Sonntag, 1. Januar 2012

Das Dorf der Verdammten (1960)

Beginnen wir das neue Jahr mit einem meiner Lieblings-Klassiker: DAS DORF DER VERDAMMTEN (Village of the Damned) von 1960.

Um 11:oo Uhr Ortszeit fallen alle Bewohner des britischen Dorfes Midwich in einen geheimnisvollen Schlaf, aus dem sie nach mehreren Stunden erwachen. Nichts scheint passiert, doch kurz darauf stellt sich heraus, dass insgesamt zwölf Frauen des Dorfes schwanger sind. Sie bringen hyperintelligente Kinder mit weißblonden Haaren zur Welt, die den Erwachsenen in jeder Beziehung überlegen sind und sich gegen Angriffe effektiv zur Wehr setzen können. Planen Außerirdische die Machtübernahme der Erde? Bevor die Regierung sich entscheidet, die gesamte Stadt auszulöschen, nimmt der Physiker Zellaby (George Sanders) - einer der 'Väter' der Kinder - deren Schicksal und das des Dorfes selbst in die Hand...

Wolf Rilla inszenierte diesen Klassiker des phantastischen Films, der eine originelle Grundidee brillant umsetzt. Wenn ich es mir recht überlege, trifft das auf alle meine Lieblingsfilme zu und ist genau das Kriterium, das für mich einen überzeugenden Film ausmacht. Der Einfall, das Böse in der Gestalt unschuldiger Kinder auf die Bewohner des friedlichen Städtchens loszulassen, ist für die damalige Zeit höchst brisant. Kein Wunder, dass ihn zunächst niemand machen wollte. Dazu berührt er noch Themen wie jungfräuliche Empfängnis (auch die Jungfrauen im Dorf werden schwanger), was ihm zeitgenössische konservative Kritiker mehr als übel nahmen.

In erster Linie aber ist DAS DORF DER VERDAMMTEN ein grandioser Thriller, der mit einem Hammer beginnt (Hauptdarsteller Sanders geht zum Telefon und fällt in den Tiefschlaf) und den Zuschauer bis zum Abspann nicht mehr zur Ruhe kommen lässt. Er endet, wie er begonnen hat, mit einem sowohl dramaturgischen als auch buchstäblichen Knall. Das Grauen, das durch die Kinder und ihre glühenden Augen (der einzige Spezialeffekt im gesamten Film) im Dorf Einzug hält, wird von Wolf Rilla in suggestiven Bildern, oft mit verkanteten Kameraperspektiven, eingefangen, und der Regisseur sorgt für exzellente Darstellungen der Kinder. Eines der Gruselbälger wird übrigens von Martin Stephens gespielt, der später im "Schloss des Schreckens" (1961) Deborah Kerr in den Wahnsinn treiben sollte. Wie Wolf Rilla aber in einer frühen Szene ein Kleinkind dazu bringt, eine Puzzlebox auseinanderzunehmen, um die überdurchschnittliche Intelligenz der Brut zu verdeutlichen, das ist schon absolut erstaunlich. Die erwachsenen Darsteller aber sind es, die dem Film das Herz geben. Auf den aristokratischen George Sanders ist ohnehin immer Verlass, und als seine Ehefrau kann die schöne Barbara Shelley begeistern, die kurz zuvor noch Draculas Geliebte war (in "Dracula - Prince of Darkness", 1966).

DAS DORF DER VERDAMMTEN ist in jeder Beziehung ein Must-See für Genre-Fans und so perfekt, dass das überflüssige Remake von John Carpenter (sorry, John) im Jahr 1995 zu Recht gefloppt ist, da es der Originalstory auch nicht einen neuen Aspekt abgewinnen kann. Rillas Film bietet eine hochspannende Geschichte, interessante Charaktere, beunruhigende Subtexte (Wie gehen wir damit um, wenn unsere Kinder uns geistig überlegen sind? Was, wenn sie von uns gar nicht geliebt werden wollen?) und hervorragende Leistungen aller Beteiligter. Eine gewisse Naivität, die dem Film zugrunde liegt, ist der Zeit (und der Story) geschuldet und kann leicht verschmerzt werden.
Wie Wolf Rilla in knapp 75 Minuten Laufzeit ein rundum befriedigendes Filmerlebnis erschafft, daran können sich einige Herren des modernen Action- und Thrillerkinos, deren Lauflängen mittlerweile in absurder Weise ausufern, ein paar Scheiben abschneiden.

10/10

Kommentare:

  1. Wirklich ein super Film - tolle Story und permanent spannend mit einfachsten Mitteln eigentlich. Man beginnt dabei selbst zu überlegen, was man machen würde mit den Kindern und ertappt sich dabei, die Kinder irgendwann insgeheim als 'miese Biester' zu bezeichnen. "Gruselbälger" trifft es aber auch ganz gut. Meines Erachtens streift der STreifen auch das Thema Xenophobie, auch wenn ich es nicht überbewerten würde.

    Jedenfalls ist eines sicher: danach denkt man bei jedem weißblonden, ernst dreinschauenden Kind, das man sieht, sofort an "Das Dorf der Verdammten". Echt krass.

    Übrigens großes Kompliment für deine Rezensionen und überhaupt Danke für diesen Blog. Eine echte Bereicherung fürs Web und Du schreibst super!

    AntwortenLöschen
  2. Vielen herzlichen Dank für das nette Feedback, das versüßt mir doch gleich den Tag! - Ich grusel' mich auch immer vor weißblonden Kindern... hast Du das Remake auch gesehen? Liebe Grüße!

    AntwortenLöschen
  3. Verdient ist verdient :)
    Nein, das Remake habe ich noch nicht gesehen. Sollte ich? Ich bin generell nicht so der Fan von modernen Neuaufgüssen, aber es gibt ja Ausnahmen.

    AntwortenLöschen
  4. Oh nein, den muss man wirklich nicht sehen. Auch als Fan von John Carpenter finde ich, das ist sein vielleicht schwächster Film und vollkommen überflüssig (aber mit Kirstey Alley als böser Wissenschaftlerin - wer's mag). LG!

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...