Samstag, 14. Januar 2012

Macabre (1958)

Der Kleinstadtarzt Rodney Barret (William Prince) läuft nachts mit seiner Sprechstundenhilfe (Jacqueline Scott) über einen nebligen Friedhof, um seine kleine Tochter zu finden, die von einem Unbekannten entführt und lebendig begraben wurde. Nur wenige Stunden Zeit bleiben Barret, um sie zu finden, bevor sie erstickt. Der örtliche Sheriff (Jim Backus) ist auch keine Hilfe, denn der hält Barret für schuldig am Tod von dessen Ehefrau und deren blinder Schwester. Wer spielt ein hinterhältiges Spiel mit Barret? Oder steckt er selbst hinter den mysteriösen Ereignissen? Eine Beerdigung bringt es schließlich an den Tag...

Gimmick-Meister William Castle verpfändete sein Haus, um MACABRE (Macabre), seinen ersten Spielfilm und Ausflug ins Gruselgenre, unabhängig zu produzieren. Noch war Hitchcocks "Psycho" (1960) nicht erschienen, dessen Erfolg er später unermüdlich zu kopieren versuchte. In MACABRE nimmt er sich stattdessen Clouzots "Die Teuflischen" (1955) zum Vorbild. So ist dann auch der Plot weniger dem Horror- als dem Thrillergenre zuzurechnen (was übrigens - streng genommen - auch auf "Psycho" zutrifft). Trotzdem verbreitet er mit seiner Nebelmaschine und den makaberen Schauplätzen (Friedhof, Bestattungsinstitut) viel billige Gothic-Atmosphäre, um die Nerven seines Publikums zu strapazieren.

Für die Vermarktung von MACABRE setzte Castle seinen ersten Gimmick ein, der gleich wie eine Bombe einschlug. Die Zuschauer wurden bei jeder Vorstellung mit 1000 Dollar für den Tod durch nackte Angst ("Death of Fright") versichert - ausgenommen Herzkranke und Menschen, die in selbstmörderischer Absicht ins Kino gekommen sind, wie ein Sprecher zu Beginn des Films erklärt. Selbstverständlich wurde diese Versicherung nie in Anspruch genommen. Nicht nur, weil das Ganze ohnehin nur ein Gag war, sondern auch, weil es in MACABRE eigentlich keine Momente gibt, die jemanden zu Tode erschrecken könnten (anders als bei Clouzot). Der heftigste 'Schocker' ist eine blutüberströmte Leiche, die in einer Gruft in der Ecke steht, was die Hauptdarstellerin zu einem zünftigen Kreischanfall veranlasst.

Ansonsten ist MACABRE eher nett-unterhaltsam und leidlich spannend durch den Timelock, der zu Beginn gesetzt wird. Leider sehen wir weder das Kind vor seiner Entführung, noch hören wir das Telefonat, in dem der Täter diese verkündet. Da beides nur im Off geschieht, hält sich das Mitzittern stark in Grenzen. Um die Hintergründe der Geschichte zu erläutern, baut Castle zudem an mehreren Stellen ausführliche Rückblenden ein, die das Fortschreiten des Plots verzögern. Glücklicherweise nimmt sich MACABRE selbst nicht sonderlich ernst und gibt nie vor, mehr zu sein, als er ist. Das macht alle Filme Castles so sympathisch. Hier soll der Zuschauer sich 70 Minuten lang hübsch unterhalten und ein bisschen gruseln, und als Belohnung gibt es am Ende eine überraschende Wendung, die beim zweiten Sehen nicht sonderlich viel Sinn ergibt. Für einen echten Thriller aus Castles Hand sollte es noch ein paar Jahre (und Hitchcock) brauchen, aber der Regisseur stand hier auch erst am Anfang seiner Showman-Karriere.

MACABRE ist kürzlich in einer sehr schönen DVD-Edition erschienen, die ich ausdrücklich empfehlen möchte. Neben dem Film in der 16:9-Version, der alten Vollbild-Kinofassung und der Super 8-Version enthält sie eine weitere DVD mit der sehenswerten, 80-minütigen Dokumentation "Spine Tingler! The William Castle-Story" aus dem Jahr 2007.

07/10

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