Donnerstag, 16. Februar 2012

The Ward - Die Station (2010)

John Carpenter ist zurück, und wie es auf dem Plakatmotiv heißt, beweist er mit THE WARD (The Ward), dass er immer noch der 'Master of Shock' ist. Was Carpenter wirklich beweist, ist eher die Tatsache, dass seine Glanzzeiten ein für allemal vorbei sind.

Aber eins nach dem anderen. THE WARD erzählt von der schönen, jungen Kristen (Amber Heard), die im Jahr 1966 ein Farmhaus abfackelt und von der Polizei festgenommen wird. Ohne Anklage landet sie direkt in der geschlossenen Psychiatrie, wo sie für den Rest des Films auch bleiben wird. Dort trifft sie einige hübsche und mehr oder weniger irre Mitgefangene, und in der Nacht hört sie unheimliche Geräusche. Offenbar geht ein Geist in der Anstalt um, der die Patientinnen dezimiert. Oder verhält sich alles ganz anders?

Ja, tut es, aber man sollte nicht auf die überraschende Auflösung warten, auf die der Film beinahe schon verzweifelt zusteuert, denn die fällt extrem enttäuschend aus, weil sie aus einem anderen bekannten (und man muss sagen, besseren) Film, der schon ein paar Jahre zurückliegt, 1:1 übernommen wurde. Das ist zwar kein Verbrechen, aber man staunt schon, wie wenig Originalität bei einem Carpenter möglich ist, der in den 70ern neue Trends setzte und in den 80ern einige Meisterwerke des Horror- und Actionkinos inszenierte, die heute noch zu meinen absoluten Lieblingsfilmen zählen.
THE
WARD hätte jeder halbwegs begabte Regisseur drehen können, eine Handschrift ist so gut wie nie erkennbar. Das fängt bei dem lieblosen Psychiatrie-Set an, aus dem der Film nie herauskommt, und das mit zunehmender Laufzeit immer langweiliger wird. THE WARD hat visuell nichts zu bieten, was über ein paar 'Buh'-Momente hinausgeht, bei denen zwar das Timing stimmt (immerhin, es ist Carpenter), die aber in so schöner Regelmäßigkeit kommen, dass sie schnell vorhersehbar werden. Glücklicherweise verzichtet Carpenter auf Gore und konzentriert sich lieber auf halbwegs subtilen Grusel, doch der will nur selten funktionieren. Dass ihm wenig Geld zur Verfügung stand, was man an der kargen Ausstattung und den flachen Bildern sehen kann, ist keine Ausrede, denn seine Erstlinge waren ebenfalls Low-Budget-Werke, die trotzdem neue Wege gingen und für ganze Generationen unvergesslich blieben.

Mit Amber Heard steht Carpenter eine moderne Scream Queen zur Verfügung ("All the Boys Love Mandy Lane", 2006), deren Attraktivität nicht ganz im Verhältnis zu ihren schauspielerischen Fähigkeiten steht. Auf jeden Fall dürften sich die Jungs im Publikum an ihrem Anblick erfreuen, auch wenn die einzige Duschszene fast schon albern züchtig bleibt. Dass Heard keinen nennenswerten Charakter oder eine Backstory besitzt, erschließt sich nach der gelieferten Schlusspointe, aber wenn ein Film nur darauf aus ist, eine Überraschung am Ende zu servieren und dafür 80 Minuten einer im Grunde uninteressanten Figur folgt, dann stimmt mit dem Konzept etwas ganz und gar nicht.
Die übrigen Darsteller sind kaum der Rede wert. Es gibt den typisch verkopften Psychiater, der nie mehr erzählen darf als notwendig, um die Pointe nicht zu ruinieren, die böse Krankenschwester im 'Nurse Ratchett'-Gedenk-Modus, und den unsympathischen Pfleger, der sich gern an die Mädels heranmacht. Filme aus den 80ern wie "Nightmare 3" (1987) oder "Vision der Dunkelheit" (1988) haben eine ähnliche Grundsituation (Jugendpsychiatrie, Selbsthilfegruppen) deutlich besser genutzt. 'Kristen' war übrigens auch der Filmname von Patricia Arquette in "Nightmare 3", insofern kommt man um Assoziationen gar nicht herum. Die Musik hat Carpenter dieses Mal leider nicht selbst komponiert, sie ist ebenso konturlos wie der Film selbst.

Was soll man also mit THE WARD anfangen? Nicht viel. Man kann ihn zu den Akten auf dem Stapel "John Carpenter versucht ein Comeback" legen und vergessen. Es gibt auch nicht einen Moment im gesamten Film, der länger im Gedächtnis bliebe, selbst der Schluss-Schock ist nicht neu. Es scheint so, als seien alle Horror-Idole meiner Jugend am Ende. David Cronenberg gefällt sich inzwischen in gepflegter Langeweile, Dario Argento bewegt sich im Trash-Abgrund und dreht "Dracula 3-D" mit Rutger Hauer als Van Helsing (ohne Worte), Wes Craven bekommt kein grünes Licht mehr für Filme, in denen keine Teenies aufgeschlitzt werden, Tobe Hooper ist komplett in den Niederungen des Direct-t-Video-Marktes verschwunden, und Brian de Palma... nun, lassen wir das. Niemand kann über so viele Jahrzehnte brillante Filme abliefern (außer Hitchcock), aber für einige der Herren wäre womöglich der verdiente Ruhestand angesagt. So schön es ist, den Namen John Carpenter im Filmvorspann zu lesen - auf das, was danach kommt, kann man getrost verzichten. Immerhin, THE WARD ist besser als "Ghosts of Mars" (2001) - was auch immer das heißen mag...

02/10

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