Sonntag, 5. Februar 2012

The Boogeyman 2 (1983)

Nach dem unerwarteten Erfolg von "The Boogeyman" (1981) wurde der Ruf nach einer Fortsetzung zwangsläufig laut. Ulli Lommel, der sich selbst immer mehr als Arthouse-Regisseur betrachtete, hatte absolut keine Lust auf ein Sequel und weigerte sich, kommerziellen Ausverkauf seiner künstlerischen Integrität zu betreiben (von der - wenn wir ehrlich sind - im ersten Teil auch nicht viel zu merken ist). Er gab schließlich dem Druck der Geldgeber nach, unter der Bedingung, dass er die vollständige Kontrolle über THE BOOGEYMAN 2 (The Boogeyman 2) haben durfte. Die bekam er auch und nutzte sie für ein gnadenloses Anti-Sequel, das die (wenigen) Zuschauer und Kritiker sprachlos machte und die Geldgeber in Wut versetzte.

Die Handlung von THE BOOGEYMAN 2 ist schnell erzählt. Lacey (wieder Suzanna Love), die Überlebende aus Teil 1, ist inzwischen bei einer Freundin in Hollywood untergekommen, deren Ehemann (Lommel selbst) als Regisseur arbeitet. Beim Abendessen erzählt Lacey noch einmal die Ereignisse aus "The Boogeyman", was dazu führt, dass 60% der Lauflänge von THE BOOGEYMAN 2 in Rückblenden aus dem Original bestehen. Gut für die, die den ersten Teil nicht gesehen haben, sie bekommen alle Highlights so noch einmal serviert. Wer den Vorgänger kennt, traut seinen Augen nicht und kann nur noch vorspulen. Der Rest des Sequels spielt während einer Party, die zu Laceys Ehren gegeben wird, und auf der sich alle möglichen Irren aus der Filmindustrie herumtreiben, die vom neu auferstandenen Boogeyman um die Ecke gebracht werden - auf originelle Weise. Zumindest ist THE BOOGEYMAN 2 der einzige Horrorfilm, den ich kenne, in dem Charaktere mit elektrischen Zahnbürsten und Korkenziehern ins Jenseits befördert werden.

So macht sich Ulli Lommel dann gnadenlos lustig über den kommerziellen Filmbetrieb, indem er lediglich zum vorhandenen Material des Vorgängers ein paar neue Szenen inszeniert (bzw. inszenieren lässt, denn als Regisseur wird Bruce Starr, Regieassistent früherer Lommel-Werke, genannt) und sich selbst in einer Hauptrolle den Habitus eines missverstandenen Kunstregisseurs verpasst, der stets zu mehr Sex und Gewalt in seinem aktuellen Film genötigt wird, während seine Poolgäste "Hollywood Babylon" lesen oder über Brian de Palmas Flop "Blow Out" (1981) herziehen. 'Abgerundet' wird das absurde Spektakel in der deutschen Fassung noch von einer grauenerregenden 80er-Synchro, die offenbar von Laien in einer Garage aufgenommen wurde, oder vom Boogeyman selbst ("Echt voll ätzend, ey!").

Spannung kommt so natürlich nicht auf und soll auch nicht. In der Internet Movie Database kommt THE BOOGEYMAN 2 auf einen sensationellen Rating-Wert von 1.8/10. Eine positive Kritik findet man auch nach langem Suchen nicht. Lommels Werk erlitt hierzulande (und in Großbritannien) ohnehin ein eher trauriges Schicksal. Die bloße Aneinanderreihung von Mordsequenzen ohne Handlung rief nämlich schnell die Zensurbehörden auf den Plan, die THE BOOGEYMAN 2 gleich nach Erscheinen (auf Video, ins Kino kam der Film gar nicht erst) beschlagnahmten. Ohne diesen Beschluss wäre Lommels Genrebeitrag wahrscheinlich vollends in der Versenkung verschwunden. So erlangte er wenigstens noch ein bisschen Aufmerksamkeit.

Doch damit ist die Geschichte noch nicht beendet. Zehn Jahre nach Erscheinen des Films entschloss sich Lommel, eine 'Redux'-Version von THE BOOGEYMAN 2 zu veröffentlichen. In dieser Fassung sieht man nun zu ca. 90% Szenen des Original-"Boogeyman", dazu die Morde aus Teil 2 im Schnelldurchlauf, sowie neu gedrehte Szenen mit dem Regisseur himself, der wegen der Morde des Boogeymans verhaftet wurde und dem Zuschauer erzählt, warum er kein Sequel drehen wollte. Hier spielt Lommel einmal mehr den gepeinigten Arthouse-Menschen, der doch nur in Ruhe gelassen werden will. Man muss es ihm lassen, Chuzpe hat er. Lommel ist seit den 80ern gut im Geschäft (zumindest im Direct-to-Video-Geschäft), auch wenn sein Name stets in einem Atemzug mit Regisseuren wie Ed Wood jr. und Uwe Boll genannt wird. Damit kann er wahrscheinlich leben. Lommel dreht, was er will und wie er will, das muss ihm erst mal einer nachmachen.

Als Horrorfilm ist THE BOOGEYMAN 2 eine Frechheit. Als Beispiel für subversives Anti-Kino ist er zwar bei weitem nicht intelligent genug, aber immerhin einen Blick wert, wenn man gerade zu viel Zeit hat. Selten wurde das Sequel eines kassenträchtigen Films so uncharmant auf die Leinwand gerotzt. Seine Botschaft ist klar: wer "The Boogeyman" toll fand, soll ihn sich gefälligst noch einmal ansehen. Wer unbedingt eine Fortsetzung will, soll zur Hölle fahren. Hat was.

02/10

Kommentare:

  1. coole Sau, der Lommel! den Film gucken muss ich dann ja nicht... ;-)

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  2. Nein, den muss man nicht wirklich gesehen haben. :-) Liebe Grüße!

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