Donnerstag, 1. März 2012

Die schwarze 13 (1966)

Der Marquis Philippe de Montfaucon (David Niven) reist aus Paris zu seinen Weingütern auf dem Lande, weil eine Missernte droht. Seine Ehefrau Catherine (Deborah Kerr) folgt ihm mit den beiden Kindern und ahnt bald, dass da merkwürdige Dinge im Schloss des Großgrundbesitzers vorgehen. Alle skurrilen Bewohner des Landsitzes scheinen ein düsteres Geheimnis vor ihr verbergen zu wollen. Wie es scheint, soll Ehemann Philippe bei einer heidnischen Zeremonie geopfert werden, um die Missernte abzuwenden...

Deborah Kerr in einem stimmungsvollen Schwarzweiß-Grusler, der in einem düsteren Gemäuer spielt? Da werden natürlich sofort Assoziationen an "Schloss des Schreckens" (1961) geweckt, einen der besten Horrorfilme aller Zeiten. Mit dem kann J. Lee Thompsons DIE SCHWARZE 13 (Eye of the Devil) nicht mithalten, obwohl es einige sehr atmosphärische Sequenzen gibt und die Kamera sich stets um originelle Einstellungen bemüht. Drehbuch und Regie sind allerdings von der grobschlächtigeren Sorte und stiften mehr Verwirrung als Gänsehaut. So beginnt zum Beispiel der Film mit einer 'Best of'-Montage, einem quasi Schnelldurchlauf des kompletten Films, deren Nutzen ein Rätsel bleibt, weil man aus der schnellen Schnittfolge weder schlau noch sonstwie emotional berührt wird. Sie ist lediglich ein überflüssiges Stilmittel, eines von vielen, die Thompson anwendet. Da wird der Zoom schon mal überstrapaziert, und die bewusst arhythmische Schnittfolge weist sein Werk deutlich als Produkt der 60er aus, weswegen er heute stark gealtert erscheint, anders als der oben genannte Klassiker, der von zeitloser Schönheit und Eleganz ist.

Die Geschichte von DIE SCHWARZE 13 erinnert darüber hinaus stark an das Meisterwerk "The Wicker Man" (1973), der als Meilenstein des britischen Horrorfilms gilt, dessen Motive aber hier bereits vorweg genommen werden. Während "The Wicker Man" weltweit gefeiert wird, ist J. Lee Thompsons Werk in Vergessenheit geraten und kaum zu sehen. Das liegt auch an mehreren Missgriffen wie der Fehlbesetzung mit David Niven in der männlichen Hauptrolle. Nicht nur sind er und Deborah Kerr (ein eingespieltes Team) als Franzosen vollkommen unglaubwürdig (auch sind sie viel zu alt für ihre Kleinkinder), Niven spielt nach seiner Ankunft im Schloss durchweg auf einem Ton, starrt wie hypnotisiert ins Leere und bleibt passiv bis zum Ende. Als Gutsbesitzer hat er sich in sein Schicksal gefügt und unterliegt offenbar einem mysteriösen Bann, das entschuldigt aber nicht sein mechanisches Spiel.

Deborah Kerr wandelt gewohnt souverän durch die Gruselkulissen, doch es sind die Nebendarsteller, die wirklich punkten, insbesondere die blutjungen Schauspieler David Hemmings und Sharon Tate als seltsames Geschwisterpaar mit womöglich magischen Kräften (inwieweit sie diese magischen Kräfte besitzen, bleibt ein Geheimnis, das der Film für sich behält). Sharon Tate ist hier so schön, dass man es kaum aushält, allein wegen ihr lohnt sich das Ansehen. Fetisch-Fans werden zudem die Szene lieben, in der David Niven Tate auspeitscht, weil sie die Frechheit besaß, Deborah Kerr fast über die Schlosszinnen in den frühen Tod zu befördern. Das schlimme Schicksal, das der Schauspielerin (und Ehefrau von Roman Polanski) widerfuhr (sie wurde ein paar Jahre später vom Manson-Clan ermordet, eines der unvorstellbar grausamsten Verbrechen in der Geschichte Hollywoods), verleiht jedem ihrer Filme eine tragische Note. Ihre Schönheit bleibt durch Filme wie diesen unsterblich. Der mit Pfeil und Bogen bewaffnete Hemmings, der Tauben erschießt, ist ein ikonografisches Bild, das lange im Gedächtnis bleibt, wenn der Film sich schon daraus verabschiedet hat.

Neben Hemmings und Tate zeigen Donald Pleasence, Flora Robson und Edward Mulhare gute Leistungen, doch niemals kommen sie über das vermurkste Drehbuch hinweg, das Deborah Kerr von einer alptraumhaften Situation in die nächste stolpern lässt, ohne jemals eine intensive Spannung aufzubauen oder die vielen Fragen zu beantworten, die sich anhäufen. J. Lee Thompson ist als Regisseur zwar kein Künstler, aber ein hervorragender Handwerker, also setzt er auf Tempo. Dadurch bleibt DIE SCHWARZE 13 durchweg unterhaltsam. Lediglich das ausgedehnte Finale, in dem Deborah Kerr ihren Mann Niven vor der Hinrichtung durch die Kapuzenmänner (die 'schwarzen 12') retten muss, dauert zu lange und verpufft. Das Ende sollte tragisch und bedrückend sein, wirkt aber nur ernüchternd.

Wer Schwarzweiß-Grusel liebt, der wird an der SCHWARZEN 13 Gefallen finden. Er ist extrem ansehbar und vielleicht zu Unrecht in der Versenkung verschwunden. Man sollte allerdings seine Erwartungen herunterschrauben. Von einem "Schloss des Schreckens" oder dem thematisch ähnlichen Okkult-Horror "Hypno" (1962) ist er dann doch zu weit entfernt.

07/10

David Hemmings & Sharon Tate in "Die schwarze 13"

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