Freitag, 3. Februar 2012

The Boogeyman (1981)

In der Geschichte des Horrorfilms gab es etliche gute Beiträge, die leider zur falschen Zeit ins Kino kamen oder schlichtweg vom Publikum übersehen wurden. Für jedes dieser unentdeckten Juwele gibt es aber einen THE BOOGEYMAN (The Boogeyman), der offensichtlich das Glück hatte, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Ulli Lommels Mischung aus Slasherfilm und Okkult-Horror war ein Überraschungserfolg an den Kinokassen, der in keinem Verhältnis zu seinen tatsächlichen Qualitäten steht. Nun gönne ich Ulli Lommel, dem langjährigen Mitglied der Fassbinder-Gruppe, der mit "Die Zärtlichkeit der Wölfe" (1973) eine hervorragende Regie-Arbeit vorlegte, jeden Erfolg, egal ob gerechtfertigt oder nicht.

THE BOOGEYMAN erzählt von den Geschwistern Willy (Nicholas Love) und Lacey (Suzanna Love, Lommels Ehefrau), die als Kinder ihre Mutter bei unzüchtigen Sexspielen beobachtet haben und sich einer brutalen Bestrafung nur entziehen konnten, indem Lacey den Liebhaber der Mama erstach. Heute lebt Lacey mit ihrem kleinen Sohn bei Onkel und Tante auf einer Farm. Der neurotische Bruder, der seit der damaligen Schreckenstat kein Wort gesprochen hat, wohnt ebenfalls in der ländlichen Idylle. Als Lacey auf Anraten ihres Psychiaters das alte Haus besucht, in welchem sie zur Mörderin wurde, zerstört sie in Panik einen Spiegel, der offenbar seit jener verhängnisvollen Nacht verhext ist. Die Splitter des kaputten Spiegels entwickeln ein mörderisches Eigenleben und sorgen dafür, dass jeder, der in ihre Nähe kommt oder von einer Reflexion getroffen wird, ein grauenvolles Ende findet...

Das hätte eine gute Geschichte werden können, in der sich viele Elemente erfolgreicher Horrorfilme verbergen - was hübscher klingt als "zusammengeklautes Gebräu verschiedenster Genre-Zutaten". Letztendlich ist es aber genau das, denn die einzelnen Teile werden nie zu einem befriedigenden Ganzen. Dazu ist THE BOOGEYMAN zu billig, zu schundig und zu schlecht gespielt und inszeniert. Man fragt sich, was das damalige Publikum so sehr erregt haben mag. Der deutsche Verleih überschlug sich geradezu mit großmäuligen Berichten über angebliche Schlangen begeisterter Zuschauern, die sich um US-Kinos herum gebildet hatten.

Heute kann THE BOOGEYMAN nur noch mit ein paar blutigen Einfällen überzeugen, die in schöner Regelmäßigkeit über den Film verteilt sind - so wie die "Omen"-Reihe es vorgab, die zweifellos Pate stand. Einige der Mordsequenzen sind leidlich sehenswert (für das heterosexuelle Pubertäts-Publikum gibt es zum Kunstblut noch pralle, nackte Brüste zu bestaunen), andere hingegen so lächerlich, dass man nicht mehr weiß, ob man den Film auslachen oder abschalten soll. Das 'Highlight' ist ein Mord per Schaschlik-Spieß, der dem Begriff "Todeskuss" eine ganz neue Bedeutung verleiht.

Mit "Die Zärtlichkeit der Wölfe" hat Lommel das düstere, faszinierende Porträt eines wahnsinnigen Serienmörders gezeichnet, das gleichzeitig als intensive Zeit - und Gesellschaftsstudie funktionierte. THE BOOGEYMAN ist nichts anderes als plumpes Trash-Kino - ein Versuch, auf den davonbrausenden Slasher-Zug aufzuspringen und ein paar Kröten zu verdienen mit Ideen, die zuvor schon andere hatten. Wie gesagt, es sei Lommel von Herzen gegönnt, der sich eine kleine Freude machte und Horror-Ikone John Carradine in einer kleinen (und leider nichtssagenden) Rolle besetzte. Der Erfolg des Films führte unausweichlich zu einer Fortsetzung, und die hat es in der Tat in sich. Aber dazu später.

04/10

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