Donnerstag, 22. Dezember 2011

Shit Year (2010)

Die erfolgreiche Schauspielerin Colleen West (Ellen Barkin) zieht einen Schlussstrich unter ihr SHIT YEAR (Shit Year) und verabschiedet sich von Film und Bühne. Vorher gibt sie noch ein letztes Interview, dann begibt sie sich in die Wildnis, um zu sich selbst zu finden, hat aber prompt mit Lärm, nervigen Nachbarn und Depressionen zu kämpfen.

Nanu, was war das denn?
Das klingt doch eigentlich nach einem sehr spannenden Filmstoff, der die Talente der unterbeschäftigten, wundervollen Ellen Barkin mit einem Klassiker wie "Sunset Boulevard" (1950) kombiniert. Klingt aber nur so.
Vielleicht hätte ich mir vor Genuss des Films SHIT YEAR einen weiteren Film von Cam Archer anschauen sollen, dann wäre ich eventuell vorbereitet gewesen. SHIT YEAR gehört zu einer Art experimentellem Arthouse-Kino, das ich für ausgestorben hielt. In kontrastreichen Schwarz-Weiß-Bildern erzählt Archer weniger eine Geschichte als ein Puzzle mit Fragmenten aus Colleen Wests Leben, Erinnerungen, Träumen, Fantasien. Das Interview, das sie gibt, wird als Szene bruchstückhaft über den Film verteilt, unterbrochen von Impressionen, Stilleben, bedeutungsvollen Blicken und Sätzen wie "Mein Sein ist voller Schmerz", untermalt von einem bizarrem Sounddesign.

SHIT YEAR erinnert in seiner Machart an frühe Underground-Werke wie die Kenneth Angers und wäre in den 60ern hip gewesen, als europäisches Kunstkino wie "Letztes Jahr in Marienbad" (1961) die filmischen Konventionen sprengte und eine neue Form "puren" Kinos etablierte. Heute wirkt ein Film wie SHIT YEAR nicht nur merkwürdig altmodisch, sondern auch ganz schön albern. Was Cam Archer zu erzählen hat, ist nicht sonderlich viel, er gefällt sich lieber im Arrangieren vermeintlich kunstvoller Tableaux, die letztlich doch nur Kunstgewerbe sind. Darüber kann man schmunzeln oder entnervt abschalten. Man fragt sich, für wen SHIT YEAR gemacht ist. "Für Zuschauer, die auch jenseits vom Mainstream noch Experimental-Kino sehen wollen, du Vollidiot!" könnte man mir antworten, und das stimmt wahrscheinlich.

SHIT YEAR ist anstrengend-angestrengtes Kopfkino, das mir möglicherweise vor 20 Jahren gefallen hätte, das mich heute aber nur noch langweilt. Schade um Ellen Barkin, diese großartige Schauspielerin, die von Hollywood fast vergessen wurde, und die hier eine bravouröse Leistung zeigt. Schade auch um ihren hübschen, sehr hübschen Partner Luke Grimes, den man sich gerne ansieht, und der von Cam Archer in klassischen Posen inszeniert wird (und wegen dem der Film in der "Queer Cinema"-Ecke gelandet ist, wo er vielleicht hingehört, vielleicht auch nicht). Trotzdem, mir ist das alles zu gewollt. Berührt hat mich Barkins Schicksal zu keiner Zeit, da kann sie noch so viele Pelzmäntel tragen. Auch wenn einige Bilder durchaus anmutig sind, sie bleiben nicht im Gedächtnis (mit Ausnahme von Barkins grell geschminktem Clownsgesicht). Ich hätte einfach statt einer Foto-Vernissage gern einen Film gesehen.

03/10 (für Ellen Barkin und den hübschen, sehr hübschen Grimes)

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