Mittwoch, 22. Februar 2012

Der Teufel tanzt weiter (1980)

Solche Filme werden einfach nicht mehr gemacht!

Mit diesem Ausspruch meint man normalerweise klassisches Hollywood-Kino, das in jeder Beziehung wertvoll war und sowohl inhaltlich wie technisch begeistern konnte. Wo Kunst und Unterhaltung sich trafen. Das passt aber auch zu Trash-Perlen wie DER TEUFEL TANZT WEITER (NIght of the Demon), in dem sich weder Kunst noch Unterhaltung jemals begegnen.
Der Film kam mit einiger Verspätung Mitte der 80er in unsere heimischen Videotheken und wurde flugs aus selbigen mittels Beschlagnahmebeschluss wieder verbannt. Das Cover des Verleihvideos sollte - zusammen mit dem geschickt gewählten Titel - Assoziationen zu Sam Raimis "Tanz der Teufel" (1981) aufkommen lassen (den ebenfalls das Schicksal des Verbotes ereilte) doch jeder, der sich DER TEUFEL TANZT WEITER auslieh, musste sich auf eine herbe Überraschung gefasst machen.

Nicht nur treiben hier weder Dämonen noch Zombies ihr Unwesen, nein, ein Bigfoot (ein Zottelviech) geht um in den amerikanischen Wäldern. Nach diesem sucht nun eine Gruppe von Anthropologie-Studenten. Und während man sucht, werden immer wieder am Lagerfeuer Geschichten über die Untaten des Untiers erzählt, das Holzfäller, Biker und Angler auf dem Gewissen hat. Offenbar wollte sich das Kuschelmonster auch vermehren und besprang dazu eine Eingeborenenfrau, deren religiöser Vater aber dem Spuk ein Ende bereitete, was den jähzornigen Yeti zu ewiger Mordlust anstachelte...

Die lose Rahmenhandlung, die immer wieder zum Stillstand kommt, um eine Rückblende (oder eine Rückblende in der Rückblende) einzubauen, ist nichts weiter als ein simpler Vorwand, um eine blutrünstige Splatterszene nach der nächsten abzuliefern. Regisseur James C. Wasson kümmert sich weder um Logik noch Spannung und schafft es nicht, aus seinen untalentierten Laiendarstellern auch nur einen guten Moment herauszuholen. Dafür macht die Spezialeffekte-Abteilung Überstunden und präsentiert für ein geschätztes Budget von ca. 50 Dollar eine spektakuläre Goreszene nach der nächsten. Bereits der Filmauftakt hat es in sich, wenn einem harmlosen Angler durch das Plüschmonster ein kompletter Arm abgerissen wird und unter den Titeln das Kunstblut in einen Fußbadruck rinnt, welchen der Yeti im Schlamm hinterlassen hat. Danach darf man zusehen, wie Bigfoot einem Motorradfahrer, der sich am Straßenrand mal kurz erleichtern möchte, von einer haarigen Pranke der Penis abgerissen wird. Zwei Pfadfinder-Mädels werden vom Horror-Äffchen so lange malträtiert, bis sie - von oben bis unten mit Ketchup beschmiert - den Geist aufgeben, und die finale Begegnung der Studenten mit dem Monster ist eine in Zeitlupe gefilmte und mit schrecklicher Musik untermalte Splatterorgie, in der Innereien geschwungen, Studenten mit Heugabeln durchbohrt oder auf andere nette Weise dahingemetzelt werden.

DER TEUFEL TANZT WEITER fand schnell viele Fans und gilt mittlerweile als kleiner Kultfilm. Ohne die Beschlagnahmung wäre er wahrscheinlich sofort in der Versenkung verschwunden, wo er hingehört. Gewaltverherrlichend ist hier gar nichts, nur lächerlich. Als Genrebeitrag kann er lediglich eine gewisse Sensationsgier des Publikums befriedigen, als ernst zu nehmendem Spielfilm fehlt ihm jede grundlegende technische Qualität. Die billige Laien-Synchronisation, bei der man das Gefühl hat, es würden lediglich zwei Sprecher für sämtliche Rollen eingesetzt, gibt dem Streifen entweder den Rest oder verleiht ihm diesen gewissen Trash-Charme, je nach Standpunkt. Heute wäre ein solcher Mist undenkbar, da die Zeiten von Hinterhof-Filmen wie diesem vorbei sind und das Publikum selbst bei Schrott eine professionelle Machart gewohnt ist. Das kann man einerseits bedauern, weil genau diese Machart großartige Regisseur wie Raimi, Romero oder Hooper hervorgebracht hat, andererseits braucht die Welt aber auch keinen zweiten DER TEUFEL TANZT WEITER.

03/10

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