Freitag, 24. Februar 2012

Final Destination 5 (2011)

Kürzlich schrieb ich, dass es Filme wie "Der Teufel tanzt weiter" (1980) nicht mehr gibt, die lediglich eine Abfolge von Splatterszenen ohne inhaltlichen Zusammenhang, dargeboten von schlechten Laiendarstellern, herunterspulen. Das stimmt nicht so ganz, denn die FINAL DESTINATION-Reihe beweist, dass man auch ohne jeden Funken künstlerischen Talents oder eine originelle Idee einen erfolgreichen Genrefilm produzieren kann, der von einer geschmacksentwöhnten Fangemeinde jubelnd aufgenommen wird.

Natürlich haben sich die Zeiten geändert, weswegen man einem FINAL DESTINATION 5 (Final Destination 5) nicht mehr auf den ersten Blick ansieht, was für eine Bankrotterklärung er darstellt. Die Production Values stimmen, die Schnittfrequenz ist zeitgemäß hoch. Im Grunde ist die Reihe das Horror-Äquivalent für Pornos. Auch hier erwartet der Zuschauer weder schauspielerisches Können (weil lediglich hübsche Gesichter aus mittelmäßigen TV-Serien besetzt werden) noch einen stimmigen Plot (weil in jedem Teil der Reihe die immer gleiche Geschichte erzählt wird). Was alleine zählt, sind die Cumshots, hier Mordsequenzen genannt. Diese funktionieren auf ihre Weise zwar nach dem immer gleichen Prinzip, aber sie funktionieren. Die 3-D-Aufmachung sorgt für einige Lacher, könnte einem aber auch gestohlen bleiben, weil es nichts nützt, einen Haufen Mist mit Schleifchen aufzupeppen, es bleibt ein Haufen Mist. Den Inhalt muss ich an dieser Stelle nicht nacherzählen, er hat sich seit der ersten Folge nicht geändert - was die Frage aufwirft, ob es sich bei FINAL DESTINATION 5 eigentlich um ein Sequel handelt, denn im Grunde entspricht er eher den Regeln eines Remakes. Da Sequels aber überhaupt nur existieren, weil viele Zuschauer den einen Film, der ihnen gefallen hat, immer wieder sehen wollen (nur etwas anders), geht das irgendwie in Ordnung.

Die Variation, die sich Drehbuchautor Eric Heisserer hat einfallen lassen, besteht im 5. Teil darin, dass man dem nahenden Tod ein Schnippchen schlagen kann, indem man selbst ein Leben auslöscht - was die Charaktere dazu bringt, sich gegenseitig an die Kehle zu springen anstatt dies der bösen Macht zu überlassen, die erneut von Tony Todd in einer mittlerweile unfreiwillig komischen Gastrolle verkörpert wird. Darüber hinaus schert sich Regisseur Steven Quale, dessen unglaubliche Filmerfahrung in einem Kurzfilm, einem TV Movie und der Co-Regie bei James Camerons Doku "Aliens of the Abyss" besteht, um nichts, was über die Splatterszenen hinausgeht. Der Film schafft es nicht einmal, seine simple Exposition verständlich zu erzählen.
Die Darsteller erfüllen gerade mal die Mindestanforderungen von Daily Soaps. Hauptdarsteller Nicholas D'Agosto ist zweifellos ein Schnuckelchen, aber sein Gesicht bleibt unbewegt, egal ob seine Freunde sterben oder ein Irrer hinter ihm her ist. Die deutsche Synchronfassung macht alles nur noch schlimmer, weil die Sprecher sämtlich übermotiviert sind und die reglose Mimik der Darsteller beim besten Willen nicht zu den emotional aufgeladenen Sätzen passen mag, die sich die Sprecher gequält aus dem Leib drücken (diese Art Filmsynchronisation sollte verboten werden).

Da FINAL DESTINATION 5 nur noch in Sachen Gore punkten will (und kann), ist der Splattergehalt erwartungsgemäß hoch, aber die lächerlichen CGI-Tricks verderben selbst daran jeden Spaß. Lediglich die Szene, in der ein potentielles Todesopfer beim Augenarzt an einen außer Rand und Band geratenen Laser gerät, kann so etwas wie Unbehagen auslösen, weil sie als einzige mit einer realistisch nachvollziehbaren Situation spielt, mit der man sich identifizieren kann. Der Rest ist idiotisch (eine Turnerin bricht sich sämtliche Knochen beim Absturz von einem Sportgerät) oder tödlich langweilig (wie das komplette Finale).

Der erste "Final Destination" (2000) konnte zumindest mit seiner originellen Idee aufwarten und darunter noch ein paar Bemerkungen über die Unausweichlichkeit des Todes machen. "Final Destination 2" (2003), der vielleicht beste Teil der Reihe, war eine höchst unterhaltsame Achterbahnfahrt ohne Leerlauf. Seit dem 3. Teil aber wird das bereits Gesehene lediglich wiedergekäut, verdaut, ausgeschieden und noch einmal serviert. Es ist absolut erstaunlich, dass der x-te Aufguss einer ausgelutschten Idee noch immer Zuschauer (und Fans!) findet. Soll der Tod holen, wen er will. Im Grunde hätte ich mir den ganzen Text sparen und lediglich den einen Satz niederschreiben können, den ich nach dem Abspann von FINAL DESTINATION 5 im Kopf hatte: "Gott, war der schlecht."

02/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...