Samstag, 3. März 2012

Absurd (1981)

Ein griechischer Serienkiller, dessen Zellen die beneidenswerte Funktion besitzen, sich superschnell regenerieren zu können, weswegen er quasi unkaputtbar ist, wird von einem Priester durch einen Park gehetzt und versucht, ein einsames Haus zu erreichen, wobei er sich so schwer verletzt, dass er ins Krankenhaus kommt. Dort erholt er sich aber in Minuten, tötet eine Krankenschwester und macht sich erneut auf den Weg zu besagtem Haus, wo ein ans Bett gefesseltes Mädchen mit ihrem kleinen Bruder gerade von den Eltern alleine gelassen wurde. Es beginnt eine Nacht des Schreckens...

ABSURD (Rosso Sangue, Antropophagus II) wurde von Aristide Massaccesi inszeniert, besser bekannt unter seinem Lieblings-Pseudonym Joe D'Amato, und soll der zweite Teil des Splatter-Klassikers "Man-Eater - Der Menschenfresser" (1980) sein. Das einzige, was die beiden Filme gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass George Eastman in beiden die Hauptrolle spielt und jeweils seine Gedärme verliert, hier bereits in der ersten Szene, nachdem er über ein Gittertor klettern wollte und sich dabei selbst aufspießt. Wobei die Idee, dass er als Kannibale seine eigenen Innereien verspeist (wie in "Man-Eater") nicht zu toppen ist. Um ABSURD dennoch als Sequel zu tarnen, muss der ermittelnde Cop mehrfach "Ein Grieche... noch ein Grieche" brabbeln, weil ja der erste Teil auf einer griechischen Insel spielte. Gottseidank bleibt uns in dieser Fortsetzung die schlimme Sirtaki-Restaurantmusik erspart, die in "Man-Eater" so nervte.

Ansonsten macht ABSURD seinem Titel alle Ehre, ist aber insgesamt ein besserer Film als "Man-Eater", weil er sich wenigstens um Spannung bemüht und einige durchaus schaurige Szenen zu bieten hat. Die sind aber nur die Zugabe in diesem Splatterfestival, dessen Absicht eher in der Zurschaustellung blutiger Maskeneffekte liegt, weswegen der Film auch jahrzehntelang weltweit verboten und beschlagnahmt war. Da werden Krankenschwestern mit Bohrern getötet, Hausmeister mit dem Kopf voran in die Kreissäge geschoben, ein Babysitter im Gasherd gegart und ein weiteres Mädel per Spitzhacke ins Jenseits befördert. Die Tricks sind einfach, aber wirkungsvoll und bewegen sich auf dem schönen 80er-Level von Klassikern wie "Ein Zombie hing am Glockenseil" (1981), was mir tausendmal lieber ist als moderne CGI-Effekte.

George Eastman muss in der Hauptrolle auch einiges erdulden. Er verliert seinen Dickdarm im Hausflur, wird mehrfach überfahren und angeschossen und bekommt im Finale dann noch einen Zirkel in beide Augen (aua!), was zur spannendsten Sequenz führt, wenn er zombiegleich mit ausgestreckten Armen und frisch erblindet das arme Mädel durchs Haus jagt. Eigene Einfälle jenseits der Splattermomente gibt es bei D'Amato kaum, dafür bedient er sich ausgiebig bei John Carpenters "Halloween" (1978), an den nicht nur Musik und Setting erinnern. Hier wie da ist dem Monster ein Mann auf den Fersen. Da es sich um eine italienische Produktion handelt, ist es in ABSURD kein Psychiater, sondern ein Priester, der dem Mörder ans Leder will, und als Sahnehäubchen wird zum Schluss die Anfangs-Sequenz von "Halloween" mehr oder weniger identisch nachgestellt. Natürlich kann sich D'Amato in hundert Jahren nicht mit Carpenter messen, deswegen bleibt seine Spannung immer plump. Was er nicht bei Carpenter abschaut, stammt von Hitchcock (das ans Bett gefesselte Mädchen als Ziel des Killers) oder Fulci, dessen Bohrmaschinen-Mord aus "Glockenseil" hier gleich mehrfach recycelt wird.

Da ABSURD außer brutalen Mordszenen weder inhaltlichen noch künstlerischen Wert besitzt und Kinder ständiger Lebensgefahr ausgesetzt werden, war die Frage nach einem möglichen Verbot des Films schnell beantwortet. Trotzdem ist er wahrscheinlich D'Amatos bester Horrorfilm. Er schreitet mit ordentlichem Tempo voran (der Schnitt in den Anfangsmomenten ist geradezu rasant), hat ein paar intensive Momente und den gewissen Trash-Charme (der ermittelnde Inspektor steht eine halbe Filmstunde lang unbeweglich vor einem Telefon, das unentwegt klingelt und neue Informationen liefert), der Schund wie ABSURD so unterhaltsam macht. Für Freunde des ungepflegten italienischen Splatterkinos ein Muss, für alle anderen verzichtbar.

6.5/10

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