Mittwoch, 30. November 2011

Zum Tod von Ken Russell (1927-2011)

Der britische Filmemacher Ken Rusell starb am 27. November 2011 im Alter von 84 Jahren. Er galt als Enfant Terrible des britischen Films und tat alles dafür, sich diesen Ruf zu verdienen und zu erhalten. Unerschrocken, schrill und mutig waren seine Filme, nie hat er sich den Konventionen unterworfen.
1969 feierte er seinen Durchbruch mit der Literaturverfilmung "Liebende Frauen" nach D.H. Lawrence, um gleich im Anschluss die Welt mit seinem derben Mittelalter-Drama "Die Teufel" (1972) zu schockieren, der heute noch in zahlreichen Ländern verboten ist. Es folgten bizarre Künstler-Biografien wie "Tschaikowsky - Genie und Wahnsinn" (1970), "Mahler" (1974), "Lisztomania" (1975), das Musical "The Boyfriend" (1971), den es immer noch nicht auf DVD gibt, und die Rock-Oper "Tommy" (1974) mit Ann-Margret in der Bohnensuppe.
In Amerika drehte Russell den Horrorfilm "Der Höllentrip" (1980), bei dem er sich mit Autor Paddy Chayefsky überwarf, sowie mit "China Blue - Bei Tag und Nacht" (1984) einen wüsten Angriff auf die amerikanische Doppelmoral. Zurück in England entstanden u.a. die Fortsetzung von "Liebende Frauen", "The Rainbow" (1989) und die Bram Stoker-Adaption "Der Biss der Schlangenfrau" (1988), einer seiner unterhaltsamsten Filme. Nach mehreren Misserfolgen konnte er mit der TV-Adaption der "Lady Chatterley" (1993) noch einmal für Aufsehen sorgen und verlegte sich dann auf sehr kleine Produktionen, die er zum Teil selbst finanzierte.

Russells Vorliebe galt stets den Literatur-Adaptionen, sein liebstes Angriffsziel war die katholische Kirche. Ken Russell war einer der exzentrischsten Regisseure aller Zeiten, seine Werke tragen stets eine ganz eigene Handschrift und sind ebenso drastisch wie verspielt und intellektuell verschachtelt. Groteske, bildgewaltige Szenarios waren sein Markenzeichen. Für die Filmwelt ist Russells Tod eine großer Verlust. Er war einer der letzten unabhängigen, eigenständigen und eigensinnigen Filmemacher des Kinos - und einer meiner Lieblingsregisseure.

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