Donnerstag, 15. Dezember 2011

Ghosts of Mars (2001)

Im Jahr 2176 soll Lt. Belard (Natasha Henstridge) den Schwerverbrecher Williams (Ice Cube) aus dem Gefängnis einer Marskolonie abholen, damit ihm der Prozess gemacht werden kann. Dabei stellt sie fest, dass die Kolonisten von Geistern der ursprünglichen Marsbewohner - die offensichtlich alle einer Punk-Rockband entsprungen sind - beherrscht werden, welche ihren Planeten für sich beanspruchen und gnadenlos Jagd auf die Menschen machen. Zusammen mit ein paar weiteren Gefangenen versuchen Belard und Williams, einen Zug zu erreichen, der sie in Sicherheit bringt...

Sollte die Inhaltsangabe sachliche Fehler enthalten, kann das gut sein, denn der Inhalt hat mich, ehrlich gesagt, nicht sonderlich erregt. Ich musste mir schon bei der kurzen Nacherzählung Streichhöler in die Augen klemmen. Mit den Filmen John Carpenters geht es mir ähnlich wie mit denen Dario Argentos. Der Bonus ist dank wundervoller Filmfreuden meiner Jugend unendlich groß, die Erwartungshaltung seit Jahrzehnten niedrig, die Hoffnung auf ein Comeback riesig, und die Enttäuschung jedesmal enorm.

Machen wir's kurz. John Carpenters GHOSTS OF MARS (Ghosts of Mars) markiert den Tiefpunkt in der Karriere eines Regisseurs, der viele Meisterwerke der Spannung hervorgebracht hat, darunter einige meiner ewigen Lieblingsfilme. Nach dem finanziellen Flop von "The Thing" (1982) aber schien Carpenter die Kreativität abhanden zu kommen. Alle nachfolgenden Werke waren deutlich schwächer, und selbst für die sehenswerteren ("Prince of Darkness", 1987) brauchte man etwas guten Willen. Würde nicht der Name des Regisseurs vor dem Titel auftauchen, wäre GHOSTS OF MARS wahrscheinlich nicht in die Kinos gekommen, sondern gleich auf DVD-Grabbeltischen gelandet. Dieser Science Fiction-Horror-Trash ist nicht einmal charmantes B-Kino, sondern nur absurder Müll, der durch namhafte Darsteller und einen guten Look (auf den man sich bei Carpenter immer verlassen kann) nicht wesentlich aufgewertet wird. Beim ersten Sehen fühlte ich mich noch leidlich unterhalten, auch wenn der Blick bei zunehmender Laufzeit immer mehr zur Uhr wanderte, die Füße unruhig wurden und man sich fragen musste, ob man nicht stattdessen einen guten Film sehen sollte, immerhin ist das Leben doch so kurz.

Dabei trägt der Film eine klare Handschrift. An der Kameraarbeit gibt es nichts zu meckern (Carpenters Filme altern erstaunlich gut, sein 'Mise-en-scène' ist von zeitloser Eleganz), der Plot ist wieder einmal an "Rio Bravo", Carpenters Lieblingsfilm, angelehnt und erzählt von der kleinen Gruppe, die gegen eine Bedrohung von außen kämpfen muss, so wie es der Regisseur virtuos in "Das Ende" (1976), "Das Ding" und "The Fog" (1980) vorgeführt hat. Die Endzeitstimmung der "Klapperschlange" (1981) ist auch irgendwie vorhanden, mit den rotzigen Typen in ihren Lederklamotten (pflegt der Mann womöglich einen Leder-Fetisch?), doch wo sind Witz, Esprit und Spannung hin? Wo sind die kantigen Charaktere, die sympathischen Babysitter, die charismatischen Bankräuber und Anarchisten, die starken Frauen mit Hang zum Sarkasmus, die lakonischen Schwerverbrecher mit dem weichen Herz?

GHOSTS OF MARS wirkt trotz einiger Splatter-Effekte vollkommen blutleer und steril. Die Darsteller sind bekannte Gesichter, spielen aber sämtlich auf Autopilot. Natasha Henstridge ist wie immer eine Augenweide, zeigt aber keinerlei Emotionen, Joanna Cassidy und Pam Grier werden vollkommen verschenkt (immerhin muss Grier hier - anders als im Vorgänger "Flucht aus L.A." - keinen Transsexuellen spielen und darf mit eigener Stimme sprechen), und dass ein ganzer Kerl wie die britische Testosteron-Granate Jason Statham keinen bemerkenswerten Moment im ganzen Film bekommt, das ist geradezu fahrlässig. Die Charaktere sind nur holzschnittartige Gestalten, die durch die roten Marslandschaften rennen, und deren Schicksal einem herzlich wurscht ist. Dass die "Ghosts" dann alle wie Alice Cooper aussehen und ihr Anführer sich wie in einer Provinz-Inszenierung der 'Rocky Horror Picture Show' benimmt, gibt dem Film den Rest. Ohne gute Bösewichter (Michael Myers, The Duke oder 'das Ding') steht ein Thriller leider sehr dumm da - es sei denn, man ist ein genialer Jungregisseur und zeigt die Bösen lediglich als diffuse Bedrohung - siehe "Das Ende". Aber bitte nicht als Muppet-Show! Sogar Carpenters Musik wirkt fade.

Dass die Story als Rückblende erzählt wird, ist nur eine überflüssige dramaturgische Krücke, die wie eine Last Minute-Entscheidung wirkt, um der simplen Geschichte überhaupt so etwas wie Raffinesse zu verleihen, Suspense entsteht dadurch nicht. Der einzig gelungene Moment ist die Schlusseinstellung, in der Ice Cube im Vorbeigehen direkt in die Kamera blickt und dem Publikum scheinbar zuzwinkert. Selbstironie ist immer angebracht, in diesem Fall wäre Galgenhumor der bessere Ausdruck. Der arme Carpenter muss den Film bis zur Fertigstellung x-mal gesehen haben und darüber noch mehr ergraut sein als er ohnehin schon war. Er kann einem Leid tun. GHOSTS OF MARS war ein Flop mit Ansage und hat die meisten Fans des Regisseurs endgültig abgetörnt.

Von den drei zeitnah entstandenen Filmen "Mission to Mars" (2001), "Red Planet" (2001) und GHOSTS OF MARS ist Carpenters Werk sogar noch das unterhaltsamste, weil es sich am wenigsten ernst nimmt, auch wenn das nicht viel heißt. Zumindest muss man keine digitalen Marsmännchen mit Kullertränen ertragen, die einem die Evolution erklären. Sie wissen schon, wer gemeint ist. Im letzten Jahr hat John Carpenter mit "The Ward" (2010) nach neun Jahren einen neuen Film gedreht. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

03/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...