Donnerstag, 12. Januar 2012

Der unheimliche Gast (1944)

Die Geschwister Roderick (Ray Milland) und Pamela (Ruth Hussey) kaufen spontan ein altes Landhaus, das direkt an der Steilküste Cornwalls steht, und das auch noch zum Schnäppchenpreis. Für den gibt es allerdings einen Grund, wie die beiden bald herausfinden, denn in dem alten Haus spukt es. Nachts hört man unheimliches Weinen, und ein Zimmer mit herrlicher Aussicht wird niemals warm. Blumen verwelken dort in Sekunden. Was ist in diesem Haus passiert, und was hat die schöne Tochter des Verkäufers (Gail Russell) damit zu tun?

DER UNHEIMLICHE GAST (The Uninvited) gehört zu den bliebetesten Klassikern des Geisterfilms. Wer ihn als Kind gesehen hat, wird sich noch an die wohlige Gänsehaut erinnern, die er bereitet hat, mit seinen stimmungsvollen Schwarzweiß-Bildern, den sparsamen, aber gelungenen Trickeffekten (eigentlich nur ein Zeitraffer bei den verwelkenden Blumen und eine neblige Geistererscheinung) und den hervorragenden Schauspielern. Sieht man ihn als Erwachsener, weist er auch ein paar Schwächen auf, etwa einen Hang zum Melodramatischen, die etwas ungeschickten Ausflüge ins Humorfach, und eine Überbetonung der schwülstigen Filmmusik von Victor Young, wo schlichte Stille womöglich effektiver wäre.

Trotzdem kann dieser unheimliche Gast immer noch überzeugen. Er ist sorgfältig ausgestattet und von Lewis Allen (dessen Spielfilmdebüt DER UNHEIMLICHE GAST war) straff inszeniert. Anklänge an Hitchcocks "Rebecca" (1940) sind nicht zufällig und bereichern die Geistergeschichte. Vor allem ist es aber die Kameraarbeit von Charles Lang, die dem Film seine unheimliche Atmosphäre verleiht. Wenn Milland und Hussey nachts mit Kerzen durchs Haus wandern, ist um sie herum nur sattes Schwarz. Was sich in dieser Dunkelheit befindet, das macht die Spannung aus.
Und dann ist da noch die junge, schöne Gail Russell, eine tragische Figur Hollywoods. Sie befand sich noch am Anfang ihrer Karriere und sollte von Paramount zum Star aufgebaut werden. Ihr ausgeprägtes Lampenfieber betäubte sie mit Alkohol, der ihr zum Verhängnis wurde. Sie starb 1961 im Alter von 36 Jahren an den Folgen ihrer Alkoholsucht. Im UNHEIMLICHEN GAST spielt sie Stella, die zerbrechliche Tochter einer Selbstmörderin, die nun im Haus umgeht und ihr Unglück beklagt. Das Wehklagen der toten Mutter zieht Stella immer wieder an die Steilküste, in den Abgrund. Diese düstere Parallele verstärkt noch den Reiz dieses Gruslers, von dessen Art ich mir mehr wünschte. Die Zeit von solch subtilen Geistergeschichten ist aber wegen ihrer Unaufdringlichkeit eindeutig abgelaufen. Umso schöner ist das Wiedersehen mit diesem Juwel meiner Kindheit.

08/10


Da kann man schon mal die Nerven verlieren -
Milland, Russell und Hussey in "The Uninvited"

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