Samstag, 10. Dezember 2011

Elviras Haunted Hills (2001)

Elvira is back!
Über zehn Jahre mussten die Fans auf eine Fortsetzung des B-Hits "Elvira - Mistress of the Dark" (1988) warten, und ebenso lange hat Elvira-Darstellerin Cassandra Peterson gebraucht, um Geld für ihr zweites Kinoprojekt aufzutreiben, das sie schließlich aus privaten Mitteln finanzierte und selbst in den Verleih brachte. Vor dieser Leistung muss man schon den Hut ziehen. Nach eigenen Aussagen war Peterson mit dem ersten Film nie zufrieden (man wundert sich, denn der ist ohne Frage klasse), weil die von ihr geschaffene Kunstfigur Elvira dort zu naiv-unschuldig agiert. Deshalb darf sie in ELVIRAS HAUNTED HILLS (Elvira's Haunted Hills) ihren zahlreichen Affen reichlich Zucker geben und eine zweideutige Zote nach der anderen reißen. Dass der Film nie den Charme des Originals erreicht, war zu erwarten.

Obwohl der Vorgänger in der Gegenwart spielt, ist Elvira nun plötzlich im Jahr 1851 angekommen und stolpert mit ihrer Magd Zou Zou (Mary Jo Smith) auf der Suche nach einer Unterkunft durch die kargen Karpaten, mit dem Traum vom großen Auftritt in Paris und einer Blutwurst im Gepäck. Eine vorbeiklappernde Kutsche nimmt die beiden mit zum Schloss des Grafen Hellsubus (Richard O'Brien), wo Elvira sich in den knackigen Stallburschen verliebt, eine Shownummer aufführt und vom durchgeknallten Schlossherren unter das Pendel des Todes geschnallt wird...

ELVIRAS HAUNTED HILLS ist in erster Linie eine Hommage an, bzw. Parodie auf die Edgar Allen Poe-Verfilmungen Roger Cormans. Von "Die Verfluchten" (1960) über das "Pendel des Todes" (1962) bis zum "Grab des Grauens" (1964) wird hier fröhlich alles durch den Kakao gezogen. Das fängt beim stilisierten Aquarell-Vorspann an und hört mit dem langen Riss, der sich durch die Mauern des Gemäuers zieht, noch lange nicht auf. Dazu macht sich der Film über technische Mängel preiswerter Produktionen lustig (er ist selbst billig in Rumänien gedreht worden). So muss etwa der rumänische Stallbursche durchweg asynchron sprechen. Und wenn am Ende das Schloss im Erdboden versinkt, gibt es noch eine "Titanic"-Parodie obendrauf.

Neben dem immer sehenswerten "Rocky Horror"-Erfinder Richard O'Brien in der Rolle des Grafen ist ELVIRAS HAUNTED HILLS natürlich hauptsächlich auf Cassandra Petersons Elvira und deren Dekolleté zugeschnitten. Die Schauspielerin hatte die 50 bereits überschritten, als die Produktion an den Start ging, sieht aber gewohnt spektakulär aus in ihrer tief ausgeschnittenen Gothik-Kluft und reißt einen Busen-Witz nach dem nächsten.
Unglücklicherweise wollen nur sehr wenige Gags wirklich zünden (wie Elviras Naschen im Mitternachts-Eintopf, der sich als Nachttopf des Grafen herausstellt), und zusammen mit den extrem billigen Sets wirkt der Film dann noch trashiger als der erste Teil, der zumindest eine Geschichte vorweisen konnte. Anders als im Vorgänger sind viele Pointen eher von der Marke 'ha-ha', und würden sie nicht souverän von Elvira vorgetragen, wären sie noch schwerer erträglich. Schön aber, dass für die deutsche Synchronfassung wieder Alexandra Lange engagiert werden konnte, die schon im ersten Teil der Elvira so kongenial ihre Stimme lieh.

ELVIRAS HAUNTED HILLS beweist, wie schwer es ist, eine bissige und durchgeknallte Parodie im Stil der "nackten Kanone" zu inszenieren, und wie sehr man die gelungenen Zucker/Abrahams/Zucker-Werke dafür schätzen sollte. Regisseur Sam Irvin hat leider nicht verstanden, dass eine Parodie vor allem von den Darstellern ernst genommen werden sollte, damit sie funktioniert. Im Vorgänger "Elvira, Mistress of the Dark" war Elvira zwar eine schrille Cartoon-Figur, um sie herum aber spielten die Nebendarsteller weitgehend seriös, ohne sich offensichtlich bewusst zu sein, dass sie sich in einer Komödie befinden. In der Fortsetzung hingegen wird so viel "witzig" grimassiert, mit den Augen gerollt und over the top agiert, dass es eben nicht mehr komisch ist. In dieser Ansammlung Verrückter verpufft Elviras exzentrisches Gehabe beinahe vollständig, und das ist das Todesurteil für den Film.

Nun stellt ELVIRAS HAUNTED HILLS auch keinerlei Ansprüche auf Unterhaltung für die Ewigkeit, er ist lediglich ein Filmgeschenk für die Fans, und die dürften an Elviras Sprüchen (und ihrer schmissigen Shownummer) durchaus ihre Freude haben. Alle anderen werden wahrscheinlich nichts mit diesem Film anfangen können.

05/10

Elvira und ihr Sidekick ZouZou - "Elvira's Haunted Hills"


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