Dienstag, 24. Januar 2012

Die Ausgekochten (1963)

Neben den klassischen Gruselstoffen wie "Dracula" und "Frankenstein" versuchten sich die britischen Hammer-Studios Anfang der 60er auch an zeitgenössischen Psycho-Thrillern mit Horror-Touch im Stil von Hitchcocks "Psycho" (1960) und Clouzots "Die Teuflischen" (1955). Zu den erfolgreichsten Beiträgen dieser Reihe zählen der wundervolle "Ein Toter spielt Klavier" (1961) und "Haus des Grauens" (1963).
Der kaum bekannte DIE AUSGEKOCHTEN (Maniac) wurde wie so oft von Routinier Jimmy Sangster verfasst, weist aber deutliche Schwächen auf und kann mit den oben genannten Werken trotz einiger Überraschungen nicht mithalten.

Die Handlung spielt in Frankreich, in der ländlichen Gegend der Camargue, wo der amerikanische Schriftsteller Paul (Kerwin Mathews) nach einem Krach mit seiner Freundin in einer Kneipe strandet. Dort freundet er sich zunächst mit der jungen Annette (Liliana Brousse) an, dann beginnt er ein Techtelmechtel mit deren Stiefmutter Eve (Nadia Gray), der die Bar gehört. Eves Ehemann sitzt in einer Nervenheilanstalt, seit er vor Jahren den Vergewaltiger der Tochter mit einem Schneidbrenner ermordete. Eve schlägt Paul vor, den Gatten zu befreien, damit dieser ihr im Gegenzug die Kneipe überschreibt. Paul lässt sich darauf ein, ahnt aber nicht, dass er für einen ganz anderen, teuflischeren Plan missbraucht wird...

Wie üblich darf man in einem Sangster-Script niemandem trauen, und natürlich stellt sich ein raffiniert eingefädelter Plan nur als Finte heraus, um an viel Geld zu kommen und die Unschuldigen dabei über die Klippe springen zu lassen. DIE AUSGEKOCHTEN (bereits der deutsche Titel lässt keinen Zweifel an der Verwandtschaft mit Clouzots Film) beginnt mit einem durchaus packenden Mord, konzentriert sich dann aber über weite Strecken auf die Liebesgeschichte und verzettelt sich darin. Bis der Thriller endlich losgeht, muss sich der Zuschauer über die halbe Laufzeit des Films mit romantischen Szenerien begnügen, die nicht einmal sonderlich gut gespielt sind. Den Darstellern fehlt leider jegliches Charisma, mit Ausnahme des inhaftierten Schneidbrenner-Schwingers, der von Donald Houston mit passend irrem Gehabe interpretiert wird. Warum als Schauplatz ausgerechnet Frankreich gewählt wurde, bleibt unklar. So müssen die britischen Darsteller allesamt mit aufgesetzten Akzenten à la Inspektor Clouseau sprechen. Da vermisst man sowohl eine anständig kreischende Heldin wie Susan Strasberg oder einen furiosen Ränkeschmieder wie Oliver Reed, die in den besseren Hammer-Beiträgen nachdrücklich überzeugt haben. Auch ein Regisseur wie Freddie Francis wäre hilfreich gewesen.

DIE AUSGEKOCHTEN plätschert dahin, bis im letzten Drittel dann die überraschenden Wendungen eintreffen, auf die man schon sehnsüchtig wartet, die aber den Gesamteindruck des Films nur unwesentlich verbessern. Auf Gruseleffekte legt Regisseur Michael Carreras wenig Wert, lediglich Kameramann Wilkie Cooper, der schon Hitchcocks "Die rote Lola" (1950) fotografierte, sorgt für ein paar hübsche Schwarzweiß-Bilder in Cinemascope. Unterm Strich bleibt ein unbefriedigender, kleiner Psycho-Krimi aus der Rubrik "muss man nicht gesehen haben".

05/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...