unglücklich verliebten Helden zu mimen, er kann entweder nur sein bekannt smartes Lächeln aufsetzen oder grimmig dreinschauen, wenn er wütend ist. Die große Szene zwischen ihm und Ward, in der sie ihn demütigt und er sie 'ein bisschen' verprügelt, ist dann auch die schwächste des Films (Reynolds ist allerdings zehnmal besser als Sylvester Stallone in o.g. Film). Den Oberbösewicht dagegen spielt die italienische Kinolegende 'Il Mattatore' Vitoria Gassman mit perfekter Schmierigkeit, und den nachdrücklichsten Eindruck hinterlässt Henry Silva als dauerkoksender Killer mit abgesägter Schrotflinte, der keine Fragen stellt, bevor er losballert, am liebsten mitten ins Gesicht.

Der Name 'Sharky' ist übrigens eine augenzwinkernde Hommage an zwei erfolgreiche Reynolds-Filme, "Smokey and the Bandits" (1977) und "Shark" (1969). Leider wurde SHARKY UND SEINE PROFIS im Kino weitgehend übersehen und wird so gut wie nie im TV ausgestrahlt. Obwohl er nicht die Klasse eines "French Connection" oder "Dirty Harry" aufweist, ist er aber doch sehr sehenswert und ein klarer Geheimtipp.

7.5/10

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