Dienstag, 7. Februar 2012

Blutiger Sommer - Das Camp des Grauens (1983)

"Liebe Mama, lieber Paps, jetzt bin ich schon fast drei Wochen hier im Ferienlager. Ich hab' solche Angst. Holt mich bitte hier raus - schnell!!"

Wer hat da nicht gelacht, als er in den 80ern das Cover in der Videothek entdeckte, mit dem aufgespießten, blutigen Turnschuh und dem verzweifelten Brief an Mama und Paps (ja, richtig, 'Paps' - das waren die 80er!) nach Hause.
Nicht nur deswegen war BLUTIGER SOMMER - DAS CAMP DES GRAUENS (Sleepaway Camp) ein Renner auf Video, auch wenn die Enttäuschung bei den meisten Fans groß war, denn die Verleihfassung war deftig um sämtliche Splattereinlagen gekürzt worden. Statt blutiger Turnschuhe gab es nichts, was die Aufregung wert gewesen wäre. Das heißt, fast nichts, denn eines gelingt diesem Slasher-Trash hervorragend, und das ist die Schluss-Pointe, mit der niemand rechnet, und die niemand vergisst, der den Film gesehen hat. Versprochen. Diese groteske Wendung am Ende hat dem Film eine ordentliche Mundpropaganda beschert und ihm zu einem bescheidenen Erfolg verholfen, der immerhin mehrere Sequels nach sich zog.

BLUTIGER SOMMER erzählt von der schüchternen, jungen Angela (Felissa Rose), deren Vater und kleiner Bruder bei einem Bootsausflug tragisch ums Leben kamen, und die nun bei einer etwas derangierten Tante (Desiree Gould mit einer Over-The-Top-Darstellung, bei der die Zähne schmerzen) aufwächst. Gemeinsam mit ihrem Cousin wird sie ins Jugendcamp geschickt, wo sich gleich alle über die scheue und stumme Angela lustig machen. Doch jeder, der Angela verspottet, wird blutig ins Jenseits befördert, mit Hornissennestern in Toilettenkabinen oder auf andere makabere Art und Weise. Steckt Angela selbst dahinter, oder hat sie womöglich einen geheimnisvollen Beschützer?

Hm, Teenager im Ferienlager am See werden von einem irren Killer dezimiert, hatten wir das nicht schon einmal? Ja, hatten wir, und ein Ausflug in das Camp des Grauens beweist erst, wie gut "Freitag der 13." (1980) wirklich war, von dem dieser Abklatsch so ziemlich alles, inklusive Setting, klaut. Atmosphäre oder Spannung sucht man hier vergebens, dafür schraubt Regisseur Robert Hiltzik das Geschmacksniveau kräftig herunter. So darf man gleich bei der Ankunft Angelas im Jugendcamp einen notgeilen, fetten Koch bestaunen, der die minderjährigen Mädchen lüstern anglotzt und erklärt, es gäbe bei Sex kein "zu jung". Da möchte man doch gleich über den Couchtisch kotzen. Später öffnet dieser sympathische Zeitgenosse auch gleich noch den Gürtel, als er mit Angela alleine in der Vorratskammer ist, und bekommt etwas später dafür einen Topf kochenden Wassers über den Schädel, was nette Brandblasen verursacht. Der Slasher-Film war selten sleazier.

Die übrigen Mordszenen sind durchaus kreativ, wobei besonders der unangenehme Tod der Camp-Oberzicke erwähnt werden muss, die außerhalb des Bildes mit ihrem eigenen Lockenstab malträtiert wird. Und wir wissen nicht, wie genau. Wir möchten uns das auch wirklich nicht vorstellen, was man mit einem Lockenstab alles anfangen kann...
Zwischen den Splatterszenen herrscht allerdings ermüdender Leerlauf mit einem immer gleichen Ablauf. Angela wird gequält, beleidigt oder ausgelacht, prompt schleicht der Mörder ums Camp. Die Schauspieler sind allesamt aus der untersten Schublade, visuell gibt der Film gleich gar nichts her, und es fällt auf, dass sämtliche Kerle in bauchnabelfreien Tops herumlaufen (Ach, die 80er), ständig mit den Bizeps spielen, die abgerissenen Jeanshosen runterlassen und sich nackig in den See stürzen, während die weiblichen Campaufseherinnen zumeist zickig und züchtig bleiben.

Bleibt zu sagen, dass die überraschende Auflösung natürlich bei Hitchcock abgeschaut ist, oder - um ganz genau zu sein - bei William Castle, der sowieso alles bei Hitchcock abgeschaut hat, und für alle, denen das zu subtil ist, gibt es noch einen Duschmord obendrauf. Ansonsten hat BLUTIGER SOMMER aber so viel mit Hitchcock gemein wie Daniela Katzenberger mit Marilyn Monroe. BLUTIGER SOMMER ist vom ersten Bild an billiger Schund. Das war das Schöne am Kino, bevor in den 90ern die technischen Standards so erhöht wurden, dass man Schund nicht mehr auf den ersten Blick erkennen konnte (was sich bis heute nicht geändert hat. Auch der übelste Direct-to-Video-Schrott kann zumeist anständige Production Values vorweisen).
Hier weiß man gleich, was man hat. Einen "Freitag der 13." für Arme, der nur durch seine unvergessliche Pointe für Furore gesorgt hat.

04/10

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