Sonntag, 8. Januar 2012

Zimmer 1408 (2007)

Im Zimmer 1408 des Dolphin Hotels in New York spukt es. Sagt man. Das will Mike Enslin (John Cusack), Autor von Spukhaus-Führern, ganz genau wissen, denn nach all den Übernachtungen in angeblichen Geistergemäuern ist ihm nie ein übersinnliches Phänomen begegnet. Der Hotelmanager (Samuel L. Jackson) des Dolphin warnt ihn eindringlich davor, die Nacht im Zimmer 1408 zu verbringen, da dort bereits 56 Leute zu Tode kamen, aber Mike besteht darauf. Schnell merkt er, dass es in 1408 tatsächlich nicht mit rechten Dingen zugeht. Oder bildet er sich das alles nur ein?

Der Schwede Mikael Håfström inszenierte ZIMMER 1408 (1408) nach einer Kurzgeschichte von Stephen King, der seit "The Shining" (1980), auf den der Regisseur mehrfach anspielt, Erfahrung mit Spukhotels hat. Während die Torture Porn-Welle für volle Kassen sorgt, lässt Håfström seinen Grusel langsam angehen, entwirft zunächst mit der Figur des Zynikers Mike Enslin einen interessanten Protagonisten und lässt das Grauen nach und nach über ihn hereinbrechen. Die Spezialeffekte werden anfangs nur sparsam eingesetzt, was zur Wirkung der Schauergeschichte beiträgt. Der Horror im Zimmer 1408 entsteht lediglich aus alltäglichen Details. Ein Radiowecker spielt immer dasselbe Lied, eine Toilettenpapierrolle ist immer frisch gefaltet, obwohl weit und breit kein Zimmermädchen zu sehen war, die Klimaanlage regelt sich selbst. Wenn der Zimmerwecker seinen Countdown startet und von 60 Minuten herunterzählt (an deren Ende Cusacks Filmtod geschehen soll, wenn es nach den Regeln des Zimmers geht), bleiben dem Film ebenfalls genau noch 60 Minuten Laufzeit.

Der Schlüssel zum Gelingen dieses schleichenden Grauens ist die lange Dialogszene zwischen John Cusack und Samuel L. Jackson vor Enslins Einzug, in der so viele Erwartungen geweckt werden, dass man atemlos zusieht, wie sich der Terror entwickelt. Diese Szene ist nicht nur brillant von beiden Darstellern gespielt, sondern entscheidend wichtig für den gesamten Film. Alles, was danach kommt, wird durch diese Szene gespeist.
Der zweite entscheidende Punkt, der ZIMMER 1408 als Horrorfilm guter Schule ausmacht, ist die Tatsache, dass der Film an der Oberfläche zwar von einem Spukhotel handelt, in Wahrheit aber etwas ganz anderes erzählt, nämlich die Selbstfindung eines durch Trauer und Verlust gezeichneten Menschen, der anhand der Ereignisse ein persönliches Trauma verarbeiten und (womöglich) loslassen kann. Der Spuk dient lediglich als Katalysator. Erst nach und nach erfahren wir, was es mit unserem Protagonisten wirklich auf sich hat, und ob die Erlebnisse in 1408 für ihn (und uns) real sind. Diese Art, eine emotionale Geschichte mit den Mitteln des Horrorfilms zu erzählen und sie dadurch zu bereichern, wird leider viel zu selten genutzt. Robert Wise macht es in "The Haunting" (1963) vor, dessen Vorlage zu Stephen Kings Lieblingsbüchern zählt.

Leider verlässt sich Regisseur Håfström nicht ganz auf seine Fähigkeit, subtilen Grusel zu inszenieren (oder er wurde dazu genötigt, um das junge Zielpublikum nicht ganz aus den Augen zu verlieren), weswegen im letzten Drittel sowohl die Spezialeffekte etwas Überhand nehmen und mindestens eine überraschende Wendung zu viel kommt. Zudem findet er kein wirklich befriedigendes Ende für seine Geschichte (das auf der DVD enthaltene, alternative Ende ist auch nicht besser). Das schmälert den positiven Gesamteindruck aber nur minimal. In seinen besten Szenen erreicht er meisterhafte Vorbilder wie den "Mieter" (1976) oder "Wenn die Gondeln Trauer tragen" (1973). Wenn John Cusack im Haus gegenüber eine Gestalt sieht und um Hilfe winkt, bevor er erkennt, dass er sich selbst sieht (Polanski lässt grüßen), woraufhin er von einer Horror-Gestalt im eigenen Zimmer angegriffen wird, braucht man auch als Genre-erprobter Zuschauer starke Nerven.
Hier muss noch einmal John Cusack gelobt werden, der 90 % des Films alleine agiert. Dafür braucht man eine starke Präsenz, damit das Publikum mitgeht. Cusack spielt nicht nur überzeugend eine ganze Palette von Emotionen (von spöttischer Ablehnung über Neugier bis zu panischer Angst und tiefer Trauer), er baut stets auch feinen Humor in seine Darstellung ein, damit der Ein-Mann-Psychoterror nie zu deprimierend wird.

Überflüssig zu bemerken, dass viele der "Hostel"- und "Saw"-Fans den Film altmodisch und langweilig fanden. Trotzdem war er einer der finanziell erfolgreichsten King-Verfilmungen aller Zeiten. Für mich bleibt ZIMMER 1408 wegen des sorgfältigen Spannungsaufbaus und der vielen guten Einfälle einer der besseren Horrorfilme der letzten zehn Jahre.

8.5/10

Noch 60 Minuten - John Cusack in "1408"


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