Samstag, 3. Dezember 2011

Dolls (1987)

Was ist das nur mit diesen Horror-Puppen?
Ende der 80er/Anfang der 90er erlebte das Grusel-Spielzeug dank "Chucky - die Mörderpuppe" (1988) eine echte Renaissance. Dazu gehören Werke wie "Dolly Dearest" (1992) und "Puppet Master" (1989), der trotz unterdurchschnittlicher Qualität bis heute 10 Sequels (in Worten: zehn!) vorweisen kann. Stuart Gordons Beitrag DOLLS (Dolls) kann zwar mit der launigen Killerpuppe Chucky nicht mithalten, ist aber besser als der Rest des Subgenres. Wobei das nicht viel heißen will.

Der Plot ist simpel. Während eines - für Horrorfilme obligatorischen - Gewittersturms geraten mehrere Fremde in ein abgelegenes Landhaus, das von Guy Rolfe und Hilary Mason bewohnt wird. Diese betätigen sich als Puppenmacher, weshalb es im alten Gemäuer vor Spielzeug nur so wimmelt. Was die Ankömmlinge aber nicht wissen - die Püppchen haben ein magisches Eigenleben und machen in der Nacht gnadenlos Jagd auf die Menschen. Da sie aber gut und böse unterscheiden können, müssen nur eine fiese Stiefmutter (Carolyn Purdy-Gordon), ihr schwächlicher Mann und zwei Diebinnen im Madonna-Look dran glauben...

Man fragt sich ein wenig, was Stuart Gordon an diesem Stoff gereizt haben mag, hatte er doch zuvor mit der H.P. Lovecraft-Verfilmung "Re-Animator" (1986) für Aufsehen gesorgt und war praktisch über Nacht zum Kultregisseur aufgestiegen. "From Beyond" (1987), seine zweite Lovecraft-Adaption, erschien noch vor DOLLS in den Kinos, wurde aber tatsächlich im Anschluss gedreht, weil die Puppen-Effekte lange nachbearbeitet werden mussten.

Gegen die beiden Lovecraft-Splatter-Festivals wirkt der altmodische DOLLS jedenfalls wie eine Fingerübung, die Gordon nebenbei hätte bewerkstelligen können. Obwohl nett anzuschauen und unterhaltsam, fehlt DOLLS jede Originalität, die ihn von anderen Filmen über tödliches Spielzeug unterscheiden würde. Weder haben die Puppen eine eigene Persönlichkeit (à la "Chucky"), noch stehen sie für etwas anderes als das, was sie sind - Killerpuppen eben. Wahrscheinlich hatte Stuart Gordon Spaß an einem klassischen Grusler im Stil von James Whales berühmten "The Old, Dark House" (1932). Mit Guy Rolfe ("Mr. Sardonicus", 1961) und Hilary Mason ("Wenn die Gondeln Trauer tragen", 1973) standen ihm als Herrscher über Haus und Puppen zwei erfahrene Horror-Veteranen zur Verfügung, und Gordons Ehefrau Carolyn Purdy-Gordon darf - wie immer in den Filmen ihres Mannes - eine wundervoll schrille Schreckschraube geben, die sie auch mit Inbrunst spielt.

Die sympathisch-naive Aussage des Films, dass nur Menschen mit "jungen Herzen", also Kindgebliebene, vor den Mächten der Finsternis in Sicherheit sind, während alle rücksichtslosen Zeitgenossen von den ruchlosen Rache-Puppen erschossen, erdolcht und selbst in Puppen verwandelt werden, wird nicht ironisiert udn sorgt dafür, dass DOLLS weniger ein Horror-Schocker denn ein grausames Märchen sein will, an dessen Ende jeder das kriegt, was er verdient. Die produzierenden Empire Pictures verlangten übrigens von Gordon das nachträgliche Einfügen von Splatter-Szenen, um den Erfolg von "Re-Animator" zu wiederholen, weshalb DOLLS manchmal über Gebühr blutig wirkt. Der naive Charme des Films beißt sich etwas mit den derben Effekten, aber so ist eben für jeden Horror-Fan etwas dabei. Ein großer Hit wurde DOLLS jedoch nicht, das hatte "Chucky" doch die Gumminase vorn.

Fazit: DOLLS ist ein netter und mit einer Lauflänge von unter 80 Minuten äußerst kurzer Zeitvertreib für verregnete Sonntagnachmittage. Mehr kann dieser schlichte kleine Film nicht bieten, auch wenn er mit Liebe zum Detail inszeniert ist.

06/10

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