Mittwoch, 21. März 2012

Psycho Legacy (2010)

Die Dokumentation PSYCHO LEGACY (The Psycho Legacy) betrachtet in Spielfilmlänge die Hintergründe, Entstehungsgeschichte und Dreharbeiten der vier "Psycho"-Filme, die mit Alfred Hitchcocks legendärem Klassiker ihren Anfang nahmen. Der Film ist direkt auf Video/DVD erschienen und gehört in eine Reihe mit ausführlichen Dokus, die sich mit erfolgreichen Horror-Reihen beschäftigen, wie der hervorragende, vierstündige "Never Sleep Again" (2010) über die "Nightmare On Elm Street"-Filme oder "His Name was Jason", der "Freitag der 13." (1980) und dessen Sequels unter die Lupe nimmt.

Regie bei PSYCHO LEGACY führte Robert Galluzzo, ein Fan des Genres, und für sein Projekt konnte er viele der Beteiligten aufspüren. Einige wichtige fehlen hingegen unerklärlicherweise.
Visuell entspricht PSYCHO LEGACY dem typischen Look eines Making Ofs im Stil von Laurent Bouzereau, der diese Art Zugaben zu DVD-Releases perfektioniert hat. Filmausschnitte gibt es erstaunlich wenig, und wenn, dann nur sehr kurz. Offenbar besaß man auch nicht die Rechte an der berühmten Filmmusik von Bernard Herrmann, weswegen eine mittelmäßig nachgemachte Synthie-Version über den Bildern liegt.
Zu Wort kommen u.a. die Darsteller Robert Loggia, Diana Scarwid, Jeff Fahey und Olivia Hussey, sowie einige Schauspieler aus der zweiten und dritten Reihe, die nur kurze Auftritte hatten (und bei deren eingeblendeten Filmnamen man selbst als Fan lange überlegen muss, welche Figur das denn um Himmels Willen war). Neben Produzenten, Technikern und Regisseuren wie Mick Garris sprechen auch Fansite-Betreiber über ihre Erfahrungen mit "Psycho" und den Fortsetzungen. Dabei konzentriert sich Golluzzo vor allem auf Anthony Perkins und die von ihm unsterblich interpretierte Rolle des Norman Bates. Zu schade, dass der mittlerweile verstorbene Perkins nicht selbst zu Wort kommt, außer in ein paar Ausschnitten einer Fan-Convention. Das Bild, das die Weggefährten von ihm zeichnen, ist äußerst liebevoll und warmherzig, zwischen den Zeilen erfährt der geneigte Zuschauer aber auch, dass der Schauspieler etwas schwierig war, sich mit Meg Tilly in "Psycho II" (1983) nicht verstand und ewig über Kleinigkeiten am Set von "Psycho IV" (1988) diskutierte.

Neben diesem Blick auf Perkins möchte PSYCHO LEGACY aber auch die Wirkung und Auswirkung von Hitchcocks Original beleuchten, und das gelingt leider nicht im geringsten. Überhaupt ist der Part zum Klassiker (jeder Teil erhält in der Besprechung ca. 20 Minuten Filmlänge) der schwächste. Da werden nur die längst bekannten und abgenudelten Allgemeinplätze zu "Psycho" heruntergespult. Wie riskant Janet Leighs BH war, dass man zum ersten Mal im amerikanischen Film eine Toilette sah, dass man sich mit Norman Bates identifizierte, blablabla. Für Zuschauer, die sich noch nie mit Hitchcocks Meisterwerk beschäftigt haben, dürfte das eventuell Neuland sein, aber für Fans und Kenner des Originals ist das außerordentlich langweilig.

Spannender wird es bei den Sequels, denn über die weiß man in der Tat gar nicht so viel. PSYCHO LEGACY bemüht sich sehr, alle im besten Licht erscheinen zu lassen, es wird kaum ein negatives Wort verloren - interessanterweise nur von Anthony Perkins selbst, der auf der o.g. Convention zu "Psycho III" (1986) - den er selbst als Regisseur zu verantworten hatte - sagt, der Film wäre inhaltlich zu sehr eine Kopie von "Psycho", um zu funktionieren. Als großer Fan des zweiten Teils war es für mich schön zu hören, wie positiv über dieses sorgfältige Sequel gesprochen wird. Dass Teil 3 hingegen mehr als die von Perkins angesprochenen Schwächen hat und Teil 4 einfach nur schlecht ist (sorry), das wird geflissentlich übersehen, und da staunt man schon über die durchgehende Lobhudelei. Den vielleicht größten Fehler macht Golluzzo aber, indem er Gus van Sants "Psycho"-Remake von 1998 vollkommen ignoriert. Hier wäre es doch interessant gewesen, die Beteiligten zu befragen, wie sinnvoll im Nachhinein dieser überflüssige Film war, und warum er nicht die Spur eines ähnlichen Effekts wie das Original auf die Zuschauer hatte. Schade. Und wo sind Vera Miles, Meg Tilly, Roberta Maxwell, Patricia Hitchcock?

Unterm Strich bleibt ein sehenswertes Making Of, das aber zu sehr nett und kuschelig sein möchte, um wirklich in die Tiefe zu gehen. Als Hommage an den wundervollen Schauspieler Anthony Perkins, der Zeit seines Lebens nicht vom Image des Psychopathen loskam, ist PSYCHO LEGACY außerordentlich gelungen.
Die deutsche DVD bietet den Film entweder in der O-Fassung, oder mit deutschem Sprecher. Leider kann man nicht die O-Fassung mit Untertiteln anwählen, denn die sind nicht vorhanden, was eine ziemlich sinnlose Entscheidung ist. Dafür gibt es massig Extras und Zusatzmaterial. Für Fans empfehlenswert.

06/10

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