Mittwoch, 25. Januar 2012

Hysteria (1965)

Und hier haben wir noch einen Beitrag aus der Psycho-Horror-Ecke der Hammer-Studios. Freddie Francis, der für Hammer schon "Haus des Grauens" (1963) und "Der Satan mit den langen Wimpern" (1964) inszenierte, legte mit HYSTERIA den Abschluss seiner Trilogie vor, für den Hitchcock deutlich Pate stand. Das Drehbuch stammt wie üblich vom versierten Jimmy Sangster, der hier einen straff konstruierten und wendungsreichen Thriller schrieb. HYSTERIA floppte an den Kinokassen und ist heute fast völlig in Vergessenheit geraten. In Deutschland wurde er nie gezeigt.

Robert Webber spielt in HYSTERIA einen Amerikaner, der plötzlich in einem Londoner Krankenhaus aufwacht, nachdem er einen Autounfall überlebte. Er kann sich weder erinnern, was er in England macht, noch wer er eigentlich ist. Ein Unbekannter bezahlt seine Krankenhausrechnung und hat ihm ein luxuriöses Apartment im obersten Stockwerk eines hohen Gebäudes eingerichtet. Wer dieser Gönner ist, niemand weiß es. Nachts hört Webber ein Paar in der Wohnung nebenan streiten, doch diese steht leer. Dann wird er Ohrenzeuge eines Mordes. Ein Privatdetektiv, den er einschaltet, kommt auch nicht hinter das Geheimnis. Eine mysteriöse Schönheit (Lelia Goldoni) scheint der Schlüssel zu sein. Will man unseren Helden in den Wahnsinn treiben, oder soll er für eine raffinierte Intrige benutzt werden? Finden Sie es heraus!

Wobei, einfach zu finden ist HYSTERIA weißgott nicht, dank seines obskuren Status'. Dennoch gefällt mir dieser Thriller weitaus besser als andere Hammer-Filme ähnlicher Machart, etwa der ereignislose "Maniac" (1963). Das liegt einerseits an Robert Webber, der eine gute Leistung als verwirrter Protagonist zeigt, zum anderen ist Freddie Francis ein erfahrener Regisseur und kann trotz geringen Budgets einiges aus dem Stoff herausholen und das Tempo anziehen. Vor allem ist es aber Sangsters durchdachtes Buch, das Spaß macht und genug Fragen aufwirft, auf deren Beantwortung man gespannt wartet. Wer hinter dieser "Treiben wir den labilen Mann in den Wahnsinn"-Nummer steckt, ist schnell klar, denn es gibt eigentlich nur einen Verdächtigen, der es besonders 'gut' mit Webber meint, und das ist in den meisten Fällen der Täter.

Bis zur Auflösung gibt es einige klare Hitchcock-Anspielungen wie das Fleischermesser vor laufender Dusche, den etwas schmierigen Privatdetektiv und eine unerwartete Rückblende, in der die Ereignisse vor Webbers Krankenhausaufenthalt geschildert werden. Einzig störend ist die jazzige Filmmusik, die nicht zu dieser Art Thriller passt und zu sehr noir sein möchte. Sie trägt die Hauptschuld daran, dass HYSTERIA nicht gut gealtert ist und heute einen mehr als angestaubten Eindruck macht. Ein Bernard Herrmann hätte da Wunder gewirkt, aber den muss man sich auch leisten können (und wollen).
Alles in allem ist HYSTERIA ein unterhaltsamer Thriller, der sich nicht um Charaktere oder Glaubwürdigkeit bemüht, sondern sich nur um das Funktionieren der Story kümmert. Das gelingt ihm ziemlich gut. Pflichtprogramm würde ich ihn aber nicht nennen, und Francis' erste Beiträge seiner "Psycho"-Trilogie sind eindeutig sehenswerter.

07/10

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