Montag, 20. Februar 2012

Das Haus der lebenden Leichen (1980)

Ende der 70er/Anfang der 80er erlebte der Horrorfilm seine bis dato kommerziell größte Erfolgswelle. Slasherfilme stapelten sich in den Kinos, und neben den großen Studios wurden auch zahllose unabhängige, billige Streifen eilig produziert, um auf den Zug aufzuspringen. DAS HAUS DER LEBENDEN LEICHEN (Don't Go in the House) ist so ein preisgünstiger Schnellschuss, der sich offensichtlich "Psycho" (1960) zum Vorbild genommen hat. Diese schmuddelige Geschichte eines Serienkillers aber hat mehr zu bieten als viele zeitgleich entstandene Hochglanz-Schocker.

Im Zentrum des Films steht der junge Donny (Dan Grimaldi), der als Kind von seiner Mutti gefoltert wurde und nun in einer Verbrennungsanlage arbeitet - was sein Kindheitstrauma nur verstärkt, denn Mama hat ihren Spross früher über der offenen Gasflamme gequält, wenn er sich ungebührlich verhalten hat. Als Donny bei der Arbeit einen schweren Unfall mitansieht und zu Hause seine Mutter tot im Sessel findet, dreht er komplett durch. Er verwandelt ein Zimmer des Elternhauses in eine private Verbrennungsanlage, entführt junge Frauen und verbrennt sie bei lebendigem Leib. Die Leichen versammelt er im Obergeschoss und spricht mit ihnen. Als Donnys Arbeitskollegen seinen Greueltaten auf die Spur kommen, ist er bereits zu spät...

Die Vorbilder sind offenkundig bei dieser Schauermär, wobei Regisseur Joseph Ellison ganze Einstellungen aus "Psycho" kopiert. Da aber von Anfang an klar ist, wer die Morde begeht und er eher ein Psychogramm des Täters entwirft, steht DAS HAUS DER LEBENDEN LEICHEN inhaltlich Filmen wie "Peeping Tom" (1960), oder auch Slasher-Beiträgen wie "Maniac" (1980) wesentlich näher. Hauptdarsteller Dan Grimaldi spielt diesen netten Psychopathen von nebenan sehr zurückhaltend als schüchternen jungen Mann, der so einfach an Frauen kommt, weil sie keine Angst vor ihm haben (obgleich sie es müssten). Sein Auftreten ist etwas merkwürdig, aber stets freundlich und höflich. Umso grausamer sind seine Taten. Der erste Mord an einer Blumenverkäuferin ist dann auch ein echter Schocker, weil man bis zu diesem Zeitpunkt nicht weiß, worauf der Film hinauswill, bzw. was Donny mit seiner seltsamen Metallkammer eigentlich vorhat. Der Anblick einer verbrennenden, kreischenden Frau dürfte dann auch hartgesottenen Zuschauern eine Gänsehaut über den Rücken jagen. Der Vorwurf der Frauenfeindlichkeit trifft nur bedingt zu, da hier als Cutterin und Co-Autorin interesanterweise Frauen am Werk waren (Jane Kurson und Ellen Hammill).

Nach dem detaillierten ersten Mord verzichtet Joseph Ellison auf weitere Gewaltdarstellungen, weil diese Sequenz genügt, um die Erwartungen hoch zu halten, auch damit folgt er Hitchcocks Prinzip aus "Psycho". Er begnügt sich mit makaberen Einfällen, wie den verkohlten Leichen, die fröhlich beieinander sitzen - was schlimmer klingt als es aussieht, denn die Masken sind deutlich als solche erkennbar. Die im deutschen Titel angekündigten "lebenden Leichen" kommen erst gegen Ende, wenn der komplett durchgeknallte Donny sich im Wahn von den ermordeten Frauen verfolgt sieht. Auch hier sind die Parallelen zu "Maniac" erstaunlich.

Interessant ist der Schluss des Films. Nachdem die Haupthandlung abgeschlossen ist, sehen wir einen uns fremden kleinen Jungen, der von seiner Mutter verprügelt wird und im Anschluss die gleichen Stimmen in seinem Kopf hört wie Donny. Damit erzählt Joseph Ellison eine deutliche Gewaltspirale von Opfern, die durch Misshandlung zu Tätern werden, so wie es "Peeping Tom" oder David Cronenbergs "Die Brut" (1979) vorgemacht haben. Das gelingt ihm zwar mit zugegeben simplen Mitteln, doch ist diese psychologische Beobachtung schon mehr als man in vielen vergleichbaren Schockern findet. Während der Hollywood-Mainstream der 80er unter Führung von Regisseuren wie Steven Spielberg und unter dem politischen Auge eines Ronald Reagan die Familie als heiligen Ort der Zuflucht und des Schutzes gefeiert hat, schilderte der unabhängige Horrorfilm selbige oft genug als Hort des Bösen.

DAS HAUS DER LEBENDEN LEICHEN ist ein schlichter Psycho-Schocker, der trotz seines Sleaze-Faktors gut gespielt und mit Tempo inszeniert ist. Er ist erstaunlich gut gealtert und kann heute noch das eine oder andere Frösteln erzeugen. In Großbritannien landete er seinerzeit schnell auf der DPP-Liste der 'Video Nasties'. Bei uns wurde er nicht aus dem Verkehr gezogen, erschien aber nur gekürzt auf Video. Mittlerweile ist er ungeschnitten auf DVD zu bewundern.

08/10

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